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Christoph Bauer DuMont-Chef: „Die Banken waren ausgestiegen“

Nach einem Schrumpfkurs konzentriert sich die DuMont-Gruppe auf die Blätter „Kölner Stadt-Anzeiger“, „Kölnische Rundschau“ sowie die Boulevardzeitung „Express“. Quelle: imago images

Christoph Bauer nimmt die Politik in die Pflicht, die Regulierung der digitalen Medienwelt neu zu organisieren. Die Krise der eigenen DuMont-Gruppe sei überwunden – doch ein Damoklesschwert hänge noch.

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Die Antwort kommt schnell – und sie ist kurz: „Ja“, sagt Christoph Bauer, CEO des Kölner Medienhauses DuMont: In den Zeitungen seines Unternehmens wären die Recherchen zu den Umtrieben Julian Reichelts erschienen. Damit bezieht Bauer klar Position in der aktuellen Mediendebatte: Am vergangenen Wochenende hatte Dirk Ippen, Gesellschafter der Münchner Ippen-Zeitungsgruppe, verhindert, dass ein Artikel seines eigenen Rechercheteams über den mittlerweile abgesetzten „Bild“-Chefredakteur Reichelt und dessen Verhalten gegenüber Mitarbeiterinnen in den Blättern der Gruppe erscheint. Der Vorgang war zunächst durch deutsche Medienbranchendienste und eine Kolumne in der „New York Times“ über die Vorgänge im Axel-Springer-Verlag öffentlich geworden. Ippen steht seitdem massiv in der Kritik.

„Wir sind anders aufgestellt“, sagt Bauer in der aktuellen Ausgabe des Podcasts „Chefgespräch“ mit WirtschaftsWoche-Chefredakteur Beat Balzli. Die Redaktionen bei DuMont entschieden selbst über das, was sie veröffentlichen wollten: „Nach unseren checks and balances wäre das passiert und ich hätte davon aus der Zeitung erfahren.“

„Wir wachsen sogar“

Wie aber geht es DuMont? Bauer sieht das eigene Haus wirtschaftlich auf einem guten Weg. Trotz der Coronapandemie und empfindlicher Rückgänge im Werbemarkt habe die Kölner Verlagsgruppe im vergangenen Jahr ihr Ergebnis um 15 Prozent steigern können. Auch für 2021 sehe es so aus, „als könnten wir das Ergebnis steigern“, sagte Bauer. DuMont habe einen der „profitabelsten Großstadtverlage in ganz Deutschland und wir wachsen sogar“.

Geholfen habe dabei, dass DuMont die Abhängigkeit vom Werbegeschäft laut Bauer deutlich verkleinern konnte. Dieses mache nur noch zwölf Prozent der Erlöse aus – vor 15 Jahren hätten noch 70 Prozent der Erlöse im Tageszeitungsgeschäft aus dem Anzeigengeschäft gestammt. „Über die Hälfte unseres Umsatzes ist heute digital, über zwei Drittel des operativen Ergebnisses sind digital“, sagt Bauer.

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    Unter Bauers Ägide hatte sich DuMont in den vergangenen Jahren von allen Zeitungsaktivitäten außerhalb des eigenen Kernmarktes getrennt. Die „Frankfurter Rundschau“, die „Berliner Zeitung“, die „Hamburger Morgenpost“ sowie zuletzt die „Mitteldeutsche Zeitung“ gingen an neue Eigentümer. Stattdessen konzentriert sich DuMont auf die Blätter „Kölner Stadt-Anzeiger“, „Kölnische Rundschau“ sowie die Boulevardzeitung „Express“ und stieg in neue Geschäftsfelder rund um digitale Dienstleistungen, Software und Business-Informationen wie den „Bundesanzeiger“ ein.

    Im Gespräch mit WirtschaftsWoche-Chefredakteur Beat Balzli machte Bauer klar, dass das Überleben des mehr als 400 Jahre alten Kölner Traditionshauses vor acht Jahren an einem seidenen Faden hing: „Es war klar, dass große Not besteht und unsicher war, ob es das Unternehmen im nächsten Jahr noch geben würde“, sagte Bauer. Das Unternehmen habe „keine Bankenbeziehungen“ mehr gehabt, „die Banken waren ausgestiegen – eine anspruchsvolle Situation.“

    „Erdrutschartige Verschlechterungen“

    Sorgen bereiten dem DuMont-Chef angesichts der Investitionen in neue, digitale Geschäftsfelder die mangelnde Regulierung und die Machtstrukturen der Digitalökonomie, die dominiert wird von Milliardenkonzernen wie Facebook, Google und Apple. Im WirtschaftsWoche-Podcast sieht Bauer daher die Politik in der Pflicht, die Rahmenbedingungen in der digitalen Medienwelt neu zu ordnen. Während DuMont bereit sei, sich „kulturell, ökologisch und ökonomisch neu aufzustellen“, vermisse er einen vergleichbaren „notwendigen Wandel in der Politik und einen Institutionenwandel“ gerade im Umgang mit den Gatekeepern der globalen Informationsgesellschaft.

    Innerhalb der Europäischen Union macht Bauer Mängel aus. EU-Digitalkommissarin Margret Vestager sei zwar eine „brillante Frau“. Doch die Instrumente, die ihr bislang zur Einhegung der Digitalhegemone zur Verfügung stünden, erinnerten ihn eher an die US-Strafverfolger zu Zeiten der Prohibition vor hundert Jahren: „Das kommt mir so vor wie bei Al Capone, dem größten Mafiosi der Welt, den sie am Ende wegen einer falschen Steuererklärung drangekriegt haben.“ Institutionen und Instrumente der Regulierung reichten nicht aus, um „der neuen Rahmenbedingungen der digitalen Ökonomie Herr zu werden“, sagte Bauer.

    Die dürfte insbesondere für DuMonts Boulevardblatt „Express“ in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. Im WirtschaftsWoche-Podcast sagte Bauer, die Zukunft für den „Express“ werde mittelfristig „rein digital“ sein. Die coronabedingten Lockdowns und Kiosk-Schließungen hätten „uns sehr gebeutelt“, sagte Bauer, diese hätten „zu erdrutschartigen Verschlechterungen“ geführt, bei denen wenig Aussicht auf Erholung bestehe. „Wenn die Nachfrage weiter zurückgeht, müssen wir uns mit der Frage auseinandersetzen, wann es wirklich keinen Sinn mehr ergibt, den Express zu drucken.“ Noch könne es einige Jahre dauern, doch das Damoklesschwert hänge über dem „Express“.

    Jetzt im Podcast: Christoph Bauer hat schon mehrere Medienhäuser umgebaut oder gesundschrumpft – und führt heute die Kölner DuMont-Gruppe. Was er über den Fall Reichelt, die Macht von Facebook und die Zukunft des Mediengeschäfts denkt.

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