1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Dienstleister
  4. Deag und Capricorn: Rockfestival am Nürburgring droht das Aus

Deag und CapricornRockfestival am Nürburgring droht das Aus

Weil der Rennstreckenbetreiber Capricorn Nürburgring (CNG) und Konzertveranstalter Deag auf keinen gemeinsamen Nenner kommen, könnte der Vertrag für das Festival "Der Ring – Grüne Hölle Rock" bald aufgelöst werden.Florian Zerfaß 27.03.2015 - 11:22 Uhr aktualisiert

Das bisherige Nürburgring-Festival "Rock am Ring" ist abgewandert. Der neue Konzertveranstalter Deag ist sich mit der Capricorn Nürburgring aber auch nicht einig. Die Folge: Vor der ersten Ausgabe steht das neue Festival schon vor dem Aus.

Foto: CLARK/obs

Am 17. März 2015 unterschreibt Peter Schwenkow einen kurzen Brief, nur eineinhalb Seiten lang, aber vollgeladen mit Sprengstoff. Der Chef des Berliner Konzertveranstalters Deag wendet sich an die Geschäftsführung der Nürburgring-Betriebsgesellschaft Capricorn Nürburgring GmbH (CNG). An der Rennstrecke soll am letzten Maiwochenende das Rockfestival „Der Ring – Grüne Hölle Rock“ stattfinden.

So jedenfalls lautete bisher der Plan. Doch die CNG ist mit dem Partner Deag unzufrieden und will schon vor der ersten Austragung raus aus dem Fünfjahresvertrag, hat bereits eine Auflösung des Kontrakts gefordert. Das aber weist Schwenkow scharf zurück: „Den Bedingungen der von Ihnen vorgeschlagenen Vertragsaufhebung“ könne er nach Rücksprache mit dem Aufsichtsrat „nicht zustimmen.“ 

Denn bis Mitte März, so listet Schwenkow auf, waren erst schlappe 800.000 Euro an Vorverkaufserlösen eingegangen, an Kosten aber bereits mehr als 3,5 Millionen Euro aufgelaufen. 2,68 Millionen davon entfallen auf Vorauszahlungen für Künstlergagen, 843.000 Euro auf sonstige Kosten. Schwenkow weist zudem darauf hin, dass Ende März die nächste Vorabzahlung für Künstlergagen von fast 1,27 Millionen Euro ansteht. Doch die Vorverkaufserlöse, heißt es weiter, reichen nicht aus, um die Vorkosten zu decken.

Die zehn größten Musikfestivals nach Umsatz 2014
Das Bravalla Festival in Schweden zog im vergangenen Jahr fast 60.000 Besucher an. Die spülten 16,3 Millionen US-Dollar in die Kassen der Betreiber.Quelle: Pollstar
70.000 Besucher lockten die Betreiber von Rock im Park im vergangenen Jahr nach Nürnberg. Damit machten sie einen Umsatz von 16,7 Millionen US-Dollar.
Das Lollapalooza Chile spielte einen Umsatz von 16,8 Millionen US-Dollar ein. Verkauft wurden dafür 110.000 Tickets.
Zum Stagecoach in den USA kamen 190.000 Besucher. Die Betreiber machten damit im vergangenen Jahr einen Umsatz von 18,6 Millionen US-Dollar.
Das Outside Lands Music & Arts Festival in San Francisco lockte mehr als 200.000 Besucher. Der Umsatz betrug 19 Millionen US-Dollar.
Rock am Ring ist das größte deutsche Festival. Im vergangenen Jahr kamen 82.000 Besucher zum Nürnburgring und sorgten für einen Umsatz von mehr als 20 Millionen US-Dollar.
Das Lollapalooza in den USA lockte vergangenes Jahr 300.000 Festival-Besucher. Die Betreiber machten einen Umsatz von 28,8 Millionen US-Dollar.
Zehn Millionen US-Dollar mehr spielte Austin City Limits Music in den USA ein. 450.000 Tickets verkauften die Veranstalter.
Das zweit-umsatzstärkste Festival der Welt ist das Mysteryland – ein Festival das ebenfalls in den USA stattfindet. 48 Millionen US-Dollar betrug der Umsatz 2014. Verkauft werden mussten dafür nur 40.374 Tickets.
Das umsatzstärkste Festival der Welt ist das Coachelle Valley Music & Arts Festival. 579.000 Besucher generierten vergangenes Jahr einen Umsatz von 78 Millionen US-Dollar.

Deshalb gibt Schwenkow eine Kontonummer an und fordert die CNG auf, innerhalb einer kurzen Frist „Liquidität zur Verfügung zu stellen.“ Auf Nachfrage dazu stellt Schwenkow klar, dies bedeute kein Liquiditätsproblem. Allerdings seien bisher alle Künstlergagen von der Deag bezahlt worden, wogegen eine hälftige Aufteilung der Kosten vereinbart worden sei. „Jetzt sind die mal dran, sich zu beteiligen.“ Ein CNG-Sprecher wollte dazu nicht Stellung nehmen.

Krisentreffen kommende Woche

Das Tischtuch zwischen den Partnern ist völlig zerschnitten, sogar eine Absage des Festivals steht im Raum. Auf Nachfrage, ob er eine Absage ausschließen könne, sagt ein CNG-Sprecher nur: „Kein Kommentar.“ Schwenkow bestätigt dagegen auf Anfrage, dass er eine Verlegung des Festivals in Erwägung zieht. Obwohl es nur noch zwei Monate bis zum Festival sind, werden alternative Ausrichtungsorte für die Veranstaltung 2015 geprüft. Über eine Ausfallversicherung sieht Schwenkow die Deag zudem gut abgesichert. Bis zur kommenden Woche soll sich die Zukunft des Festivals klären – und dabei, so klingt auf beiden Seiten durch, dürfte es noch „richtig knallen.“

Der von 2007 bis 2009 gebaute Freizeit-, Gastronomie- und Hotelkomplex an der weltbekannten Rennstrecke in der Eifel wurde mit öffentlichen Mitteln finanziert, weil private Geldgeber absprangen. Statt der veranschlagten 150 kostete das Projekt rund 330 Millionen Euro. Weil der Freizeitpark rote Zahlen schreibt, diskutieren rheinland-pfälzische Politiker dessen Schließung.

Foto: Pressebild

Die superschnelle, 13 Millionen Euro teure Achterbahn wurde 2009 gebaut. Sie beschleunigt in 2,5 Sekunden von 0 auf 217 Stundenkilometer.

Nach zwei Test-Unfällen mit sieben Verletzten verweigert der TÜV die Betriebsgenehmigung und legte einen neuen Termin auf Juni 2011.

Foto: Pressebild

Ein 15 000 Quadratmeter großer Indoor-Freizeitpark, der für 500 000 Gäste pro Jahr geplant war. Tatsächlich kamen 2010 weniger als halb so viele. Die neue Planzahl liegt bei 170 000 Besuchern pro Jahr.

Foto: Pressebild

Der Boulevard ist eine 350 Meter lange, 9000 Quadratmeter große Einkaufspassage parallel zur Start- und Zielgeraden. Statt Läden gibt es einen Nissan-Showroom, ein RWE-Infocenter, Büros von ADAC und TÜV und einen wochentags geschlossenen Klettergarten. 2009 wurde ein Zehntel der geplanten Mieteinnahmen erzielt, für 2010 liegen noch keine Angaben vor.

Foto: Pressebild

Eine Veranstaltungshalle am Ring-Boulevard mit 3500 Sitzplätzen und 1800 Quadratmeter Innenraum. Ende 2010 und Anfang 2011 fielen nach Angaben des Ring-Managements drei von vier geplanten Konzerten „wegen mangelnder Nachfrage“ aus.

Foto: Pressebild

Die Feier-Meile mit sieben Restaurants, Café und der Disco Eifel- Stadl sollte auch im Winter Leben in die Eifel bringen. Stattdessen sind Lokalitäten wie das Steakhaus „El Chueco“ derzeit oft geschlossen.

Foto: Pressebild

Seit 2009 betreibt Lindner das Congress- & Motorsporthotel (vier Sterne) mit 154 und das Eifeldorf Grüne Hölle (drei Sterne) mit 65 Zimmern. Das ältere Dorint-Hotel (vier Sterne) hat 207 Zimmer. Lindner vergibt die Doppelzimmer im Vier-Sterne- Haus schon mal für 65 Euro pro Nacht.

Foto: Pressebild

Für die Deag kommt der Festivalärger äußerst ungelegen. Im November hatten die Berliner einen „Wachstumsschub“ durch den „massiven Eintritt in den Rockfestivalmarkt“ angekündigt. Drei neue Festivals sollten der künftige Umsatztreiber werden. Neben „Der Ring“ läuft am letzten Maiwochenende parallel „Rockavaria“ im Münchner Olympiapark. Eine Woche später folgt „Rock in Vienna“ auf der Wiener Donauinsel.

Metallica, Muse und Kiss sollen Zehntausende zu den Festivals locken. Massiv und wachsend sind derzeit allerdings vor allem die Probleme im Festivalgeschäft. Der Vorverkauf läuft holprig, die Strategie geht nicht wie geplant auf.

Anfang Februar hatte die Deag eine Statistik der verkauften Tickets für „Der Ring“ erstellt. Über alle Verkaufskanäle hinweg waren damals insgesamt nur rund 7500 Tickets verkauft. Schwenkow will sich zu der Zahl auf Nachfrage nicht äußern. Neuerdings bietet Deag auch Tagestickets an, für jedes Festival sind seit 11. März 30.000 Tagestickets erhältlich, für jeden Festivaltag je 10.000 Stück.

Rennstreckendesaster

Nächste Runde im Nürburgring-Skandal

von Florian Zerfaß

Dass Tagestickets nicht für überragende Verkaufserfolge sprechen, weiß jeder in der Musikszene. Das Bandprogramm ist dann nicht stark genug, ausreichend Käufer für die Tickets über alle drei Tage anzuziehen. Schwenkow selbst sagte im November der Koblenzer „Rhein-Zeitung“, er „hoffe, dass es keine Tagestickets gibt.“ Jetzt gibt es bereits zweieinhalb Monate vor den Festivals Zehntausende.

Kombiniert – Drei-Tages-Tickets und Tageskarten – wurden für Rockavaria (Kapazität: 68.000 Besucher) nach Informationen der WirtschaftsWoche bisher rund 33.000 Tickets verkauft, für Rock in Vienna (Kapazität: 55.000 bis 60.000) etwa 16.000. Schwenkow will auch diese Zahlen nicht kommentieren: „Der heutige Stand interessiert uns nicht. Wir werden am Ende gute Besucherzahlen haben.“

Der Deag-Boss muss darauf hoffen, dass der Ticketverkauf in den anstehenden Wochen schnell anzieht. Ein positives Signal ist, dass die börsennotierte Deag bisher noch keinen Anlass für eine Gewinnwarnung gesehen hat. Und wenn Schwenkow am kommenden Dienstag die Ergebnisse 2014 vorstellt, werden die Zahlen voraussichtlich recht gut sein.

Nürburgring

Staatsanwaltschaft Koblenz prüft Ermittlungen gegen Insolvenzverwalter

von Florian Zerfaß

Im Zwischenbericht für das dritte Quartal 2014 heißt es: „Deag ist nach 9 Monaten über Plan und erwartet starkes Gesamtjahr 2014.“ Nach 975.000 Euro Nettogewinn 2013 kündigen die Berliner in dem im November veröffentlichten Quartalsbericht auch an, für das Gesamtjahr 2014 und für 2015 „eine weitere Steigerung bei Erlös und Ertrag“ zu erwarten.

Deag im Deflations-Dilemma

Kommt die Trendwende beim Ticketverkauf allerdings nicht, könnte der positive Ausblick auch schnell Makulatur sein. Das Dilemma der Deag ist dabei, dass sie außer den Tageskarten auch schon diverse Rabattaktionen am Laufen hatte. Die muss sie auch bringen, damit sich beim Ticketverkauf etwas bewegt.

Allerdings bringen sich Veranstalter mit jedem Rabatt tiefer in eine Spirale, die einer volkswirtschaftlichen Deflation bis aufs Haar gleicht: Kaufzurückhaltung in Erwartung künftig sinkender Preise. Wer in einschlägige Foren wie www.ringrocker.com schaut, kann erkennen: Einige Fans wollen mit dem Kauf noch warten und spekulieren darauf, dass es kurz vor Toreschluss noch viel größere Rabatte gibt.

Im Sog der Festivalkrise hat auch ein weiteres Wachstumsprojekt mehr Anlaufschwierigkeiten als erhofft: Das Deag-eigene Ticketportal MyTicket.de. Als das im November an den Start ging, schwärmte die Deag: „Die sorgfältig vorbereitete Ausweitung der Wertschöpfungskette eröffnet der DEAG erhebliche Ergebnispotenziale.“ Trotz Fernsehwerbung während des Weihnachtsgeschäfts lief der Vorverkauf für „Der Ring“ über MyTicket allerdings höchst bescheiden an.

In der Deag-Aufstellung von Februar, in der alle Verkaufskanäle separat ausgewiesen sind, stehen bei MyTicket weniger als 50 verkaufte Tickets. Schwenkow hält dagegen, dass mittlerweile eine stattliche Zahl von Tagestickets für „Der Ring“ und „Rockavaria“ über MyTicket verkauft worden sei. „Bei MyTicket zeichnet sich eine Erfolgsgeschichte ab. Wir sehen das als Long Run, haben einen Businessplan für fünf Jahre. Der ist aktuell sogar übererfüllt, aber wie es nach wenigen Monaten aussieht, sagt ohnehin nicht allzu viel aus.“

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick