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Deutsche BahnGesucht: Neuer Bahnchef. Vielleicht eine Mischung aus Carsten Spohr und dem Ex-Chef der ÖBB?

Richard Lutz als Bahnchef ist Geschichte. Jetzt braucht der Konzern einen Manager mit Weitblick und Stallgeruch. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Artur Lebedew 15.08.2025 - 13:08 Uhr
Der Zug ist da! Auch ein neuer Bahnchef muss für Millionen verärgerter Fahrgäste sichtbarer sein, als Lutz es war. Foto: picture alliance / NurPhoto

Am Ende geht es ganz schnell. Eine eilig zusammengerufene Pressekonferenz. Die Fernsehkameras noch schnell aufgebaut. Gerade einmal acht Minuten dauert es, dann ist die achtjährige Dienstzeit von Bahnchef Richard Lutz Geschichte. Vor allem einen Eindruck wollte der Verkehrsminister Patrick Schnieder dabei auf keinen Fall aufkommen lassen: Nach Chaos und Bauchentscheidung sollte die Lutz-Ausbootung nicht aussehen, davon hatte der Bahnkonzern in den letzten Jahren genug.

Die Personalsuche gehe „jetzt ihren geordneten Weg“, das „Verfahren“ sei eingeleitet. Jetzt suche man einen, „der umsetzt, was wir wollen“. Offensichtlich versucht hier einer, die Kontrolle über den wild gewordenen Bahnkonzern zurückzugewinnen. Seit Jahren fordern Kritiker eine Verkehrung der Dienstanweisungen: Nicht der Chef der Deutschen Bahn, sondern der Bund als Eigentümer soll die Richtung vorgeben – der Bahnchef sie ausführen. „Zuerst die Strategie, dann das Personal“, sagte Schnieder im Stile eines Verwaltungsrates.

Ende September will er die neue Strategie vorstellen, „im besten Fall“ dann auch den neuen Bahnchef präsentieren.

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Dass Schnieder und der ehemalige Staatssekretär und Bahn-Aufsichtsratschef Werner Gatzer einen möglichen Kandidaten auf dem Zettel haben, davon muss man ausgehen. Andernfalls wäre kaum Eile geboten und der „Alles-unter-Kontrolle“-Effekt wäre verpufft. Was also wird der oder die Neue mitbringen müssen?

Nun, die Deutsche Bahn braucht jetzt Führungspräsenz. Lutz war ein stiller Arbeiter für die Hinterzimmer. Oder können Sie sich noch an das letzte Interview mit Lutz erinnern? In einem Konzern mit über 220.000 Mitarbeitern und Millionen von aufgebrachten Fahrgästen braucht es gerade jetzt klare Kommunikation von oben und Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit. Vielleicht jemanden wie Carsten Spohr von der Lufthansa? Er ist ein klarer Kommunikator und Stratege mit Weitblick.

Das wäre einen Versuch wert. Aber der Neue braucht auch Bahn-Stallgeruch. Für einen Azubi auf dem Chefsessel ist in der jetzigen Misere keine Zeit. Die Komplexität des DB-Konzerns, die unterschiedlichen Töchter, die föderalen Strukturen und industriellen und finanziellen Verflechtungen sind eines der Probleme, warum Lutz gescheitert ist. Einblick und Durchblick bräuchte es, um die Strukturen neu zu ordnen. Vielleicht also jemand wie Christian Kern, der ehemalige Ex-Kanzler von Österreich und frühere langjährige Chef der ÖBB?

Ein Politiker für den politischsten Unternehmensjob der Republik? Das hätte seinen Reiz. Aber auch die Gefahr, dass der Neue sich in allerlei Aktivismus verstrickt, in öffentlich wirksamen Ankündigungen und schön klingenden Zukunftsformeln. Auch davon hatte die Bahn jetzt genug.

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Vielleicht doch eine interne Lösung: Schon vor Monaten munkelte mancher um die Beförderung von Evelyn Palla, der Chefin der DB-Regio-Tochter. Sie hat das geschafft, was man seit Längerem auch im gesamten Konzern gerne sehen würde: klarere Strukturen, dazu Autarkie auf den operativen Feldern vor Ort. Das kann sich auch geschäftlich sehen lassen: Als einziger Bereich im Konzern fährt DB Regio schwarze Zahlen ein.

Ob es so kommt, ist allerdings seit gestern eher unwahrscheinlich. Hätte Schnieder Palla ganz oben auf dem Zettel, hätte er die Entscheidung eher verkündet. Jetzt noch Wochen hinauszuzögern, obwohl die Strategie offensichtlich steht, ergibt keinen Sinn. Dazu hält sich auch Palla zu sehr im Hintergrund und ist zu sehr Teil des Problemkonzerns.

Sichtbare Führung, Bahn-Einblick und vorzeigbare Leistungen – es wird nicht einfach sein, jemanden mit einem solchen Profil auszumachen. Dazu kommt das Risiko, das jeder Bahnchef auf sich nehmen muss, wenn es dann nicht läuft.

Andererseits: In welchem deutschen Unternehmen gibt es aktuell so viel Gestaltungsfreiheit und Veränderungswunsch wie bei der Deutschen Bahn? Ein Job, wie gemacht für Macher. Auch so eine Qualität, die er oder sie draufhaben sollte.

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