Deutsche Bahn Warum Pofalla bei der Bahn mehr Macht bekommt

Der frühere Kanzleramtsminister und heutige Rechtsvorstand der Deutschen Bahn erhält zusätzliche Kompetenzen. Für Bahnchef Grube wird Pofalla immer wichtiger. Selbst als dessen Nachfolger ist er im Gespräch.

Wer nach Grubes Umbau im Bahn-Vorstand sitzt
VorstandsvorsitzenderRüdiger Grube (64) ist seit Mai 2009 Vorsitzender des Vorstands. Sein Vertrag läuft bis Ende 2017. Quelle: dpa
FinanzvorstandRichard Lutz (51), zuständig für Finanzen und Controlling, verantwortet zusätzlich für die internationale Bustochter Arriva und die Gütertransporte jenseits des Schienenverkehrs zuständig sein (Lastwagen, Schiff, Flugzeug). Quelle: REUTERS
Vorstand für Infrastruktur und DienstleistungenVolker Kefer (60) ist seit Herbst 2009 im Vorstand. Er fungiert inzwischen als Stellvertreter Grubes und wie zuletzt das Ressort Infrastruktur und Dienstleistungen leiten, ergänzt um Teilbereiche der Technik. Die Aufgaben der Techniksparte wurden nach dem Weggang ihrer Chefin Heike Hanagarth verteilt Quelle: dpa
PersonalvorstandUlrich Weber ( 66), Personalvorstand, ist aus dem langen Tarifkonflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL bekannt. Er durfte bleiben. Quelle: dpa
RechtsvorstandRonald Pofalla (56), löste Gerd Becht (63) als Konzernvorstand für Regeltreue, Datenschutz, Recht und Konzernsicherheit ab. Außerdem behält der Ex-Kanzleramtschef seine bisherige Aufgabe bei der Bahn: die Kontaktpflege zu Politikern im Bund und bei der EU in Brüssel. Quelle: dpa
Vorstand Personen- und GüterverkehrBerthold Huber (52), war bis August 2015 Chef der Bahntochter DB Fernverkehr. Seitdem leitet er als Vorstandsmitglied nicht nur den gesamten Personenverkehr, sondern auch die Güterbahn. Quelle: dpa
AusgeschiedenUlrich Homburg (60) schied im August 2015 als Vorstand für den Personenverkehr aus dem Gremium aus. Berthold Huber ersetzt aber nicht nur Homburg, sondern auch... Quelle: dpa
Ausgeschieden... Karl Friedirch Rausch. Der Vorstand für Transport und Logistik ging 2015 früher als geplant in Ruhestand. Rausch stand einst auch bereits dem Bereich Personenverkehr vor. Quelle: dpa
AusgeschiedenHeike Hanagarth schied im Juli 2015 als Vorstand für Technik und Umwelt aus dem Unternehmen aus. Der Vorstandsposten war erst vor eineinhalb Jahren zuvor geschaffen worden, auch um die Probleme bei der Beschaffung und Zulassung von Zügen besser in den Griff zu bekommen. Ihre Aufgaben wurden auf die anderen Vorstandsressorts verteilt. Quelle: dpa
AusgeschiedenGerd Becht verantwortete bei der Bahn seit 2009 das Vorstandsressort Compliance, Datenschutz, Recht und Konzernsicherheit. Im August 2015 musste er seinen Posten vorzeitig für Pofalla räumen – sein Vertrag läuft eigentlich noch bis 2017. Quelle: Presse

Bahnchef Rüdiger Grube gibt Ronald Pofalla mehr Kompetenzen. Künftig soll der frühere CDU-Politiker den Geschäftsbereich DB Sicherheit übernehmen, der rund 3700 Mitarbeiter beschäftigt und zurzeit Grubes neuem Vize Volker Kefer unterstellt ist.

Damit erweitert Pofalla seinen Einflussbereich. Bislang ist er als Vorstand für die Bereiche „Wirtschaft, Recht und Regulierung“ zuständig. Pofalla löste im August 2015 den bisherigen Rechtsvorstand Gerd Becht ab. Für Bahnchef Grube wird Pofalla immer wichtiger. Der 56-Jährige Pofalla hat von Grube bereits zu Beginn seiner Bahn-Karriere Anfang 2015 die Verantwortung für die politische Lobbyarbeit übernommen. Bis dahin war es vor allem Grube, der den Kontakt zur Politik hielt.

Doch mit Pofalla hat sich der Bahn-Chef einen Polit-Profi ins Haus geholt. Pofalla war von Oktober 2009 bis Dezember 2013 Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes. Pofalla, der aus dem Wahlkreis Kleve in Nordrhein-Westfalen stammt, gilt auch heute noch als enger Vertrauter der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bei der Bahn hat Pofalla inzwischen seine Rolle gefunden.

Fakten zum Personenverkehr der Deutschen Bahn

Der Manager gilt als guter Zuhörer, der nach seinen Gesprächen Notizen anfertigt und schnelle Entscheidungen trifft. Ungewöhnlich für einen Politiker ist, dass Pofalla sich konzernintern eher weniger in den Vordergrund drängt. Er agiert eher ruhig und im Hintergrund. Pofalla weiß aber auch, welche Drähte er aktivieren muss, wenn er Informationen braucht. „Pofalla macht seinen Job“, sagt einer, der ihn kennt.

Aufsichtsrat ist unzufrieden mit Grube

Möglicherweise liegt seine unaufgeregte Art  auch daran, dass sein Standing im Konzern auf Grund seiner freundschaftlichen Nähe zu Grube als unantastbar gilt. Es gab in jüngster Zeit Meldungen, dass Pofalla der wahrscheinlichste Nachfolgekandidat für Bahnchef Grube sei. Der Aufsichtsrat ist nicht zufrieden mit Grube. Dessen Vertragsverlängerung ist deshalb unsicher.

Anteil pünktlicher Züge der Deutschen Bahn im Personenverkehr

Schon 2017 könnte der Chefposten also frei werden. Allerdings ist in der Konzernhierarchie Technikvorstand Volker Kefer als Nummer zwei gesetzt. Der 60-Jährige genießt vor allem im Aufsichtsrat einen sehr guten Ruf. Ihm werden die größten Chancen nachgesagt.

Bundestagswahl 2017 könnte Bahn-Vorstand beeinflussen

Doch am Ende entscheidet das nicht der Aufsichtsrat, sondern die Kanzlerin. Der Konzern gehört zu hundert Prozent dem Bund. Die Kanzlerin holte auch Grube 2009 zur Bahn – auf Vorschlag von Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Mehdorn und Grube hatten lange zuvor eine Vereinbarung getroffen, dass Mehdorn seinen einstigen Ziehsohn (Grube war von 1990 bis 1992 Vorstandsassistent von Mehdorn bei Airbus) als Nachfolger empfehle. Merkel willigte ein. Nicht auszuschließen, dass Grube und Pofalla eine ähnliche Vereinbarung getroffen haben. Zudem kennen sich Merkel und Pofalla lange und gut.

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Die Personalentscheidung könnte dann aber natürlich auch von den Ergebnissen bei der Bundestagswahl 2017 abhängen. Bis dahin will Pofalla zeigen, dass er es drauf hat als Vorstand und baut seinen Geschäftsbereich derzeit um. Der bisherige Chef von DB Sicherheit, Gerd Neubeck, wird Sonderbeauftragter für europäische Sicherheitsfragen. Er hält Kontakt zu europäischen Behörden und der Polizei und soll sicherstellen, dass Züge und Bahnhöfe von Terroranschlägen verschont bleiben. Auf den obersten Sicherheitsposten folgt Hans-Hilmar Rischke, bislang Leiter Objekt- und Personenschutz bei der Deutschen Bahn.

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