WiWo App Jetzt gratis testen!
Anzeigen

Emirates, Etihad und Qatar Airways Wie die Emirate die Golf-Airlines pushen

Eine Studie der US-Fluglinien will der Konkurrenz vom Golf unzulässige Subventionen nachweisen. Das ist etwas scheinheilig. Doch der Blick in bislang unveröffentlichte Unterlagen zeigt viele überraschende Wege, wie die Regierungen der Emirate Geld in Emirates, Etihad und Qatar Airways gepumpt haben. Die fünf wichtigsten Fragen.

Die Luxus-Angebote der Fluglinien
Etihad (I)Ein wenig hat die Staatslinie aus Abu Dhabi immer unter ihrer Rolle als Nachzügler gegenüber ihren Lokalrivalen gelitten. Emirates aus Dubai war größer und Qatar Airways aus Katar hatte laut Marktforschern wie der britischen Skytrax den besseren Service. Nun ist Etihad endlich Nummer eins mit der luxuriösesten First Class.
Etihad (II)Denn das „The Residence“ genannte Angebot ist im Gegensatz zur Konkurrenz kein mehr oder weniger umbauter Sitz, sondern eine Art Dreiraum-Wohnung mit Aufenthaltsraum, eigenem Bad mit Dusche, einem Schlafzimmer und einem eigenen Butler.
Etihad (III)Exklusiv wird das Angebot gleich aus zwei Gründen: Es kostet pro einfachem Flug mindestens 14.000 Dollar. Und angeboten wird es erst ab dem kommenden Jahr und nur auf den insgesamt zehn Superjumbos A380 von Etihad.
Emirates (I)Seine Konkurrenten aus Europa erschreckte die Staatslinie aus Dubai lange Zeit vor allem durch Kampfpreise und starkes Wachstum. Doch Fünf-Sterne-Linie setzte auch einen neuen Maßstab beim Service. Quelle: PR
Emirates (II)Als erste baute sie in ihrer First Class um, spendierte den luxuriösen Schlafsessel eine Wand und machte daraus eine Suite mit einem eigenen Kühlschrank. Quelle: PR
Emirates (III)Das toppte die Fluggesellschaft Emirates noch, als sie in ihre Superjumbos A380 statt der üblichen Toiletten zwei komplette Badezimmer mit Dusche einbaute. Die waren so beliebt, dass die Linie die Zeit unter der Brause beschränken musste, damit jeder mal dran kam. Kein Wunder, dass die Linie nun die Führung halten will und wie Lokalrivale Etihad ein fliegendes Dreiraum-Appartement plant. Quelle: PR
Singapore Airlines (I)In Sachen Service hat keine Airline einen besseren Ruf als die Linie aus dem südostasiatischen Stadtstaat. Kein Wunder, bot sie doch als erste persönliche Bildschirme auch in der Economy Class und Video-on-Demand im Unterhaltungsprogramm. Zudem gibt es besonders großzügige, nicht zu sehr umbaute Schlafsessel und im A380 sogar eine umbaute Kabine, die sich zum Doppelbett erweitern lässt. Quelle: PR

Beim zweiten Versuch hat Richard Anderson sein derzeitiges Lieblingsthema endlich richtig rübergebracht. Zusammen mit seinen heimischen Wettbewerbern American Airlines und United, sowie den Gewerkschaften von Piloten und Flugbegleitern stellte der Chef der US-Fluglinie Delta Air Lines eine Studie über die Subventionen der Fluglinien vom persischen Golf vor. Insgesamt gut 42 Milliarden Dollar an illegalen Hilfen, so Anderson, haben Emirates aus Dubai, Etihad aus Abu Dhabi und Qatar Airways aus Katar seit ihrer Gründung von ihren Regierungen bekommen. „Ohne die Hilfen wären sie keine bestehenden Unternehmen mehr“, lautet das Fazit der Übersicht der US-Unternehmensberatung Capital Trade aus Washington, einem Spezialisten für Wettbewerbsverstöße.

Die Reaktion in der Öffentlichkeit war positiv. Doch sie hätte noch besser sein können, wäre Anderson nicht im Februar sein erster Vorstoß in Sachen Subventionen am Golf daneben gegangen. Da wollte er Dampf ablassen, weil Emirates & Co. ihm und seinen Wettbewerbern das Leben schwer machen. Doch in einem Interview beim US-Nachrichtensender CNN verhedderte sich der sonst eher dröge und blasse Finanzfachmann in einer – mit Wohlwollen – unglücklichen Verbindung von den Golfairlines zu den ebenfalls aus der Golf-Region stammenden Urhebern der Terroranschläge vom 11. September 2001 auf die USA.

Wie die Golf-Airlines vom Staat gefördert werden

Solche emotionalen Ausrutscher bietet die Studie mit dem Titel „Beweise für strafbare Regierungssubventionen, empfangen von Etihad Airways, Qatar Airways und Emirates Airline“ nicht.

US-Airlines verschweigen eigene Staatshilfen

Das in zwei Jahren Arbeit erstellte Konvolut hat natürlich seine Fehler. Es ist unvollständig, denn es kümmert sich nur um die drei großen Fluglinien – nicht jedoch um andere aus der Region wie Saudia aus Saudi-Arabien oder Turkish Airlines. Zu guter Letzt ist der Vorwurf der US-Linien ein wenig scheinheilig. Denn mit Ausnahme von Indien sind die Golflinien keine direkte Konkurrenz und können den Linien somit kaum Passagiere stehlen.

Dazu verlieren Delta & Co. kein Wort darüber, dass auch sie Subventionen vergleichbare Hilfen bekommen haben, etwa weil sie in mehreren Gläubigerschutzverfahren Schulden und unbequeme Verträge mit Gewerkschaften oder Leasingnehmern abwerfen konnten. Und es ist kein unfairer Wettbewerb, wenn ein Land beschließt, den eigenen Airlines keine finanziellen Mühlsteine um den Hals zu hängen durch die im Westen üblichen Zusatzsteuern oder strengen Betriebsauflagen wie einem Nachtflugverbot.

Die beliebtesten Business-Flugzeuge Europas
Auf der Paris Airshow 2001 feierte die französische Antwort auf die Gulfstream G550 ihre Premiere. Der Jet ist das größte, schnellste und reichweitenstärkste Privatflugzeug des französischen Luftfahrtkonzerns Dassault. 2014 legte die Falcon F7X kräftig zu und verzeichnete 12,8 Prozent mehr Starts in Europa. (Platz 15 - Falcon F7X - 13.954 Starts im Jahr 2014) Die Rangliste basiert auf Daten des Marktforschungsinstituts WINGX Advance. Dafür wurden Daten der europäischen Luftverkehrskontrolle Eurocontrol ausgewertet. Quelle: Presse
Die kleinere Maschine der Challenger-Reihe von Bombardier hatte ihren Jungfernflug ebenfalls 2001. Die Kanadier wollen als Nachfolger die Challenger 350 auf den Markt bringen. Doch noch läuft es für die Challenger 300: Die Abflüge stiegen um 1,7 Prozent. (Platz 14 - Challenger 300 - 14.306 Starts) Quelle: Presse
Die Global-Serie von Bombardier setzt insbesondere in der Reichweite Maßstäbe. Je nach Ausführung können die Maschinen zwischen 9630 und 14.631 Kilometer weit fliegen. 2014 gab es 9,4 Prozent mehr Starts in Europa. (Platz 13 - Global Express - 16.573 Starts) Quelle: Presse
Die Gulfstream G500 des gleichnamigen US-Herstellers und das Vorgängermodell liegen ebenfalls im Trend. 2014 nahm die Zahl der Abflüge um 2,7 Prozent zu. Die G500 überzeugt vor allem durch ihre Reichweite von mehr als 9000 Kilometern. (Platz 12 - Gulfstream G500 - 17.828 Starts) Quelle: Presse
Bereits seit Mitte der Achtzigerjahre ist die Falcon 900 im Einsatz. Der dreistrahlige Dassault-Flieger war 2014 allerdings auf dem absteigenden Ast: Der Jet verzeichnete 4,4 Prozent weniger Abflüge in Europa. (Platz 11 - Falcon 900 - 18.086 Starts) Quelle: Presse
Der Flugzeugbauer Cessna ist gleich fünfmal in den Top 10 der Business-Flugzeuge in Europa vertreten. Den Anfang macht die Citation II. Zusammen mit ihrem Nachfolgemodell Citation Bravo verlor der zweistrahlige Jet aber 9,4 Prozent aller Abflüge. Die Citation II ging Ende der Siebzigerjahre erstmals in die Luft. (Platz 10 - Citation II - 18.957 Starts) Quelle: Presse
Im Jahr 1978 schickte Bombardier die erste Version des zweistrahligen Jets an den Start. Seitdem hat sich die Challenger zu einem der beliebtesten Privatjets gemausert. Zusammen gab es für die Flugzeuge der 600er-Reihe 2014 allerdings Einbußen – die Starts gingen um 4,2 Prozent zurück. (Platz 9 - Challenger 600 - 23.847 Starts) Quelle: Presse

Doch das mindert den Wert der Studie keineswegs. In zwei Teilen durchkämmt sie auf insgesamt weit mehr als 300 Seiten detailliert die Geldströme am Golf. Dabei belegen die Berater auch viel bekanntes, etwa die niedrigen Flughafengebühren sowie günstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen ohne Unternehmenssteuern und Mitbestimmung durch die Mitarbeiter.

Doch darüber hinaus kommen auch interessante Details über die oft recht findigen Finanzhilfen zu Tage. Einige Dinge kursierten in der Branche spätestens seit im Mai 2014 die Fachzeitschrift „Australian Financial Review“ und die Tageszeitung Sydney Morning Post eine nicht datierte Präsentation über Etihad veröffentlichten, bei der die Beratung Booz Allen (inzwischen Strategy&) Hilfen von mehreren Milliarden Dollar listete.

Golf-Airlines meiden die Diskussion

Nun legen die Ermittler mit vielen Details nach und zitieren kräftig aus internen Unterlagen. Zentral sind die Geschäftsberichte von Etihad und Qatar Airways, gegen deren Veröffentlichung sich die Fluglinien bislang nach Kräften gesträubt haben. Wie genau die Ermittler an die Unterlagen gekommen sind, erzählen sie nicht.

Aber die Berichte dürften wohl echt sein. Zwar haben die Golfairlines die Unterlagen in Bausch und Bogen verdammt und Subventionsvorwürfe zurückgewiesen. „Dieser hitzige Austausch zwischen Airline-Chefs ist ungesund und könnte die Beziehungen zwischen den Nationen stören“, warnte der Wirtschaftsminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Sultan bin Saeed al-Mansouri diese Woche in Berlin.

Doch das überzeugt nicht so recht. Denn bislang hat noch keine der drei Fluglinien die Fakten diskutiert oder gar im Einzelnen wiederlegt. Das wäre sicher drin gewesen. Denn die Unterlagen kursierten bereits seit Ende Januar in der US-Hauptstadt Washington. Da ist sicherlich auch das ein oder andere Exemplar der Studie am Golf gelandet und fand dort aufmerksame Leser.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%