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FIFA Die wichtigsten Fragen zum FIFA-Skandal

Mit der Verhaftung von FIFA-Funktionären hat die Schweizer Justiz die Fußballwelt aufgewirbelt. FIFA-Chef Blatter steht unter Druck. Welche Konsequenzen die Ermittlungen haben und wie die wichtigen Sponsoren reagieren.

Die Wahl des neuen FIFA-Präsidenten will Topfavorit Blatter offenbar nicht verschieben - trotz der bislang schwersten Krise des Verbands. Quelle: AP

Einen Tag nach den Festnahmen mehrerer ranghoher FIFA-Funktionäre soll in Zürich der Kongress des Fußball-Weltverbandes beginnen. Ob es dazu kommt, hängt womöglich auch von einer Sitzung der UEFA-Mitglieder ab. Gehen die Europäer tatsächlich auf Konfrontationskurs, ist Joseph Blatter als FIFA-Boss mehr denn je gefordert.

Was genau ist passiert?

In Zürich wurden einen Tag vor dem FIFA-Kongress auf US-Ersuchen sieben Funktionäre der Fifa festgenommen, darunter auch die beiden FIFA-Vizepräsidenten Jeffrey Webb (Kaimaninseln) und Eugenio Figueredo (Uruguay). Zudem suspendierte der Ethikausschuss des Weltfußballverbandes den früheren Vizepräsidenten Jack Warner sowie Nicolás Leoz, Chuck Blazer und Warners Sohn Daryll von den Fußballaktivitäten. Vier der Verdächtigen, darunter auch Ex-Verbandschef Blazer, bekannten sich den Angaben zufolge bereits für schuldig.
Ermittelt wird wegen Verdachts auf Korruption und Geldwäsche weit jenseits der 100-Millionen-Dollar-Marke aus den vergangenen 20 Jahren. Den sieben Festgenommenen, sechs davon verweigerten ihre sofortige Auslieferung an die USA, wird zudem die Annahme von Bestechungsgeldern sowie Korruption bei WM-Vergaben und TV-Rechten vorgeworfen. Es drohen bis zu 20 Jahre Haft in den USA.

Die Fakten zum FIFA-Skandal

Wie reagieren die Sponsoren auf den Skandal?

Das ohnehin angekratzte Image des Fußball-Weltverbandes leidet durch den Skandal weiter. Auch wichtige Sponsoren melden sich deshalb kritisch zu Wort. "Diese lange Kontroverse befleckt die Mission und die Ideale der FIFA", heißt es etwa vom Getränke-Riese Coca-Cola. Laut dem Sportinformationsdienst SID drohen wichtige Geldgeber sogar mit dem Ausstieg. Ohne einen Wandel werde es "sein Engagement überdenken", teilte demnach das Kreditkarten-Unternehmen Visa mit und drückte seine "tiefe Enttäuschung und große Sorge" aus. Coca-Cola und Visa sind wie Adidas, Gazprom und Hyundai die großen Marketingpartner der Fußball-WM 2018 in Russland. Sie können es sich nicht leisten, dass ihr Ruf beschädigt wird.

Sind harte Reaktionen der Sponsoren wahrscheinlich?

Ob sich die Sponsoren letztlich wirklich zurückziehen werden, bleibt angesichts eines derart im Medieninteresse stehenden Ereignisses wie einer Weltmeisterschaft unklar. Es sei damit zu rechnen, dass bedeutende Sponsoren, trotz der “systemischen und tief verwurzelten Korruption” nicht zum Schluss glangen werden, dass es sich um Vorgänge handelt, die etwa vergleichbar sind mit Doping oder Drogenmissbrauch, sagte Kevin Alavy von der Medienforschungsgruppe Futures Sport & Entertainment.

So bekannte sich Adidas auf Nachfrage “zur Unterstützung des Fussballs auf allen Ebenen”, wie es in einer Erklärung hieß. Zugleich wurde die FIFA zur Etablierung und Befolgung transparenter Compliance-Standards aufgerufen. Bei Gazprom in Moskau hieß es, dass die Vorgänge das Sponsoring des Gasförderers bis zum Ende der Weltmeisterschaft 2018 nicht beeinflussten.

Interpol schreibt FIFA-Bosse zur Fahndung aus
In Zürich haben Schweizer Behörden am 27. Mai 2015 eine Razzia gegen hohe Fifa-Funktionäre durchgeführt. Am frühen Morgen wurden im Auftrag der US-Justiz neun Fußballbosse festgenommen. Das bestätigte das Schweizer Bundesamt für Justiz. Das gelang, weil alle Personen zum großen Kongress des Weltfußballverbandes nach Zürich gereist waren. Quelle: AP
Die Verdächtigen wurden in Auslieferungshaft genommen. Ihnen droht die Abschiebung in die USA. Den Personen wird von amerikanischen Ermittlern Betrug, Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen. Laut Schweizer Behörden geht es um Bestechungszahlungen von über 100 Millionen Dollar. Dies sind die Verdächtigen. Quelle: Reuters
Jeffrey WebbIn Auslieferungshaft: Webb ist seit 2012 CONCACAF-Präsident und Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. Inzwischen zählt er als Fifa-Vizepräsident zu den Stellvertretern von Joseph Blatter. Seine Verhaftung kam überraschend, hatte er sich innerhalb der Fifa doch für ein striktes Vorgehen gegen Korruption und Missmanagement stark gemacht. Zudem hatte er sich für die Veröffentlichung des Garcia-Berichts ausgesprochen. Quelle: dpa
Eugenio Figueredo Quelle: dpa
José Maria Marin Quelle: dpa
Rafael Esquivel Quelle: dpa
Julio Rocha Quelle: Reuters


Ist Sportartikelhersteller Nike ins Visier der Ermittler geraten?

So sieht es zumindest aus. Zwar wird der Sportartikelhersteller nicht namentlich beschuldigt. Allerdings berichtet das US-Justizministerium von einem Schmiergeldskandal bei einem 150-Millionen-Dollar-Vertrag zwischen dem brasilianischen Fußball-Verband und einem „multinationalen Sportbekleidungsunternehmen mit Sitz in den Vereinigten Staaten“. Ohne zu bestätigen, dass Nike damit gemeint sei, teilte der Konzern mit, er sei wegen der „sehr ernsthaften Vorwürfe“ beunruhigt. Nike ist kein offizieller Fifa-Sponsor, bezahlt aber dafür, dass die brasilianische und andere Nationalmannschaften ihre Trikots, Hosen und Stutzen tragen. Den entsprechenden Erst-Vertrag schloss Nike Mitte der 1990er-Jahre ab. Er gilt als entscheidender Schritt für den Konzern, um in der Fußballwelt Fuß zu fassen.

Diese zehn Regeln müssen Sie kennen
Die Luftaufnahme zeigt die Spieler des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 auf dem Trainingsplatz vor der Veltins Arena in Gelsenkirchen. Quelle: dpa
Arjen Robben (M. l.) gegen Donezker Spieler: Quelle: dpa
Schiedsrichter Michael Oliver aus England gestikuliert. Quelle: dpa
Der Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang bekommt die gelbe Karte von Schiedsrichter Markus Schmidt. Quelle: dpa
Wenn`s mal wieder eine rote Karte gibt: Dann muss einer der elf Spieler einer Fußballmannschaft für die restliche Spielzeit vom Platz. Die Mannschaft spielt dann zu zehnt weiter. Ansonsten gilt es, den Ball ins Tor zu bugsieren. Aber bitteschön nicht mit der Hand. Das darf nur der Torwart. Alles andere ist erlaubt. Sollte es ein Spieler doch mit der Hand versuchen, könnte es sein, dass er, wie auf dem Bild zu sehen, die rote Karte sieht. Quelle: dpa
Wenn ein Foul im Strafraum begangen wurde, kann der Schiedsrichter einen sogenannten „Elfmeter“ oder Strafstoß vom Strafstoßpunkt veranlassen. Der Strafstoß wird so genannt, weil dabei ein Spieler aus der gegnerischen Mannschaft aus elf Metern auf das Tor der Mannschaft des Foulenden schießen darf. Quelle: dpa
Auf Eckstoß entscheidet der Schiedsrichter, wenn der Ball die Torlinie – außer zwischen den Torpfosten und unter der Querlatte (er also nicht ins Tor geht) – überquert und zuletzt von einem Spieler der verteidigenden Mannschaft berührt wurde. Der Eckstoß gehört zu den sogenannten Standardsituationen. Aus einem Eckstoß kann direkt ein Tor erzielt werden. Quelle: dpa

Welche Rolle spielen die Banken der FIFA-Funktionäre?

Auch die Verwicklung namhafter Großbanken in die Korruptionsvorwürfe wird geprüft. Es werde untersucht, ob ihnen bewusst gewesen sei, dass sie beim Waschen von Schmiergeld geholfen hätten, sagte US-Staatsanwalt Kelly T. Currie am Mittwoch. Gegen keine der Banken gebe es bislang aber irgendwelche Anschuldigen. Aus den USA stehen JPMorgan, Citigroup und Bank of America im Fokus der Behörden, aus Großbritannien Barclays, HSBC und die Republic Bank.

Der auf Geldwäsche und organisiertes Verbrechen spezialisierte Anwalt Eric Lewis sagte Reuters, die Banken hätten angesichts des prominenten Namens Fifa und des langen Zeitraums der mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen stutzig werden müssen. "Die Offiziellen der Fifa sind so etwas wie hochrangige Politiker, und ab einem gewissen Punkt sollte das auf dem Radarschirm der Banken auftauchen." In den USA müssen Banken dem Finanzministerium verdächtige Geschäfte melden. Dazu hat die Regierung das "Financial Crimes Enforcement Network" eingerichtet, um einheimische oder internationale Geldwäsche, Terrorfinanzierung und andere Straftaten aus dem Finanzbereich bekämpfen zu können.

Wie geht es am Tag nach den dramatischen Entwicklungen in Zürich weiter?

Kurz vor der Eröffnung des FIFA-Kongresses ist unklar, wie die sonst so glamouröse Veranstaltung nach dem neuen Skandal über die Bühne gehen wird. Präsident Blatter zumindest ist erstmal abgetaucht: Er sagte angesichts der aktuellen Ereignisse alle seine geplanten Auftritt vor der offiziellen Kongress-Eröffnung am Donnerstag in einem Zürcher Theater ab. Allerdings lud er Vertretern aller sechs Konföderationen er zu einer Sondersitzung in Zürich ein, um über die Situation zu beraten.

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