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Flixbus kauft Postbus "Wir machen aus zwei Netzen ein besseres"

Der deutsche Marktführer Flixbus übernimmt das Fernbusgeschäft der Deutschen Post. Damit entsteht ein deutscher Fernbus-Riese mit einem Marktanteil von 80 Prozent. Die Preise will das Unternehmen aber nicht anheben.

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Übernahme bei Fernbus-Dienstleister: Flixbus kauft Postbus. Quelle: imago images

Die Sturm- und Drangphase des Münchener Start-ups Flixbus geht weiter. Das 2013 gestartete Unternehmen übernimmt den Konkurrenten Postbus, die Fernbussparte der Deutschen Post.

„Wir werden die Postbusse spätestens bis Anfang November dieses Jahres zum Großteil in das Netz von Flixbus integrieren“, sagte Flixbus-Gründer und -Chef André Schwämmlein der WirtschaftsWoche. Die gelbe Postbus-Marke wird dann mit der Zeit verschwinden. „Wir erwarten durch die Übernahme Umsatzeffekte von 15 bis 20 Millionen Euro.“ Details zum Kaufpreis nannte Schwämmlein nicht.

Das Unternehmen Flixbus sieht sich durch die Übernahme in zwei Punkten gestärkt: „Aus zwei Netzen machen wir ein besseres Netz“, kündigt Schwämmlein an. So starten Postbusse und Flixbusse beispielsweise auf bestimmten Relationen wie der Route Berlin-Hamburg nahezu gleichzeitig. „Wir werden die Parallelverkehre reduzieren“, so Schwämmlein.

Wie sich der Fernbusmarkt aufteilt

Zum anderen hofft Flixbus auf neue Kunden. Die Kunden beim Postbus seien im Schnitt etwas älter und kauften Tickets vor allem in den Filialen der Deutschen Post. „Wir haben sogar festgestellt, dass uns einige Postbus-Kunden gar nicht kennen“, sagt Schwämmlein. Nun könnten die Postbus-Kunden aus einem größeren Angebot auswählen. Derzeit verbindet Flixbus jeden Tag nach eigenen Angaben 900 Ziele in 20 Ländern. Hinzu kommen nun weitere Verbindungen mit rund 100 Postbussen.

Flixbus baut seine Führungsposition damit zum unangefochtenen Monopolisten im Fernbusmarkt aus. Das Unternehmen erhöht seinen Marktanteil mit der Übernahme von 70 auf 80 Prozent.



Verlierer des Deals ist vor allem die Deutsche Bahn. Ihre Fernbuslinien BerlinLinienBus und IC Bus kommen auf einen Marktanteil von rund 14 Prozent. Ansonsten tummeln sich ausschließlich kleinere Anbieter im Markt. Die Frage wird sein, ob die Bahn ihr Fernbus-Geschäft dauerhaft aufrecht erhält. Bahnchef Rüdiger Grube kündigte vergangene Woche ein neue Strategie für das zweite Halbjahr an. Derzeit sei das Fernbus-Geschäft defizitär. „Das können und wollen wir uns auf Dauer nicht länger erlauben.“

Auch die Deutsche Post wollte dauerhaft keine Verluste mehr dulden. Die Post kam trotz aller Bemühungen nicht über einen Marktanteil von zehn Prozent hinaus und wollte das verlustreiche Geschäft unbedingt loswerden. Flixbus und Post verhandelten nach Information der WirtschaftsWoche bereits seit einigen Monaten. Der jetzige Deal sieht vor, dass der Bonner Konzern mit Flixbus nun eine Vertriebspartnerschaft eingeht. Die Post wird in ihren 5000 Partner-Filialen Tickets von Flixbus verkaufen, heißt es aus Unternehmenskreisen. Die Post erhält also Provision pro verkauftem Fahrschein.

Aufstieg zum Logistiker?

Beobachter sehen steigende Preise als logische Konsequenz der Akquisition. Flixbus-Chef Schwämmlein aber beschwichtigt: „Die Frage nach höheren Preise bekommen wir seit anderthalb Jahren.“ Anfang 2015 fusionierte Flixbus mit dem Berliner Wettbewerber Meinfernbus. „Die Preise sind bisher nicht gestiegen und sie werden auch in naher Zukunft nicht steigen“, sagt Schwämmlein.

Stattdessen wolle er vor allem die Auslastung der Busse erhöhen. Laut Marktforscher Iges liegt die durchschnittliche Auslastung der Busse bei 51 Prozent. „Man kann auf dem derzeitigen Preisniveau Gewinne erwirtschaften, wenn man die Busse voll macht“, so Schwämmlein. Dies sei nach der Übernahme von Postbus noch besser möglich, weil Flixbus noch mehr Kleinstädte anfahren und noch mehr Fahrgäste über Drehkreuze verteilen kann.

Noch ist das junge Unternehmen, an dem Investoren wie HV Holtzbrinck Ventures, Daimler und der Wachstumsfinanzierer General Atlantic beteiligt sind, nicht profitabel. Der Umsatz liegt geschätzt zwischen 300 und 500 Millionen Euro. In diesem Jahr rechnet das Unternehmen mit 30 Millionen Passagieren – mehr als in allen Jahren zuvor zusammen.

Vor wenigen Wochen verkündete Flixbus, dass es zumindest im deutschsprachigen Raum nah an der Wirtschaftlichkeit dran sei. In Österreich, Schweiz und Deutschland sei das Geschäft im Sommer profitabel, im Winter leidet es saisonbedingt unter sinkenden Touristenzahlen. „Unser Ziel ist die Profitabilität im deutschsprachigen Raum über das Gesamtjahr“, so Schwämmlein.

Dem Ziel will das Unternehmen nun in Deutschland näher kommen. Kartellrechtlich dürfte das Quasi-Fernbus-Monopol kein Problem sein, da der Verkehrsmarkt immer im Zusammenhang mit den Verkehrsträgern Bahn und Auto gesehen werden. „Bahn und Fernbus haben selbst zusammen nur einen Anteil von 15 Prozent im Gesamtverkehrsmarkt.“

Flixbus bleibt damit ein Treiber des sich konsolidierenden Fernbusmarktes in Deutschland und Europa. Die frühere Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP hatte das Geschäft 2013 liberalisiert, andere Länder wie Frankreich zogen nach. Ende Juni dieses Jahres verkündete das Unternehmen dann den Kauf der europäischen Linien von Megabus, der Fernbussparte des britischen Verkehrskonzerns Stagecoach. Flixbus ist damit Marktführer in Europa.

Künftig könnte auch noch ganz anderes Neugeschäft dazu kommen. Denn eine Folge des Postbus-Deals könnte sein, dass Flixbus künftig zum Logistiker aufsteigt. Derzeit läuft ein Express-Kurierservice als Pilotprojekt der Deutschen Post zwischen Hamburg und Berlin, bei dem DHL-Pakete taggleich mittels Fernbus versendet werden.

Joachim Wessels, Geschäftsführer Deutsche Post Mobility: „Wir prüfen, wie wir diesen Service gemeinsam mit FlixBus ausweiten und taggleiche Versande mit dem Fernbus als attraktives Angebot im Logistikmarkt weiter etablieren.“

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