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Gemeinwohl Die Deutschen misstrauen der Unternehmenselite

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Sind Familienunternehmer gemeinwohlorientierter?

Bei der Deutschen Bank scheint alles Engagement nichts zu nützen. Dabei sollte das Geldinstitut wieder ein allseits geachtetes Unternehmen werden, kündigten Anshu Jain und Jürgen Fitschen an, als sie 2012 die Nachfolge des Chefs Josef Ackermanns antraten. Sie riefen den Kulturwandel aus und ließen einen neuen Wertekanon erarbeiten. Genützt hat es nichts. Es gab zu viele Skandale. Kursmanipulation, Steuerhinterziehung. Milliarden gingen für Strafen drauf, aktuell ist die Bank in einen Geldwäscheskandal in Russland verwickelt. Ein Sprecher wollte das schlechte Abschneiden nicht konkret kommentieren.

Doch die Bank gibt sich durchaus Mühe. Berichtet über gesellschaftliche Verantwortung, den Kampf gegen Wirtschaftskriminalität, den Einsatz für Klimaschutz. Und steckte 2014 rund 80,5 Millionen Euro in Förderaktivitäten. Trotzdem ist für den neuen Chef John Cryan der Weg zurück an den Tisch der Anständigen mindestens so weit wie für seinen Vorgänger.

Sind Familienunternehmer die besseren Unternehmer?

Ebenfalls schwer, wenn auch aus anderen Gründen, haben es Familienunternehmer in der Hinsicht. Gerade sie investieren Millionen ins Gemeinwohl, doch bundesweit ist das selten bekannt. Ihr Engagement ist meist lokal, bestenfalls regional. Dabei lastet gerade auf den lebenslänglich dienenden Familienunternehmern ein viel höherer sozialer Druck als auf externe Konzern-CEOs, den Jobnomaden auf höherem Niveau. Ein westfälischer Unternehmer zweiter Generation beschrieb dagegen seine Lage einmal so: „Ich will nicht erleben, dass mein Sohn in der Schule hört: Sauerei, dein Papa hat meinen Papa entlassen.“

Marcel Hülsbeck, BWL-Professor an der Uni Witten/Herdecke und Spezialist für Familienunternehmen, beobachtet: „Gemeinwohlorientierung ist für Familienunternehmer aber auch nach innen wichtig. Wenn sie ihre Kinder als ihre Nachfolger begeistern wollen, müssen sie nicht nur deren steigendes Interesse nach nachhaltiger Produktion und Einsatz fürs Allgemeinwohl befriedigen. Der Betrieb muss nach außen so gut dastehen, dass noch ihre Kinder und Enkel dafür arbeiten wollen.“ Damit dient der Einsatz fürs Gemeinwohl dann auch der Sicherung des Familienwohls.

Helden wie sie: Die Feuerwehr ist die liebste Institution der Deutschen. Quelle: dpa

Und was wird aus dem Verlierer Volkswagen?

Eine Erkenntnis, die für Volkswagen und seine Eigner womöglich etwas spät kommt. Vor allem bei dem Thema Anstand ist der Konzern in der Bevölkerung geradezu abgestürzt. Aber auch bei Moral, Aufgabenerfüllung und Lebensqualität belegt VW jetzt den letzten Platz unter den Automobilisten. Laut Studie sind die Frauen und die Älteren nachtragender als Männer und Jüngere.

Aber auch klare Handlungsempfehlungen geben die Vergrätzten ab: Neue Glaubwürdigkeit könne nur durch die Kontrolle unabhängiger Dritter geschaffen werden. Zudem müssten alle beteiligten Manager mit eigenem Geld in Haftung genommen werden.

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