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Junge Hotel-Ketten Motel One und 25hours erobern die Innenstädte

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Lage gut, alles gut?

Lage gut, alles gut? Dieter Müller hat die Rolle des Standorts zunächst unterschätzt: „Unsere ersten Häuser standen zu sehr am Stadtrand“, sagt er, aber „das haben wir korrigiert, weil wir begriffen haben, dass unsere Hotels ins Zentrum gehören.“ Seine im Jahr 2000 gegründete Hotelgruppe Motel One richtet sich an Menschen, für die das Überflüssige verzichtbar ist: Es gibt keine Minibars und auch keinen Fitnessraum. Stattdessen tolle Bars. Um sich zu profilieren, setzte Motel One auf die Trendspirituose Gin: 40 Sorten sind auf den Getränkekarten verzeichnet. Auch an der Ausstattung wird nicht gespart: Die Handtücher sind mit 600 Gramm so schwer wie in einem Luxushotel.

Das Konzept funktioniert: Motel One zählt, Stand Ende 2016, exakt 55 Hotels mit 14 583 Zimmern in acht europäischen Ländern und verzeichnet bei einer Auslastung von 79,1 Prozent einen Umsatz von 357 Millionen Euro (11 Prozent mehr als 2015). Die jüngsten Hotels baute Motel One in München, Stuttgart, Basel und Newcastle, 28 weitere sind fest geplant. Kein Wunder, dass Investoren Schlange stehen bei Dieter Müller, zu dessen Gesellschafterkreis ein Fonds von Morgan Stanley und die Familie des SAP-Gründers Dietmar Hopp gehören.

25hours hat Ende 2016 einen 30-prozentigen Anteil der Gruppe an AccorHotels verkauft; an der Seite des global agierenden Partners soll die weltweite Expansion gelingen. Die erste Eröffnung außerhalb des deutschsprachigen Markts ist für 2018 in Paris geplant. Melbourne oder Mumbai könnten folgen. Zunächst steht aber die begehrteste deutsche Destination auf dem Programm: Im Spätsommer wird mit dem The Royal Bavarian das erste 25hours in München eröffnen. „Wir haben das Hotel mit ein paar leicht ironischen Anspielungen auf das königliche Erbe der Bayern versehen“, sagt CEO Hoffmann, der vor allem das Gebäude als „großen Glücksfall“ bezeichnet: „Endlich haben wir eine Immobilie mit Historie und Grandezza.“

Tummelplätze der Lifestylehotellerie

Tatsächlich zieht das Royal Bavarian in einen Palast am Bahnhofsplatz ein. Hotels gibt es dort eigentlich genug, München ist ein Tummelplatz der Lifestylehotellerie, mit Rudolf Kull und Albert Weinzierl und ihren Hotels Louis und Cortiina, aber auch mit den minimalistisch-cool gestalteten Häusern von H’Otello oder dem brandneuen Ruby, das zur gleichnamigen Gruppe gehört.

Ob 25hours der Einstieg gelingt? Entscheidend ist, die passende Nische zu finden. In München, aber vor allem in Berlin, das mit bislang neun Häusern auch die Hauptstadt im Motel-One-Reich von Dieter Müller ist. Von den acht Neueröffnungen, die für dieses Jahr geplant sind, finden zwei in Berlin statt. Besonders spannend ist das strahlend weiße Upper West, direkt neben dem Waldorf Astoria, was für eine Provokation – noch dazu, weil das Motel One in Sachen Architektur eindeutig die Nase vorn hat! Er stehe „sehr gerne“ im Umfeld eines Luxushotels“, sagt Müller: „Der Preisvergleich drängt sich auf, ohne dass wir darüber reden müssen.“

Müller hat sich mit dem Upper West besonders viel Mühe gegeben. Die Zimmer sind stärker differenziert als sonst üblich: Marmortische, Ledersessel und Samtvorhänge wirken edel und wohnlich. „Die Lobby haben wir als Hommage an die Filmstadt Berlin gestaltet“, erzählt Ursula Schelle-Müller, Leiterin Marketing & Design. Goldene Bären schmücken die Wand hinter der Rezeption, eine alte Kamera und großformatige Schwarz-Weiß-Bilder deutscher Schauspieler, die Jim Rakete eigens für das Hotel fotografiert hat, zieren die Wände. Als Highlight gilt die Terrasse in der zehnten Etage. Von dort kann man zwar nicht auf das Nachbarhotel hinunterschauen. Aber die Gewissheit, dass man sich hier mit fünf Sternen auf Augenhöhe befindet, die hat man schon.

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