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LogistikHat die Deutsche Post noch eine Zukunft im DHL-Konzern?

DHL löst das deutsche Postgeschäft aus dem Konzern heraus. Analysten hatten auf einen Verkauf gehofft – doch das wäre ein Schritt mit ungewissem Ausgang.Nele Husmann 26.09.2024 - 11:13 Uhr
Foto: dpa

Die Idee kursiert schon lange, kurz vor dem Kapitalmarkttag wird sie spruchreif: Der Logistikkonzern DHL separiert das Geschäft mit den deutschen Briefen und Paketen in eine eigenständige Gesellschaft. Die soll weiter Deutsche Post AG heißen. Parallel wird das E-Commerce-Geschäft ebenfalls in eine neue Gesellschaft überführt. Der Prozess soll bis zu zwei Jahre dauern. „Diese technische Maßnahme soll zu keinen inhaltlichen Änderungen im Konzernportfolio führen“, so DHL.

Ganz trauen wollen dieser Einordnung viele Analysten nicht. Denn die Idee, die da seit längerem kursiert, umfasst eigentlich deutlich weitreichendere Schritte: den Verkauf des Post- und Paketgeschäfts als strategisches Ziel.

Anachronismus im Konzern

Aus Sicht vieler Investoren läge eine solche Abspaltung geradezu auf der Hand: Das schrumpfende, sehr lokal geprägte und von nationalen Regulierungen abhängige Geschäft, es passe immer weniger in den dynamisch wachsenden globalen Logistik-Konzern. „Niemand, der heute einen globalen Logistik-Dienstleister gründet, würde parallel auch ein deutsches Briefgeschäft etablieren“, bringt ein Marktkenner den Anachronismus auf den Punkt. Eine Trennung hingegen wäre ein Befreiungsschlag für DHL – und könnte den Aktienkurs endlich in Höhen schnellen lassen, auf denen sich DHLs Konkurrenten UPS und Fedex längst befinden. Das erste Zeichen für eine grundsätzliche Handlungsbereitschaft in diese Richtung hat Vorstandschef Tobias Meyer selbst gesetzt: Als eine seiner ersten Amtshandlungen strich er den Bestandteil Deutsche Post im Namen des Konzerns, der seither nur noch DHL heißt.

Räumt auf: DHL-Chef Tobias Meyer.

Foto: imago images

Das aber kaschiert ebenso wie die rein formelle Trennung jetzt nur, dass das Geschäft mit den deutschen Briefen wie ein Klotz am Bein des Logistikkonzerns hängt. Es ist mit den 80.000 Briefträgern personalintensiv, belastet die Bilanz mit den entsprechenden Pensionsrückstellungen. Für jede Anpassung der Preise oder Lieferbedingungen braucht der Konzern die Zustimmung des Gesetzgebers – und selbst wenn es, wie mit der jüngst eingeräumten längeren Zustellzeit, gelingt, ändert das wenig am Grundszenario: Viel Aufwand, wenig Ertrag. 

Koordinierte Schrumpfung der Post

„Das Postgeschäft ist in Schwierigkeiten“, kommentiert ein Analyst der amerikanischen Investmentbank Bernstein. Die Sendungsmengen sinken schon seit Jahren, auch der Gewinn ist rückläufig. Selbst wenn die Schrumpfung also koordiniert abläuft, für den nach Wachstum lechzenden Kapitalmarkt sind solche Perspektiven ein Graus. „Das Geschäft muss in eine Position gebracht werden, in der es verdient, was es auch konsumiert“, ergänzt der Bernstein-Analyst ein weiteres Problem: den hohen Investitionsbedarf der Sparte.

So einig sich die Marktbeobachter in der Analyse sind, so offen konfrontieren sie den Post-Vorstand inzwischen mit ihren Forderungen. Schon bei der Hauptversammlung im Mai hatte Henrik Schmidt von der Fondsgesellschaft DWS gefragt, ob die DHL noch „der richtige Eigentümer“ des Postgeschäfts sei.

Auch Cornelia Zimmermann von Deka Invest fragte, ob „ein Spin-Off des Deutschland-Geschäfts möglich und sinnvoll“ sei. Das Briefgeschäft macht nurmehr 17 Prozent des gesamten Umsatzes von DHL aus. Damals hatte Meyer geantwortet, er sei „in der Summe mit dem Portfolio zufrieden“ – eine Aussage, die zumindest Raum für weitere Spekulationen gab. Denn Meyer weiß: So sinnvoll die rein formelle Abtrennung nun sein mag, erst ein Verkauf würde den Shareholder Value fördern, weil der Konglomeratsabschlag abgebaut würde.

Marktbeobachter haben sich schon ein mögliches Drehbuch für eine Abspaltung der Deutsche Post AG zurechtgelegt – an das Meyer sich bislang hält. Die Gründung einer eigenen Gesellschaft nämlich ist dabei der erste Schritt. In einem zweiten Schritt würde der Konzern aufgespalten, indem Aktionären anteilig Post- und DHL-Aktien eingebucht würden. Die Anleger könnten sich dann überlegen, ob sie beide Teile halten oder etwa nur die Post abstoßen wollen. Möglich wäre dann im dritten Schritt ein Pooling der Post-Anteile sowie ein orchestrierter Verkauf an einen Großinvestor. In der Energiewirtschaft sind die beiden Unternehmen RWE und E.On 21016 in einem ähnlichen Verfahren in einen konventionellen und einen „neuen“ Teil gespalten worden.

Taugt Royal Mail als Vorbild?

Noch unmittelbarer bietet sich britische Royal Mail als Vorbild für DHL an – und ist zugleich ein mahnendes Beispiel. Derzeit läuft der Verkauf des Postunternehmens, konkret will der tschechische Milliardär Daniel Křetínský das traditionsreiche Unternehmen für fünf Milliarden Pfund übernehmen. Royal-Mail-Mutter IDS hat dem Übernahmeangebot schon zugestimmt. Křetínský besitzt bereits 27,5 Prozent der Royal-Mail-Aktien. Noch ist allerdings unklar, ob die britische Regierung dem Verkauf ins Ausland zustimmt.

Eine Erfolgsgeschichte ist die Investorentätigkeit bei der britischen Post bislang zudem nicht: Vor zehn Jahren privatisiert, fällt die Royal Mail seit langem mit besonders schlechtem Service auf. Im vergangenen Weihnachtsgeschäft musste sie sich gar Unterstützung bei anderen Dienstleistern zukaufen, um der Paketmenge Herr zu werden. 

Křetínský zumindest, dessen Vermögen auf knapp zehn Milliarden Dollar geschätzt wird, hat offenbar einen großen Appetit auf alternde Geschäftsmodelle, die zwar keine große Zukunft mehr versprechen, aber dennoch eine ordentliche Rendite auf Zeit bringen können. In Deutschland kontrolliert er die ostdeutsche Braunkohlegesellschaft Leag und verhandelt derzeit über die Übernahme eines 50-prozentigen Anteils am Stahlkocher Thyssenkrupp. Auch an der privatisierten niederländischen Post hält er Anteile. Da würde ein Einstieg bei der Deutschen Post wie ein logischer nächster Schritt erscheinen – und sicher auch in Deutschland eine Diskussion auslösen.

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