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LuftverkehrSonderabgabe für Business-Class-Flüge ist nur Populismus

Eine solche Gebühr wird häufig die falschen Leute treffen und vor allem dem Klima nicht helfen. Die SPD sollte erkennen, dass es bessere Wege gibt. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Thomas Stölzel 17.11.2025 - 19:18 Uhr aktualisiert
Pärchen in einem luxuriösen Privatjet (Symbolfoto). Foto: Imago Images

Mehrere Nationen – darunter auch Frankreich und Spanien – haben sich auf der Weltklimakonferenz COP30 einer Initiative Brasiliens angeschlossen, das eine Sonderabgabe für Flüge in der Business Class und der First Class sowie in Privatjets fordert. Mehrere SPD-Politiker, darunter Finanzminister Lars Klingbeil und Umweltminister Carsten Schneider, wollen, dass auch Deutschland sich an dem Vorhaben beteiligt. Die CDU und CSU lehnen das ab.

Zu Recht.

Auf den ersten Blick mag das ja verlockend klingen: Die Reichen sollen gefälligst dafür zahlen, dass sie mehr Platz und Gewicht im Flieger einnehmen und damit anteilig auch mehr CO₂ verursachen. Doch es ist wie so oft bei populistischen Forderungen: Sie klingen nur spontan so  logisch. Schaut man genauer hin, bleibt nicht viel Überzeugendes.

So sind es nicht unbedingt die vermeintlich Reichen, die sich den Luxus eines Business-Class-Fluges gönnen. Es sind, wie der Name sagt, häufig Geschäftsreisende. Monteure und Techniker von mittelständischen Maschinenbauern beispielsweise, die irgendwo auf der Welt schnellstmöglich eine Anlage reparieren müssen und dafür ausgeschlafen am Ziel ankommen sollen. Etwas, das zur Produktivität und zum internationalen wirtschaftlichen Erfolg deutscher Unternehmen beiträgt.

Es sind genauso ältere und gesundheitlich angeschlagene Menschen, die die Tortur eines Langstreckenfluges nur dann durchstehen, wenn sie ihre Beine hochlegen können. Und ja, mitunter ist es auch mal jemand, der nicht unbedingt Business fliegen müsste. Wer also wird von einer solchen Abgabe getroffen? Und bei wem ist es erwünscht, bei wem nicht?

Drei bis vier Liter auf 100 Kilometer im Privatjet

Und dann sind da die Privatjets. Die – soweit ordentlich besetzt – durchaus im Treibstoffverbrauch pro Kopf vergleichbar sind mit einem Linienflug. Beide verbrauchen heute zwischen drei und vier Liter je 100 Passagierkilometer. Wird dann auch noch eine Strecke geflogen, die per Linie nur mit Umwegen und Umsteigen erreichbar ist, kann es sogar die klimafreundlichere Alternative sein.

Eine Gulfstream G450 beim Business Aviation Asia Forum & Expo in Singapur. Foto: REUTERS

Hinzu kommt: Der Luftverkehr hat gerade mal einen Anteil an den globalen Emissionen von 2 bis 3,8 Prozent. Und Privatjets wiederum haben einen Anteil an den gesamten Luftverkehrsemissionen von 1,8 Prozent. Ergibt unterm Strich einen Anteil der Privatjets an den globalen CO₂-Emissionen von 0,04 bis 0,08 Prozent. Selbst wenn es ab morgen überhaupt keine Privatjets mehr gäbe, wäre der Effekt auf das Klima kaum nachweisbar. Aber eine Luxussteuer würde ja maximal den Privatjet-Verkehr etwas vermindern. Der Effekt fürs Klima: gleich null.

Stattdessen ist es sinnvoller, wenn Airlines und Privatjets steigende Anteile E-Fuels tanken müssen, welche kein fossiles CO₂ emittieren. Das würde dem Markthochlauf jener neuen Luftfahrttreibstoffe dienen und die gesamte Branche klimafreundlicher machen. Und das mit positiven Skaleneffekten auch für andere Industrien wie die Chemiewirtschaft. Alternativ könnte man auch Direct Air Capture and Storage vorschreiben. Also das Einfangen von bereits emittiertem CO₂ aus der Luft, das dann dauerhaft etwa in alten Gasfeldern verpresst wird. Auch das ist eine Technik, die dringend Mengeneffekte benötigt, weil der Kampf gegen den Klimawandel ohne sie nicht auskommen wird.

Zugleich kann man ein Höhenmanagement vorschreiben, das hilft, Kondensstreifen zu mindern. Sie werden unter bestimmten Bedingungen zu Schleierwolken, die die Temperaturen am Boden erhöhen. Allerdings verursachen nur zwei Prozent aller Flüge weltweit 80 Prozent dieser wärmenden Kondensstreifen, so eine aktuelle britische Studie. Diese Schleierwolkenbildung ließe sich in vielen Fällen vermeiden, wenn die Flieger etwas höher oder tiefer fliegen.

Am Ende wäre die Sonderabgabe, der sich die SPD anschließen will, wieder mal nur Symbolpolitik. Die ist nicht nur nutzlos, sondern sogar gefährlich. Denn mit solchen Maßnahmen können Politiker so tun, als hätten sie etwas für den Klimaschutz getan – obwohl sie die großen, viel schwieriger zu lösenden Klimathemen weiter ignorieren. Wer das Klima wirklich retten will, muss zuallererst die großen Emissionsquellen beseitigen und dann helfen, kleinere Quellen wie das Flugzeug klimafreundlich zu machen. Eine neue Steuer aber für eine Nische in der Nische bringt Nullkommanichts.

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