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Museumsboom Ganz viel Kunst in China - und keiner geht hin

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Zuwachs an privaten Museen

Besucher im nationalen Militärmuseum Peking Quelle: AP

Immerhin ist ein Trend erkennbar: Existierten 2005 nur drei private Museen, waren es 2010 schon 43. Eines davon ist das Long-Museum (oder Dragon-Museum) in Pudong, dem neuen Stadtteil Shanghais. Im Herbst 2012 eröffnete das Milliardärs-Ehepaar Wang Wei und Liu Yiqian den ästhetisch ansprechenden Bau, vor allem um ihre eigene Sammlung im Wert von mehreren Hundert Millionen US-Dollar der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Paar, das mit Investmentgeschäften reich geworden ist, zählt auch international zu den renommiertesten Kunstsammlern.

Neben temporären Ausstellungen zeigt das Long-Museum auf drei Stockwerken chinesische Kunst verschiedener Epochen: vorrevolutionäre Kunst aus der Qing- und Ming-Dynastie, Propaganda-Werke aus der Revolutionszeit und moderne Kunst. Besuchern ohne Vorbildung vermittelt das Museum allein durch seinen Aufbau einen Crashkurs in chinesischer Kunst. Einen Stock über den Mao-Gemälden ist das teuerste Objekt der Ausstellung zu bestaunen, ein Bildnis des Song-Kaisers Huizhong aus dem 12. Jahrhundert. Wang erwarb es 2009 für 9,9 Millionen US-Dollar.

Museum im Netz

Die Kunstwerke aus der Kaiserzeit müssen vor Licht geschützt werden, sie werden erst beleuchtet, wenn die Betrachter direkt davorstehen. Und weil sie bisher noch wegbleiben, schlendert man durch menschenleere, dunkle Hallen, umgeben von jahrhundertealten Meisterwerken.

Dabei macht das Long-Museum alles richtig: Es nutzt Social Media wie Weibo, die chinesische Variante von Twitter, es kooperiert mit Universitäten, und es lädt Professoren zu Vorträgen ein. Zwischen 100 und 200 Besucher hat das Long-Museum im Moment pro Tag, sagt Direktor Wang Wei. Das Ziel ist es, die Besucherzahlen auf 1000 pro Tag zu steigern. Das wären immerhin 365.000 Besucher im Jahr. Zum Vergleich: 2010 gingen allein in Bayern 20 Millionen Menschen in ein Museum. Noch dieses Jahr will das Paar ein zweites Museum auf der anderen Flussseite eröffnen.

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Ein privates Museum zu führen sei nicht leicht, sagt Direktor Huang Jian: „Wir müssen ohne Staatsgelder auskommen.“ Ein Ticket für das Long-Museum kostet immerhin 50 Yuan, knapp sechs Euro. Restriktionen seitens der Regierung seien nicht das Problem. „Wer im kulturellen Bereich arbeitet, weiß, wo die rote Linie verläuft“, sagt Huang. „Kunst hat in China die Aufgabe, den Menschen fortzubilden.“

Doch daraus ergebe sich eine paradoxe Situation, meint David Ye: „China will Kunst fördern, sie aber trotzdem einschränken. Denn auch Kunst kann das Denken beeinflussen.“ So hat Ai Weiwei, der berühmteste chinesische Künstler, in China seit Jahren Ausstellungsverbot. Einen Museumsbesuch in China empfiehlt Berater Borysevicz trotzdem: Denn das Nervigste an einem Museumsbesuch seien schließlich die anderen Besucher, und die gebe es in China nicht. Noch nicht.

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