Sparverhalten: Hohe Inflation: Wo die Deutschen zuerst den Rotstift ansetzen
Um finanzielle Belastungen durch steigende Verbraucherpreise auszugleichen, verzichtet so mancher auf Urlaub und andere Freizeitaktivitäten.
Foto: Andre Taissin/UnsplashUm 7,9 Prozent sind die Verbraucherpreise in Deutschland 2022 gegenüber dem Vorjahr im Jahresdurchschnitt gestiegen. Eine „historisch hohe Jahresteuerungsrate“, nennt das Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamts – getrieben von „den extremen Preisanstiegen für Energieprodukte und Nahrungsmittel seit Beginn des Kriegs in der Ukraine“. Zwar schwächte sich die zwischenzeitlich zweistellige Inflationsrate zum Jahresende wieder etwas ab, im Dezember 2022 lag sie aber immer noch bei 8,6 Prozent. Und für 2023 prognostiziert die Bundesbank erneut einen Preisanstieg von rund 7 Prozent.
Wie sehr die steigenden Preise die Konsumstimmung und die generelle Stimmung in der deutschen Bevölkerung drücken, zeigt eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag des Bayerischen Zentrums für Tourismus. Die detaillierten Ergebnisse der Studie liegen der WirtschaftsWoche exklusiv vorab vor.
Fast ein Fünftel der Befragten gibt darin an, sich durch die gestiegenen Preise „sehr stark“ belastet zu fühlen. „Gar nicht stark“ belastet fühlt sich derweil nur etwa ein Prozent. Allgemein überwiegt auf der Belastungsskala eindeutig der trübe Blick: Stolze 70 Prozent der Befragten ordnen sich auf einer Skala von 1 („gar nicht stark“) bis 10 („sehr stark“) in der Hälfte der stärkeren Belastung ein.
Um die finanziellen Belastungen durch die steigenden Verbraucherpreise auszugleichen, ist bei vielen Deutschen Verzicht angesagt. Auch das Sparverhalten der Bevölkerung fragte die Studie deshalb ab. „Wenn Sie auf Ihr Leben und Ihren Konsum schauen, welche sind die ersten Bereiche, in denen Sie anfangen zu sparen?“, lautete die konkrete Fragestellung.
Einsparungen beim Stromverbrauch wurden dabei mit 35 Prozent am häufigsten genannt. Danach folgten Sparmaßnahmen beim Heizen (29 Prozent) und Einschränkungen bei Restaurant-, Café- und Bar-Besuchen (24 Prozent). Auf Rang vier landete der Bereich Urlaub.
Ein bemerkenswerter Detailbefund: Für nur 51 Prozent der Befragten, die angeben, im Bereich Urlaub sparen zu wollen, bedeutet das, dass Urlaubsreisen vollständig ausfallen müssen. 17 Prozent planen dagegen verkürzte Reisen ein, 23 Prozent sparen an der Unterkunft und 13 Prozent beabsichtigen, am Urlaubsort weniger auszugeben.
Ebenfalls interessant: Die Spar-Prioritäten von Frauen und Männern unterscheiden sich der Umfrage zufolge stark. Während sich Männer demnach häufiger vornehmen, an Heizenergie, Benzin sowie Geschenken zu sparen, wollen Frauen in Zeiten steigender Preise vor allem weniger in den Bereichen Gastronomie, Kleidung und Dienstleistungen ausgeben.
Für die Studie war vom 8. bis zum 18. Dezember 2022 ein repräsentativer Querschnitt der deutschsprachigen Bevölkerung, bestehend aus rund 2.000 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren, befragt worden.
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