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Unwetter in den USA „Fahren Sie erstmal weiter“: Amazon gerät wegen Umgangs mit Tornado in Shitstorm

Nach den Unwettern in den USA sind in einem Amazon-Verteilzentrum sechs Menschen gestorben. Quelle: AP

Der US-Handelsriese Amazon ist nach den Unwettern im US-Staat Illinois stark in die Kritik geraten. Eine Fahrerin musste trotz eines Tornados weiter Pakete ausliefern. Amazon gibt sich reumütig.

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Auf die Tornados folgt der Shitstorm. Zumindest für den US-Handelsriesen Amazon. In einem Logistikzentrums des US-Konzerns im Bundesstaat Illinois war am Freitag vor einer Woche das Dach eingestürzt. Es starben sechs Menschen, 45 wurden aus den Trümmern gerettet. Mitarbeiter berichteten im Anschluss davon, dass Warnungen vor dem Unwetter nicht ernst genommen und keine Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten getroffen worden seien.

Diesen Eindruck verstärkten Textnachrichten zwischen einer Amazon-Fahrerin und ihrem Vorgesetzten, die das Wirtschaftsportal „Bloomberg“ veröffentlichte. Der Fahrerin wurde demnach sogar mit dem Verlust ihrer Arbeitsstelle gedroht, sollte sie nicht weiter Pakete ausliefern. „Der Funk ist ausgefallen“, schrieb die Frau demzufolge an ihren Vorgesetzten. Der antwortete: „Okay. Fahr einfach weiter. Wir können Leute nicht wegen einer Warnung zurückrufen, solange Amazon uns das nicht vorgibt.“

Eine gute halbe Stunde später schrieb die Frau: „Hier geht der Tornadoalarm los.“ Das Versandzentrum antwortete: „Fahren Sie erst mal weiter. Wir müssen auf Anweisungen von Amazon warten.“ Man werde sie wissen lassen, falls sich die Situation ändere, und sei im Gespräch mit Amazon. Später meldete die Frau sich erneut mit eindringlichen Worten: „Hier weiterzumachen könnte das Auto in einen Sarg verwandeln.“ Doch der Vorgesetzte drohte nun sogar damit, dass sie bei einer Rückkehr zur Zentrale „morgen früh keinen Job mehr haben“ werde. Erst als die Unwetter eine Tür im Verteilzentrum aus den Angeln reißt, rät der Vorgesetzte sich in Sicherheit zu bringen. Tausende Menschen teilten den Textnachrichten-Verlauf auf Twitter und waren empört. Amazon geriet in einen Shitstorm.

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Eine Sprecherin des Konzerns erklärte Bloomberg, es sei eine sich entwickelnde Situation in einem weiten geografischen Gebiet gewesen. „Leider hat sich der Disponent des Lieferservicepartners nicht an die Standardsicherheitspraxis gehalten.“ Der Vorgesetzte hätte die Fahrerin sofort anweisen sollen, Schutz zu suchen, als Tornadosirenen ertönten.

Mehr zum Thema: Mit teuren Imagekampagnen und Lobbyarbeit will der Internetriese Politiker milde stimmen. Doch eine harte Regulierung scheint unausweichlich – vor allem aus einem Grund. Lesen Sie hier die ausführliche Titelgeschichte.

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