Urlaub 2024: Darum sind Pauschalreisen so günstig
Pauschalreise oder doch lieber alles individuell gebucht: Beides kann seine Vorteile haben.
Foto: imago imagesZwar stehen jetzt die Sommerferien vor der Tür, doch wer mit dem Flugzeug in den Skiurlaub möchte und dann das Rundum-sorglos-Paket genießen will, sollte langsam buchen. Denn derzeit gibt es günstige Angebote für Pauschalreisen. Für Anfang Januar bietet etwa der Reiseveranstalter Tui eine Woche im Salzburger Land mit Hin- und Rückflug ab 960 Euro an – und das Ganze in einem All-Inclusive-Hotel.
Auf der Vergleichsseite Skyscanner kosten derzeit allein der Hin- und Rückflug von Düsseldorf nach Salzburg knapp 120 Euro. Auf Booking kostet das günstigste All-Inclusive-Hotel für zwei Personen 955 Euro. Insgesamt macht das 1075 Euro. Zusätzlich müssten sich Individual-Reisende auch noch um die Transfers zwischen Flughafen und Hotel kümmern, es entstehen also weitere Kosten.
Auch die Versicherung des Urlaubs ist ein Knackpunkt. Wie wichtig sie ist, zeigte erst kürzlich die Insolvenz des Reiseanbieters FTI. Durch die Pleite wurden tausende Reisen storniert – nicht zum ersten Mal in der Branche. 2019 ging Thomas Cook bankrott. Urlauber steckten in Hotels fest und blieben anschließend auf den Kosten sitzen, denn die bis dahin in Deutschland geltende Haftungsgesamtsumme von 110 Millionen Euro pro Geschäftsjahr genügte nicht. Seit 2021 werden Pauschalreisen und damit verbundene Reiseleistungen daher über den Deutschen Reisesicherungsfonds abgesichert. Heißt: Eine zusätzliche Versicherung ist dann nicht notwendig – ein Punkt, bei dem Pauschalreisende sparen.
Bei Individualreisen sieht das anders aus, denn diese fallen nicht unter den Reisesicherungsfonds. Sollte also die gebuchte Airline Insolvenz anmelden und Reisende haben keine zusätzliche Versicherung abgeschlossen, können sie nur hoffen, dass sie Geld aus dem Insolvenztopf abbekommen.
So verdienen Reiseanbieter trotzdem
Wie können Reiseanbieter also dennoch an Pauschalreisen verdienen? „Grundsätzlich sind die Reiseveranstalter bemüht, durch das Paketieren der Einzelleistungen sehr attraktive Preise zu schaffen“, erläutert Ina zur Oven-Krockhaus, Professorin und Studiengangsleitung für Tourismusmanagement an der IU Internationalen Hochschule. So sparen Reisende oft, wenn sie ein Gesamtpaket buchen. Wie viel sie sparen, hängt jedoch von der Preisgestaltung des Anbieters ab.
Denn nicht nur die Veranstalter selbst, sondern auch die Airlines und die Hotelbetreiber streben eine hohe Auslastung an. Für sie sind Pauschalreiseanbieter gute Partner: Sie nehmen ein festes Kontingent an Zimmern und Flügen ab. Mit diesen Preisen kalkulieren Tui, Alltours und Co. dann ihre Preise.
„Anfang des Jahres sind viele Veranstalter daran interessiert, die Kapazitäten zu füllen und locken die Kunden mit großen Frühbucherrabatten“, erklärt Oven-Krockhaus. Bei diesen Rabatten bleiben die Anbieter oft unter ihren Einkaufspreisen. Je näher die Hauptreisesaison rückt und je ausgebuchter eine Reise ist, desto höher werden die Preise. „Das sind betriebswirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten. Deshalb sind die Angebote in den Sommerferien oft deutlich teurer.“
Um den durch die Schnäppchen entstandenen Verlust aufzufangen, planen die Anbieter bei den restlichen Plätzen mit höheren Margen. Grundsätzlich haben Pauschalreiseveranstalter bei der Kalkulation größere Spielräume. Wenn die Flüge zu einem Zeitpunkt teurer, die Hotels aber noch günstig sind, können sie die Preisunterschiede ausgleichen.
Auch der Vergleich mit der Konkurrenz spielt in die Preisgestaltung hinein: Oft versuchen sich die Veranstalter gegenseitig zu unterbieten, um so Kunden zu gewinnen. Alltours warb lange Zeit mit dem Slogan „Alles – aber günstig“. Andere Veranstalter werben damit, die Differenz zu übernehmen, wenn ein anderer Anbieter ein günstigeres Angebot führt. Grundsätzlich liegt die Umsatzrendite zwischen einem und fünf Prozent. „Die Produktmarge variiert je nach Produkt. Rundreisen zum Beispiel haben in der Regel eine höhere Marge, circa zehn bis 15 Prozent“, erläutert Oven-Krockhaus. Bei Flugpauschalreisen belaufe sich die Marge bei durchschnittlich acht bis zehn Prozent. „Es liegt dann im Ermessen des Veranstalters, ob er Sonderaktionen oder Verkaufsanreize schafft – und auf einen Teil seiner Marge dabei verzichtet.“
Was jedoch auch Risiken birgt, wie die Insolvenz von FTI zeigt. „FTI war eher preisaggressiv und hat relativ wenig verdient pro Reise bei einer vergleichsweise schwachen Eigenkapitalausstattung“, ordnet Tourismusexperten Torsten Kirstges die Pleite im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa ein.
Die anderen Anbieter haben besser gehaushaltet als FTI. Eine weitere Insolvenz von einem großen Veranstalter hält der Experte deshalb für unwahrscheinlich. Denn: Tui, Alltours und Co. planen mit größeren Margen als ihr Konkurrent und anders als FTI haben die anderen Anbieter bereits ihre Schulden aus der Zeit der Coronapandemie zu großen Teilen abgezahlt.
Um die Preise an Nachfrage und Kontingent optimal anzupassen, greifen die Reiseveranstalter mittlerweile auf die Hilfe von Künstlicher Intelligenz zurück. Damit passen sich die Preise nahezu automatisch an die aktuelle Nachfragesituation an.
Ist die Pauschalreise immer der beste Weg?
Die Suche nach Individualreisen kann sich trotzdem auszahlen. Zum einen bietet die Individualreise mehr Möglichkeiten, den Urlaub nach eigenen Vorlieben zu gestalten. Zudem lohnt sich die Recherche, wenn die Kapazitäten der Reiseanbieter schon nahezu ausgebucht sind. Dann können Reisende vor allem für Übernachtungsangebote noch Schnäppchen finden.
Und Oven-Krockhaus. verrät noch einen Geheimtipp: „Manchmal kann es sich lohnen, bei den Airlines nach neuen Flugstrecken zu schauen – diese werden häufig günstiger angeboten.“
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