Vonovia Gute Geschäfte auch ohne neue Mega-Übernahmen

Ein halbes Jahr, nachdem im Februar Rolf Buchs Versuch scheiterte, den Branchenvize Deutsche Wohnen zu übernehmen, legt der Chef des größten deutschen Vermietungskonzerns Vonovia seine Geschäftszahlen für das zweite Halbjahr vor, als wäre nichts gewesen: steigende Mieten, niedrige Zinsen, gute Gewinne, erfreuliche Prognosen.

Wohnen in Großstädten wird teuer
Das Wohnen in Deutschlands Großstädten wird offenbar immer teurer. In sieben großen Städten, von Berlin bis Stuttgart, sind die Preise für Eigentumswohnungen binnen fünf Jahren um mehr als 40 Prozent gestiegen – bei den Mieten sind es 25 Prozent. Deshalb klagen viele Familien, dass sie sich das Wohnen in der Stadt kaum noch leisten können. Über 20 Jahre gesehen sind die Mieten dagegen langsamer als die Verbraucherpreise gestiegen. Unter der Frage „Was macht das Wohnen in den Städten so teuer?“ hat die DZ Bank in einer Research-Publikation die Gründe zusammengestellt. Dabei wurde der Preisanstieg der vergangenen 20 Jahre analysiert. Quelle: DZ Bank Quelle: dpa
Ein Grund für steigende Mieten ist das vielerorts knappe Wohnungsangebot. Lange Zeit hielt der Neubau nicht Schritt mit der steigenden Bevölkerung. Die Mieten in Berlin legten von 2010 bis 2015 (jeweils auf das erste Quartal gerechnet) um 32 Prozent zu – der stärkste Anstieg im Vergleich zu anderen Metropolen. Die Mieten stiegen demnach auf 8,20 Euro je Quadratmeter (Wiedervermietung) und die Erstbezugsmiete auf 11,30 Euro je Quadratmeter. Dennoch wohnt man in der Bundeshauptstadt noch vergleichsweise günstig. Der überproportionale Mietanstieg ist hier auf ein niedriges Ausgangsniveau (1994) zurückzuführen. Mehr als 80 Prozent der Haushalte wohnen in Berlin zur Miete. Quelle: dpa
Es ist nicht verwunderlich, dass in der bevölkerungsreichsten Stadt von Nordrhein-Westfalen Wohnungsknappheit herrscht. Umso teurer werden auch die Mietkosten. Die Mieten in Köln legten um 16 Prozent in den vergangenen fünf Jahren zu. Bei der Wiedervermietung müssen Mieter 9,20 Euro je Quadratmeter zahlen, bei der Erstbezugsmiete sogar 11,40 Euro. Seit der Jahrtausendwende hat sich die Wohnpräferenz stark gewandelt. Zog es die Menschen 1990 an den Stadtrand, wollen die meisten heute in der Stadt leben. Quelle: dpa
Die Politik hat zum 1. Juni die Mietpreisbremse eingeführt, die das Wohnen in der Stadt wieder erschwinglich machen soll. Doch es sind nicht nur die Mieten gestiegen, sondern auch die Ansprüche der Mieter. So wünschen sie sich immer größere Wohnungen. Das treibt natürlich die Wohnungskosten in die Höhe. Bei einer Wiedervermietung kostet ein Quadratmeter in Düsseldorf 9,30 Euro. Bei einem Erstbezug muss der Mieter mit 11,40 Euro tiefer in die Tasche greifen. Insgesamt legten die Mieten von 2010 bis 2015 um 23 Prozent zu. Quelle: dpa
Deutlich verteuert haben sich auch die Nebenkosten des Wohnens, etwa für Strom und Heizung. Zudem hat der Staat das Wohnen über steigende Steuern und verschärfte Bauvorschriften verteuert. Diese Vorgaben gelten zwar bundesweit, belasten aber stärker die Stadtbewohner. In Stuttgart sind die Mieten in fünf Jahren um 22 Prozent gestiegen. Mit zehn Euro je Quadratmeter müssen Mieter bei einer Wiedervermietung einer Wohnung rechnen. Hier ist der Unterschied bei einem Erstbezug nicht so groß: Der Quadratmeter kostet 11,40 Euro. Quelle: dpa
Die Situation an den Wohnungsmärkten der Großstädte ist ein normaler Trend. Im Vergleich mit ausländischen Metropolen sind die Großstadtmieten hierzulande sogar eher niedrig. Dennoch sind gute und günstige Wohnungen in Hamburg Mangelware und entsprechend begehrt. 13,10 Euro kostet ein Quadratmeter einer Neubauwohnung, 10,10 Euro bei einer Wiedervermietung. Der Neubau, in Hamburg zum Beispiel, hat wieder angezogen. Quelle: dpa
Der Anteil der leerstehenden marktaktiven Wohnungen ist zuletzt (2013) knapp drei Prozent gesunken. So sind in Hamburg (0,7 Prozent) und Frankfurt (0,7 Prozent) am Wohnungsmarkt fast keine Wohnungen mehr verfügbar. Das wird sich auch in naher Zukunft nicht ändern: Denn die über Jahre entstandene Bedarfslücke lässt sich nicht so schnell schließen. Wohnungen in den Ballungsräumen werden auch weiterhin ein knappes Gut bleiben. 11,40 Euro kostet ein Quadratmeter bei einer Wiedervermietung, 13,30 Euro bei einem Erstbezug. Insgesamt sind die Mieten um 26 Prozent gestiegen. Quelle: dpa

Buch macht nun mit Erfolg, was Kritiker von ihm statt immer neuer Übernahmepläne eh schon forderten: Er sorgt dafür, dass sein Unternehmen operativ wächst. Dass das im vermeintlich langweiligen Wohnimmobilienmarkt geht, erfordert einige Kreativität. Mietervereine werfen Vonovia – aber auch den Wettbewerbern – deshalb immer wieder vor, unter dem Etikett notwendiger Sanierungen eigentlich unnötige Verschönerungen wie den Bau größerer Balkone durchzuführen und so Gründe zu schaffen, um Mieten und Umsätze zu steigern.

Andererseits sind die Zeiten, als die damals noch Deutsche Annington und Gagfah heißenden Branchenriesen, die zu Vonovia fusionierten, ihre Bestände verrotten ließen, erkennbar vorbei.

Buch will einen Strauß von Dienstleistungen rund um das Thema Wohnen kreieren, will etwa Kabelanschlüsse vermarkten oder Küchen mit vermieten. Und er avanciert zum Vordenker in Sachen serielles Bauen, um möglichst preiswert alte Gebäude aufstocken und neue Wohnimmobilien schaffen zu können. In Bochum geht bald ein Pilotprojekt an den Start, bei dem 60 Wohneinheiten als moderner Plattenbau entstehen. Der Vorwurf, zur Schaffung preiswerten Wohnraums trage der Massenvermieter Vonovia nichts bei, soll bald nicht mehr zutreffen. Bezahlbare Mieten von weniger als zehn Euro pro Quadratmeter will Buch so möglich machen.

Es gibt für Vonovia offenbar genug Herausforderungen. Wer heute an die Mega-Übernahme denkt, die 14 Milliarden Euro teuer geworden wäre, fragt er sich: Wofür nochmal sollte dieser Kraftakt gut sein?

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