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Werner knallhart

Das Dessert im Restaurant ist meist lieblose Abzocke!

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Haben die Köche das Dessert schon aufgegeben?

Da eine meiner Tanten einst mit einem Italiener verheiratet war und sein Familienrezept nun unser Familienrezept für Tiramisu geworden ist, weiß ich zufällig ganz genau, was da rein kommt.

Zumindest kein Schmand statt Mascarpone, verdammt nochmal! Und auch keine wässrige Schokoladensoße statt Kakaopuder oben drauf. Und das Ganze schmeckte weder nach Espresso noch nach Amaretto. Was da vor mir stand, war letztendlich ein Sauerrahm-Biskuit mit Dessertsoße. Da platzte mir dann doch der Kragen. Weil jedoch bald Weihnachten war, sagte ich milde: „Das ist doch kein Tiramisu.“

Drauf die Kellnerin: „Doch, das ist Tiramisu.“ Damit war die Diskussion beendet.

Vielleicht war das Restaurant schlicht eine Spur zu anspruchslos.

Aber selbst im 2-Sterne-Restaurant von Tim Raue in Berlin kam zum Nachtisch einst eine Art Schokopudding in Form einer Disney-Figur (war es Donald oder Micky, ich weiß es nicht mehr). Er schmeckte gut und ein bisschen scharf, aber eben auch irgendwie nicht so richtig besonders hervorragend. Haben die europäischen Köche das Dessert schon aufgegeben?

Letzter Versuch deshalb vergangene Woche in Bangkok. Dort hatten die Michelin-Tester vor einiger Zeit nun auch ein paar Sterne verteilt. Einen davon konnte das „Paste“ einsacken. Mit gehobener Thai-Küche.

Wir wollten eigentlich gerade bezahlen, da kam die Dessertkarte. Wir rollten mit den Augen, aber dann klang es doch mal nach was anderem.

Wir bestellten eine Birnen-Mandel-Mousse mit wildem Honig, die gerade so fest war, dass sie in Form einer perfekten Kugel in der Größe eines Golfballs stehen blieb, aber so locker geraten war, dass man mit Löffel einzelne Flocken abheben konnte. Dazu gab es schwarzes Sesam-Eis, das in Kokosasche gewälzt war und geformt war wie ein handfreundliches Stück Seife. Dazu kandierte Orange.

Das war ein Highlight. Die in Bangkok denken noch nach beim Dessert. Wir Europäer sind schon so satt und träge. Jetzt überholen uns die Asiaten auch noch bei Mousse und Eiscreme.

Ich esse hier jetzt ab sofort nur noch zwei Gänge und mache mir danach zuhause in Gottes Namen Toffifee auf. Ich will ja nicht, dass die Gastronomen hinter meinen Rücken über meine Zuckerdummheit lachen.

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