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EnergiepreiseEs liegt auch an den Verbrauchern, dass der Strompreis nicht sinkt

Die Strompreise pendeln sich nach der Energiekrise wieder ein. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher zahlen allerdings immer noch drauf. Wieso die Bequemlichkeit vieler Deutscher zu hohen Energiepreisen führt.Angelika Melcher 26.03.2024 - 09:48 Uhr

Die Strompreise hängen stark von der Wechselwilligkeit der Verbraucher ab

Foto: imago images

Hohe Energiepreise treffen nicht nur die Wirtschaft, sondern auch private Haushalte. Deutschland hat nach Belgien und Liechtenstein die dritthöchsten Strompreise für Privathaushalte innerhalb der Europäischen Union. Das geht aus einer Datenabfrage des Statistischen Bundesamtes hervor. Der Ukraine-Krieg sorgte für einen Schock bei den Energiepreisen. Inzwischen sind die Großhandelspreise wieder auf Vorkrisenniveau. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher merken davon allerdings noch nichts. Könnten sie aber.

Mathias Mier, Energieexperte des Ifo-Instituts, erklärt die hohen Preise damit, dass die Stromvertriebsfirmen die sinkenden Beschaffungskosten nur verzögert an die Haushalte weitergeben. Während die Strombeschaffungspreise zurückgingen, wurden die Haushaltspreise nicht reduziert. „Da verdient sich irgendjemand eine goldene Nase“, sagt Mier.

„Wie viel aktuell für Strom gezahlt wird, hängt von dem Wechselwillen der Verbraucherinnen und Verbraucher ab“, erklärt Verivox-Chef Daniel Puschmann im WirtschaftsWoche-Podcast Chefgespräch. Jährlich wechseln nur 10 Prozent der deutschen Haushalte ihren Stromliefervertrag. Viele private Haushalte zahlten für ihre alten, teureren Verträge. Neukundentarife seien dagegen wieder auf Vorkrisenniveau. Laut einer Erhebung von Verivox beträgt der aktuelle Strompreis in Deutschland beim günstigsten Anbieter für Neukunden im Durchschnitt rund 26 Cent pro Kilowattstunde (kWh).

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Einen Höhepunkt erreichten die Strompreise im Spätsommer 2022, wo die Kilowattstunde 70 Cent kostete. Ab Herbst 2022 hat sich die Lage auf den Energiemärkten dann aber wieder deutlich entspannt. So lag der durchschnittliche Haushaltsstrompreis 2023 bei 46,9 Cent, der Großhandelspreis für Stromerschaffung und Betrieb lag hingegen im selben Jahr bei 24,8 Cent.

Puschmann rät, die Tarife online zu vergleichen: „Je nachdem, in welchem Tarif sich der Kunde befindet und wann dieser abgeschlossen wurde, lohnt sich der Wechsel“. Nach einem Wechsel sind Verbraucherinnen und Verbraucher erst mal auf der sicheren Seite. „Es ist unwahrscheinlich, dass sich der Markt so schnell verändert und sechs Monate später der Stromkunde wieder den teuersten Tarif zahlt“, sagt der Verivox-Chef.

Laut Puschmann wäre es für Preisniveau insgesamt wichtig, dass Verbraucher ihre Wechselmöglichkeiten ausspielten und den Unternehmen entsprechende Signale gäben. Mier weist darauf hin, dass viele Verbraucher nicht wüssten, dass sie ihre Verträge wechseln könnten.

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„Wenn Verbraucher komplett unelastisch auf Marktbedingungen reagieren, kann sie die Stromfirma schröpfen ohne Ende“, sagt Mier. Er spricht von einer Art Energie-Analphabetismus der Menschen, „viele Leute wissen nicht, dass sie ihre Verträge wechseln müssen, das hat ihnen nie jemand erklärt“.

Natürlich könne auch der Staat eingreifen, wenn Strompreise überhöht seien, sagt Energieexperte Mier. Wenn Stromhändler eine marktunübliche Rendite erwirtschaften und ihre Marktmacht ausnutzen, drohen Kartellverfahren. „Bevor das passiert, werden die Firmen ihre Preise bei Bestandsverträgen anpassen“, sagt der Experte, „aktuell nehmen sie die Profite aber noch mit“.

Fazit: Je schneller Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Verträge wechseln, desto schneller werden auch die Energieunternehmen ihre Preise anpassen. „Solange Menschen diese hohen Preise zahlen und sich nicht beschweren, wird es die weiter geben“, sagt Mathias Mier.

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