Ölkonzern Bericht entlastet Ex-OMV-Chef Seele – Konzern sieht von Klage ab

Untersucht wurden die Investitionen des ehemaligen OMV-Chefs in Russland. Ein externer Prüfbericht offenbart kein einklagbares Fehlverhalten des Managers.

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Der Manager stand von Mitte 2015 bis Ende August 2021 an der OMV-Spitze. Quelle: Reuters

Der Aufsichtsrat des Wiener Ölkonzerns OMV wird nach Vorlage eines externen Prüfberichts keine rechtlichen Schritte gegen den früheren Vorstandschef Rainer Seele einleiten. Der dem Kontrollgremium präsentierte Bericht von zwei Anwaltskanzleien zeige kein einklagbares Fehlverhalten des ehemaligen OMV-Chefs, teilte das Unternehmen am Mittwochabend nach einer Sitzung des Aufsichtsrates mit.

Geprüft wurden vor allem Verträge, die der Manager mit Russland geschlossen hatte. Das Unternehmen werde daher von einer Schadenersatzklage gegen Seele absehen, hieß es.

Untersucht wurden mögliche Pflichtverletzungen und daraus resultierende mögliche Schadenersatzansprüche gegen Seele. Konkret ging es um einen millionenschweren Sponsoringvertrag mit dem Fußballklub Zenit St. Petersburg 2018 sowie die vorzeitige Vertragsverlängerung der Gaslieferverträge mit dem russischen Energieriesen Gazprom.

Dem Bericht zufolge hat Seele bei der Vertragsänderung im Rahmen seiner Ermächtigungen gehandelt, teilte das Unternehmen mit. Bei der Nebenvereinbarung mit einer OMV-Führungskraft und beim Sponsoringvertrag gebe es hingegen Hinweise auf Abweichungen der internen Vorgaben. Die Juristen würden aber davon ausgehen, dass beide Vereinbarungen rechtswirksam abgeschlossen worden seien, erklärte die OMV. Angesichts dessen steht den Juristen zufolge einer Entlastung des früheren Firmenchefs nichts entgegen.

„Wir haben die Vorwürfe sehr ernst genommen und eine externe Untersuchung beauftragt“, sagte der Chef des Kontrollgremiums, Mark Garrett. „Der Aufsichtsrat folgt daher der Empfehlung der Rechtsexperten und wird aus aktueller Sicht keine Klage beauftragen und der kommenden Hauptversammlung die Entlastung des Ex-Vorstandsvorsitzenden vorschlagen“.

Die Prüfergebnisse würden aber einen nachlässigen Umgang von Seele in der Auslegung der strengen Compliance- und Verhaltensregeln der OMV zeigen, die der Aufsichtsrat nicht dulde. Im Zuge dessen seien die internen Regeln dahingehend verschärft worden, dass strategisch wichtige Verträge eine formale Zustimmung des Aufsichtsrates erfordern.

Seele, der von Mitte 2015 bis Ende August 2021 an der Spitze der OMV stand, wurde bei einer turbulenten Hauptversammlung im Juni massiv wegen seiner Russland-Geschäfte kritisiert. Vorstand und Aufsichtsrat schlugen vor, Seele die Entlastung für das abgelaufene Geschäftsjahr zu verweigern und die Vorgänge extern prüfen zu lassen. Die Mehrheit der Aktionäre, darunter die Staatsholding ÖBAG, schloss sich dem Vorschlag an und stimmte gegen eine Entlastung.

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