Ölpreis: Produktionssteigerung drückt die Preise für Öl
Die Aussicht auf Produktionssteigerungen des Ölkartells Opec+ setzt die Preise am Ölmarkt kräftig unter Druck. Das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI verbilligten sich am Montag um jeweils bis zu rund fünf Prozent auf 58,50 und 55,30 Dollar je Fass (159 Liter). Damit lagen die Preise zeitweise auf dem tiefsten Stand seit Februar 2021, bevor sie sich bei einem Minus von jeweils rund zwei Prozent auf 60,13 und 57,10 Dollar pro Barrel einpendelten.
Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und die mit ihr in der Gruppe Opec+ verbundenen Förderstaaten hatten sich am Wochenende überraschend darauf geeinigt, die Produktion im Juni um weitere 411.000 Barrel pro Tag zu erhöhen – trotz zuletzt schwacher Nachfrageaussichten und fallender Preise.
Zusammen mit den bereits vereinbarten Erhöhungen im April und Mai summiert sich der Produktionsaufbau damit auf fast eine Million Barrel pro Tag. Anleger spekulieren nun, dass das Angebot die Nachfrage damit künftig deutlich übersteige, sagte Tim Evans vom Analysehaus Evans on Energy.
Marktbeobachter werten den Schritt als politisches Signal: Saudi-Arabien drängt laut Opec-Kreisen auf eine rasche Rücknahme früherer Förderkürzungen, um Mitglieder wie Irak und Kasachstan für deren anhaltende Missachtung von Produktionsquoten zur Rechenschaft zu ziehen. Zudem soll die Entscheidung auch auf Druck aus Washington erfolgt sein – US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt öffentlich mehr Öl auf dem Weltmarkt gefordert und will noch im Mai nach Saudi-Arabien reisen.
„Wir sprechen weiterhin von einem ‚gesteuerten‘ Abbau der Förderkürzungen – nicht von einem Kampf um Marktanteile“, sagte UBS-Analyst Giovanni Staunovo. Die britische Großbank Barclays senkte ihre Brent-Prognose für 2025 um vier Dollar auf 66 Dollar je Fass. Auch die niederländische Bank ING sprach von einem zunehmenden Überangebot. Die Opec+-Staaten hatten zur Stützung des Marktes seit 2022 ihre Förderung schrittweise um rund fünf Millionen Barrel pro Tag reduziert, was etwa fünf Prozent der weltweiten Versorgung entspricht. Nun wird diese Strategie offenbar zügig zurückgenommen.
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