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Offshore-Energie Das neue Wettrennen der Windindustrie

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Negative Schlagzeilen

Beim Hochsee-Windpark Dantysk ist dagegen schon Halbzeit. Die Hälfte der insgesamt 80 Mühlen sind an Ort und Stelle. 40 Turbinen der 3,6-Megawatt-Klasse von Siemens sind 70 Kilometer westlich der Insel Sylt errichtet worden. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall und die Stadtwerke München wollen den Windpark im Herbst 2014 in Betrieb nehmen.

Mit dem Bau der ersten Windenergieanlage, die bis zur Rotorblattspitze knapp 150 Meter aus dem Meer ragen, wurde Mitte April dieses Jahres begonnen. In Abhängigkeit von den Wetterverhältnissen auf der Nordsee sollen alle 80 Anlagen in einem Zeitraum von fünf Monaten bis zum Herbst 2014 aufgestellt werden.

Derzeit benötigt das Projekt für den Aufbau einer Windenergieanlage nach Angaben von Vattenfall rund 19 Stunden und liegt damit gut im Zeitplan. Die 80 Fundamente für die Windturbinen sowie das Offshore-Umspannwerk sind bereits errichtet.

Lenkdrachen soll Energie gewinnen
Sie sehen aus wie übliche Lenkdrachen, doch sollen sie zukünftig der Gewinnung von Windenergie dienen. Die Technische Universität Delft in den Niederlanden, deren Drache hier zu sehen ist, forscht seit Jahren im Kite Power Projekt an dieser Technologie und hat schon mehrere Prototypen getestet. 2015 könnten laut der Brandenburger Firma Enerkite die fliegenden Kraftwerke auch in Deutschland für Energie sorgen. Die Drachen fliegen dafür in 300 bis 600 Metern Höhe und zapfen dort die konstanten Windströme für die Stromgewinnung ab. Über ein Seil ist der Drache mit einer mobilen Bodenstation gekoppelt. Die Flugsteuerung sowie der Generator laufen per Autopilot. Im Gegensatz zu großen Windanlagen sind die „Energiedrachen“ flexibel einsetzbar, leise und auch noch günstiger. Quelle: Twitter
Die USA setzt ebenfalls auf Fluggeräte zur Energiegewinnung, doch diese ähneln eher einem Flugzeug. Windturbinen aus Glasfasern und Karbon machen dabei die Stromgewinnung in der Luft möglich. Die Forschung des kalifornischen Unternehmens Makani Power an der Airborne Wind Turbine wird unter anderem von Google bezuschusst. Die Turbine, die bis zu 600 Meter hoch fliegt, wird von einem Hauptseil gehalten, während die Luftenergie über ein anderes Seil zum Boden gelangt. Dabei fliegt die Windturbine kreisförmig und quer zum Wind, wodurch sie sehr hohe Geschwindigkeiten erreicht. Der Prototyp kann sogar teilweise selbstständig den Flugmodus wechseln. Das Unternehmen plant die Windturbinen auch auf der See einzusetzen. Quelle: Twitter
Zumindest auf den Plänen der Konstrukteure bringen diese Windgeneratoren mehr Leistung als konventionelle Windmühlen. Der vertikale "Aerogenerator" wird auf hoher See installiert. Die Stromausbeute liegt bei 10 Megawatt, rund drei Megawatt mehr als die bisher größte Windanlage produziert. Die Spannweite kann nach Angaben des britischen Herstellers Windpower bis zu 230 Meter betragen. Dagegen sehen die bisher üblichen Windmühlen eher schlapp aus - die neuesten Anlagen der konventionellen Bauart sollen nämlich einen Rotorendurchmesser von "nur" 180 Meter haben. Texte: Miguel Zamorano Recherche: Andreas Menn Quelle: PR
Schaut wie eine Steinschleuder aus, ist aber ein Lenkdrache. Die Idee: der Kite-Segel der italienischen Firma Kite Gen ist an einem bewegbaren Arm an zwei Seilen befestig und wird dann auf eine Höhe von 800 bis 1000 Metern gebracht. Dort dreht der Winddrachen konstante Achten und treibt so die Turbine an. Der Vorteil: in mehr als 1000 Meter Höhe bläst der Wind konstanter als in Bodennähe. Bei einer Windgeschwindigkeit von 25 km/h läge die Energieausbeute laut Hersteller bei drei Megawatt. 300 Drachen brächten so die Leistung eines Atomkraftwerks - und da der Wind in der Höhe nahezu durchgehend bläst, gäbe es keine großen Ausfallzeiten. Der Haken: Flugzeuge müssten das Gebiet umfliegen. Das scheint bei der hohen Verkehrsdichte am europäischen Himmel und der Größe der Lenkdrachen-Parks nicht praktikabel. Das Modell ist derzeit noch in der Erprobungsphase. Quelle: PR
Bläst der Wind, dreht sich der Ballon um die eigene Sache und treibt den Rotor an Quelle: PR
Die Windhelix eignet sich für große Eigenheime Quelle: PR
Diese Modell soll sich unauffällig in die Landschaft fügen- Quelle: PR

Ebenfalls gut voran kommt, nach anfänglichen Verzögerungen, auch der Nordsee-Windpark Global Tech I. Bis Mitte Juni waren laut Angaben der Projektgesellschaft über 60 der insgesamt 80 Türme und Gondeln sowie weit über ein Drittel der Rotorsterne installiert. Nach Planungsstand von Global Tech I soll der Windpark in diesem Sommer vollständig errichtet und betriebsbereit sein. Geplant wurde Global Tech 1 vom baden-württembergischen Windparkprojektierer Windreich und dessen schillernden Ex-Chef und Inhaber Willi Balz.

Mittlerweile regiert bei Windreich der Insolvenzverwalter. Zudem wird gegen den Alleingesellschafter Balz von der Staatsanwaltschaft Stuttgart unter anderem wegen Bilanzmanipulation und Insolvenzverschleppung ermittelt.

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Die Zukunft von Windreich ist derzeit völlig offen. Knapp 75 Prozent der Windparkanteile befinden sich im Besitz von drei regionalen Energieversorgern, darunter die Stadtwerke in München und Darmstadt. Die weiteren Anteile von über einem Viertel werden von zwei Projektentwicklungsgesellschaften und einem Privatinvestor gehalten. Windreich selbst gehören nur noch 0,05 Prozent, Willi Balz persönlich rund 15 Prozent.

Für ebenfalls negative Schlagzeilen sorgt dagegen der Meereswindpark Bard Offshore 1. Der größte deutsche Offshore-Mühlenpark wird aufgrund technischer Probleme voraussichtlich bis August komplett abgeschaltet. Das rund zwei Milliarden Euro teure Großkraftwerk auf hoher See fällt schon seit seiner Inbetriebnahme im September vergangenen Jahres immer wieder wochenlang wegen rätselhafter Störungen aus.

Der Netzbetreiber Tennet hat nun mit dem Subunternehmer ABB und dem Windparkbetreiber Ocean Breeze eine Task Force gegründet, um den Störungen auf die Spur zu kommen. „Derzeit laufen detaillierte Tests und begleitende Studien, um die eigentliche Fehlerursache eindeutig zu identifizieren und Gegenmaßnahmen ergreifen zu können“, heißt es in einer Mitteilung der Firmen. Hinter Ocean Breeze steckt die italienische Unicredit-Gruppe, die das Projekt vorfinanziert hatte. Die 80 Turbinen, die rund 100 Kilometer vor der norddeutschen Küste stehen, haben zusammen eine Leistung von 400 Megawatt.

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