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Finanzkrise Grüne Botschaft: Design muss nachhaltig sein

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Auch in anderen Branchen sickert der Gedanke an eine intakte Zukunft durch. So registriert die Chefin des Kölner Ökodesignberaters Econcept, Ursula Tischner, ein zunehmendes Interesse bei Großkonzernen aus der Automobil- oder Luftfahrtindustrie. „Die hätten sich vor wenigen Jahren nie bei uns gemeldet.“ Der Druck kommt von den Kunden. Rund 40 Prozent der Verbraucher bevorzugen umweltfreundliche Alternativen zu konventionellen Produkten, stellte eine im Mai veröffentlichte Untersuchung des Bremer Consulters Brands & Values fest.

Umgekehrt gilt: Wer den Ökotrend verschläft, wird vom Markt abgestraft. Diese Lektion lernen gerade die Automobilhersteller schmerzlich. In den vergangenen zehn Jahren hatten vor allem Premiummarken wie Daimler, Porsche oder BMW und die amerikanischen Hersteller auf große oder sportliche Autos mit hohem Spritverbrauch gesetzt. Während der Boomzeit verdienten die Hersteller vor allem mit großen Geländewagen. Die Automobilfirmen haben inzwischen begriffen, dass die Zeit für Neues gekommen ist. Vor allem der Elektroantrieb gibt der Automobilgestaltung neue Anstöße.

„Der Elektroantrieb ermöglicht eine völlig neue Formensprache“, schwärmt Peter Naumann, Professor für Industrie- und Automobildesign an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München. Ganze Systeme wie Auspuff, Getriebe, Kardanwelle fallen weg. Der Antrieb, bislang ein monolithischer Klotz, befindet sich bei manchen Entwürfen dezentral in den Rädern. „Verbrennungsmotor ist alte Ökonomie, Elektromotor ist neue Ökonomie“, resümiert Naumann. Doch bis sich die Straßen mit Elektroautos bevölkern, dürften noch ein paar Jahre vergehen.

Alle Automobilunternehmen arbeiten an neuen Designs – mit und ohne Elektromotor. Ford geht mit der Studie Iosis Max, einem flachen Van mit Verbrennungsmotor, bei dem die Designer vor allem am Gewicht sparen wollen, neue Wege. BMW arbeitet am Projekt I, dessen Fahrzeuge mit zwei oder drei Rädern denkbar sind. Und Volkswagen werkelt an der Studie Up!, einem Kleinwagen mit einer abgespeckten Formensprache ohne Kühlergrill.

Volkswagen-Design-Chef Klaus Bischoff spricht von „unserem Weg zur Einfachheit“ und von der „Bereitschaft, Bescheidenheit als attraktive Tugend ins Design einzubeziehen“. Das sind neue Töne in der Branche.

"Grünes Design macht nur Sinn, wenn es von einer breiten Masse akzeptiert wird"

Noch sind die Automobiler in einer Zwischenphase: Das Neue ist noch nicht geboren, das Alte bereits überholt. So soll die aktuelle Auszeichnung des Passat CC mit dem Red Dot bei Volkswagen gemischte Gefühle hervorgerufen haben. „Eine große Ehre für unser Team – der Wagen ist schön, aber für uns Geschichte“, sagt ein Volkswagen-Designer, „wir arbeiten heute an ganz anderen Konzepten.“

Attraktiv sind die Autos mit den neuen Techniken noch nicht. Die ersten Hybridautos wie der Prius von Toyota oder der Honda Insight wirken hausbacken. Doch ohne Emotionalität können die Konzerne neue Technik nicht auf den Straßen durchsetzen. „Grünes Design macht nur Sinn, wenn es von einer breiten Masse akzeptiert wird“, sagt Bischof.

Die Baracke könnte auf einem Militärgelände stehen oder auch in einem Flüchtlingslager. Grau und unscheinbar duckt sich der Holzbau zwischen den Fabrikhallen. Doch Udo Ermert liebt diesen Holzbau: „Wir brauchen für die kreativen Prozesse einen eigenen, vom Tagesgeschäft abgekoppelten Bereich.“ Den Chefdesigner des Heizungsbauers Vaillant im rheinischen Remscheid und seinen Mitstreiter, den Designer Steffen Fleischer, plagt vor allem die Frage: „Wie macht man einen Heizkessel sexy?“

Gleichzeitig muss er die grüne Botschaft des Unternehmens herüberbringen. Denn für Vaillant ist Nachhaltigkeit alles andere als ein Nebenthema. „40 Prozent des Energieverbrauchs gehen in die Beheizung von Wohn- und Bürogebäuden“, sagt Vaillant-Geschäftsführer Ralf-Otto Limbach, „die Heizung rangiert als Energiefresser noch vor dem Verkehr oder der Industrie.“ Für Vaillant ist das Energiesparen einer der stärksten Hebel im Marketing. Eine Familie in einer Wohnung von 120 Quadratmeter Größe kann 500 Euro sparen, wenn sie mit modernen Heizungen um 30 Prozent den Verbrauch senkt – selbst bei niedrigen Preisen für Öl und Gas.

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