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Ford verkauft Jaguar und Land Rover in indischer Hand

Es ist ein Stück Industriegeschichte: Mit dem Verkauf der britischen Automobil-Ikonen Jaguar und Land Rover an Tata Motors haben erstmals Inder das Sagen bei zwei großen westlichen Herstellern.

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Sind nun im Besitz der Quelle: PA

Was manchen Auto-Liebhaber noch befremden dürfte, belegt eindrucksvoll die Kräfteverschiebung in der Weltwirtschaft. Die neuen, rasant aufstrebenden Giganten kommen aus Staaten wie Indien und China. Ein traditionsreicher Autokonzern wie Ford schaffte es dagegen nicht, den Mythos der Nobelmarken Jaguar und Land Rover profitabel neu zu beleben.

Jetzt trennt sich der US-Konzern von seinen britischen Töchtern. Tata zahlt für das Autopaket umgerechnet 1,5 Milliarden Euro. Das gaben beide Unternehmen heute bekannt.

Der Zusammenprall der Kulturen könnte größer kaum sein: Tata Motors gilt als Inbegriff des neuen Trends zum Billigauto: Gerade mal 1700 Euro soll der im Januar präsentierte „Nano“ kosten - rund ein Zwanzigstel des Einstiegspreises für einen Jaguar.

Ob das unter ein Dach passt, ist für viele Marketingstrategen völlig offen. Wie werden betuchte Käufer in Europa und den USA auf die neuen indischen Besitzer reagieren?

Der 70-jährige Konzernpatriarch Ratan Tata betonte denn auch am Mittwoch sofort: „Wir haben großen Respekt vor beiden Marken.“ In der Tat gilt der gigantische Mischkonzern Tata, zu dem der Autohersteller zählt, bei seinen zahlreichen Übernahmen als ebenso effizient wie behutsam. „Wir behalten in der Regel das bestehende Management nach Übernahmen“, sagte Tata kürzlich in einem Interview.

Autoexperten trauen Tata Motors daher zu, mit seinen prall gefüllten Kassen die zwei Traditionsmarken wieder aufblühen zu lassen. Beide benötigen dringend hohe Investitionen. Jaguar fährt laut Branchenschätzungen seit Jahren im roten Bereich.

Ford konnte die fast 90 Jahre alte Raubkatze auch nur im Doppel mit dem besser dastehenden Geländewagenbauer Land Rover verkaufen. Angesichts von hohen Milliardenverlusten fehlten Ford am Ende sowohl die Finanzkraft als auch die Geduld für ein Aufpäppeln der einst feinen, aber vergleichsweise kleinen Marken.

„Das sind teure Hobbys, dies sich Ford nicht länger leisten kann“, sagte der seit 2006 amtierende Konzern-Chef Alan Mulally einmal. Einst zahlte der zweitgrößte US-Autobauer für Jaguar (1989) und Land Rover (2000) zusammen mehr als fünf Milliarden Dollar. Seither versenkte Ford zusätzlich laut Experten weitere rund zehn Milliarden Dollar an Investitionen.

Von Tata Motors bekommen die Amerikaner nun unter dem Strich weniger als zwei Milliarden Dollar. Aktionäre beklagen eine verheerende Bilanz, mussten sie doch bereits einen Kursverlust von rund zwei Dritteln in den vergangenen vier Jahren hinnehmen.

Tata Motors bekommt so vergleichsweise günstig westliche Technologie und Markenwert. Sie sollen den Indern für weiteres Wachstum schnell die westlichen Automärkte öffnen. Der Aufbau einer eigenen Premiummarke hätte Tata Motors viel mehr Zeit und Geld gekostet - trotz aller Lasten bei den neuen Familienmitgliedern. Die Briten haben mit den neuen Herren aus ihrer einstigen Kolonie bereits gute Erfahrungen gemacht. Auf der seit Jahren laufenden Einkaufstour übernahm Tata unter anderem in Großbritannien den Stahlproduzenten Corus und den Teekonzern Tetley.

Beides gilt als Erfolgsgeschichte. Schnell sprachen sich daher auch diesmal Gewerkschaften und Zulieferindustrie für Tata aus, erfreut über Garantien für Beschäftigte und Werke.

Konzernchef Ratan Tata, Herr über rund 100 Unternehmen und 300.000 Beschäftigte, freut sich auch ganz persönlich über die beiden neuen Auto-Legenden in seinem Reich. In seiner Garage stehen laut Berichten bereits Nobelkarossen von BMW, Mercedes und Ferrari - vielleicht ja auch bald ein edler Jaguar XJ oder die Offroad-Ikone Land Rover Defender.

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