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3500 Stellen auf der Kippe Media-Saturn wird zur Großbaustelle

Ceconomy, der Mutterkonzern von Media Markt und Saturn, will die Unternehmensstruktur der Töchter vereinheitlichen und so 100 Millionen Euro im Jahr sparen. Quelle: dpa

Ceconomy, der Mutterkonzern von Media Markt und Saturn, will die Unternehmensstruktur der Töchter vereinheitlichen und so 100 Millionen Euro im Jahr sparen. Das hat auch Folgen für die Führungskräfte in den Märkten.

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Die Mitteilung klang mehr nach Buzzword-Bingo denn nach glasklarer Strategie: Von einer neuen Organisationsstruktur („Operating Model“) war da die Rede, von wichtigen „strukturellen Voraussetzungen für die laufende strategische Transformation“, die man schaffen wolle, um die „maximale Fokussierung der Mitarbeiter auf das Kundenerlebnis“ zu ermöglichen. Was das konkret heißt, blieb jedoch offen in der Mitteilung, die die Ceconomy AG am Mittwochmittag ad hoc veröffentlichte.

Erst im vorletzten Absatz erfuhren Mitarbeiter wie Aktionäre, worum es eigentlich geht: Die Düsseldorfer Holding, Mehrheitseigner der kriselnden Elektronikhandelsketten Media Markt und Saturn plant einen internen Umbau, der vor allem im Ausland zu einem Abbau von bis zu 3500 der über 47.000 Vollzeitstellen führen könnte.

Bei einer Umsetzung der Pläne sollen pro Jahr knapp über 100 Millionen Euro eingespart werden, hieß es weiter. In „begrenztem Umfang“ könnten auch verlustreiche Filialen geschlossen werden. Zunächst aber einmal schlügen Kosten für den Umbau von rund 180 Millionen Euro ins Kontor. Eine Entscheidung über die Pläne des Vorstands wurde aber noch nicht gefällt, Beratungen der Gremien sind für den 12. August angesetzt. Die genaue Höhe unter anderem eines Personalabbaus sei damit noch offen. Einen Tag später will der Konzern seine Zahlen für das dritte Quartal vorlegen.

Schon in den vergangenen Wochen hatte es in der Branche Hinweise über organisatorische Veränderungen bei Media Markt und Saturn gegeben, die offenbar Teil der nun offiziell angekündigten Umbaupläne sind. So will der Elektronikhändler künftig fünf verschiedene Kategorien von Märkten definieren, abhängig von bestimmten Umsatzgrößen. Die reichen laut „Lebensmittelzeitung“ von zehn Millionen Euro bis zu mehr als 35 Millionen Euro. Für jede Gruppe habe der Konzern den Einsatz von Führungspersonal im Markt festgelegt, berichtet das Fachblatt.

Demnach soll es zwar weiter zwei Geschäftsführer pro Standort geben, die jeweils für Vertrieb und kaufmännische Aufgaben zuständig sind. Intern werde allerdings erwartet, dass die Zahl der für einzelne Abteilungen verantwortlichen Verkaufsleiter deutlich sinken dürfte. Die Änderungen würden aber auch viele andere Mitarbeiter betreffen, die nun neue Stellenbeschreibungen bekommen sollen. „Letztlich geht es darum, dass die Leute für mehr Arbeit, weniger Geld bekommen sollen“, zitiert die „Lebensmittelzeitung“ Belegschaftskreise.

Nebeneffekt: Durch die neue Marktstruktur dürfte auch der traditionell große Spielraum der Geschäftsführer in den Märkten vor Ort weiter eingeengt werden. Der galt zwar lange Zeit als Erfolgsrezept des Unternehmens, wurde in der Führungsspitze in den vergangenen Jahren aber zunehmend als Hindernis bei der Neuausrichtung des Unternehmens interpretiert, etwa beim Ausbau des Onlinegeschäfts. So sorgte der hohen Wettbewerbsdruck durch Online-Händler wie Amazon schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie für Probleme bei Media Markt und Saturn. Durch die Corona-Folgen verschärfte sich die Lage.

Die Holding Ceconomy musste im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 wegen der behördlich verordneten Schließung von Märkten und hohen Abschreibungen auf die französische Beteiligung Fnac Darty einen Verlust von 309 Millionen Euro verzeichnen. Im Mai lagen die Umsätze des Handelsriesen mit 1,55 Milliarden Euro allerdings schon wieder um drei Prozent über dem Vorjahresniveau. Im Juni übertrafen die Verkaufszahlen mit 1,75 Milliarden Euro den Vorjahreswert gar um 12 Prozent. Allerdings haben sich die Gewichte zwischen den Verkaufskanälen im Konzern unter dem Einfluss der Pandemie massiv verschoben. Denn entscheidenden Anteil an dem schnellen Comeback der Elektronikketten hatte der Erfolg des Online-Geschäfts, das zwischen April und Juni um rund 145 Prozent wuchs und mittlerweile mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes liefert. In den Filialen hingegen blieben viele Kunden fern. „Die Pandemie hat definitiv als Beschleuniger für unser Online-Geschäft gewirkt“ sagte Ceconomy-Chef Bernhard Düttmann deshalb im Juli.

Er kündigte schon damals an, das werde auch Auswirkungen auf die Zukunftsstrategie des Konzerns haben. „Die Märkte werden weiterhin eine wichtige Rolle in unserer Omni-Channel-Strategie spielen, aber wir müssen und werden uns an das veränderte Kundenverhalten anpassen“, sagte Düttmann.

Mit Material von dpa und Reuters

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