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Anton Schlecker Kein Haus, kein Auto, nur noch 18.000 Euro

Exklusiv
Seite 2/2

Eine halbe Milliarde Euro aus Privatbesitz

Aufstieg und Fall eines Drogeriemarkt-Imperiums
1975Der 1944 geborene Anton Schlecker, Sohn eines Fleischwarenfabrikanten, eröffnet in Kirchheim unter Teck seinen ersten Drogeriemarkt. Quelle: AP
1977-1984Die Kette expandiert schnell: Schon zwei Jahre später zählt Schlecker mehr als 100 Filialen. 1984 gab es bereits Tausend Drogerien. Quelle: dpa
1987Schleckers Kinder Meike und Lars (hier im Jahr 2011) werden am 22. Dezember entführt. Ihr Vater handelt das Lösegeld von 18 auf 9,6 Millionen D-Mark herunter. Kurz vor Heiligabend können sich die Kinder befreien. Quelle: dpa
1987-1995Im Jahr 1987 eröffnet Schlecker die ersten Filialen im Ausland. Der weitere Aufstieg scheint unaufhaltsam: 1995 kommt Schlecker bereits auf 5800 Filialen und beschäftigt rund 25.000 Mitarbeiter. Quelle: dapd
1994-1998Doch in den 1990er-Jahren beginnen auch die ersten Probleme. 1994 wird Schlecker vorgeworfen, Scheinarbeitsverhältnisse zu betreiben und unter Tarif zu bezahlen. Auch die Gründung von Betriebsräten soll systematisch blockiert worden sein. 1998 werden Anton Schlecker und seine Ehefrau Christa zu jeweils zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Grund: Das Amtsgericht Stuttgart sieht es als erwiesen an, dass das Ehepaar seinen Mitarbeitern tarifliche Bezahlung vortäuschte. Quelle: dpa
Schlecker-Tochter IhrPlatz stellt Insolvenzantrag2007 kaufte die Drogeriekette den insolventen Konkurrenten Ihr Platz. 700 Standorte kamen auf einmal dazu, Schlecker zählte nun 14.400 Ableger in 17 Ländern. Ein Höhepunkt. Quelle: dapd
Schlecker reicht Insolvenzantrag einDoch der Abstieg war schon zu ahnen: 2011 holte Anton Schlecker seine beiden Kinder Lars (links) und Meike (rechts) in die Unternehmensführung. Zuvor war die Drogeriekette wieder einmal wegen dem Umgang mit den Mitarbeitern in die Kritik geraten. Laut Medienberichten überwachte Schlecker seine Mitarbeiter, auch der Vorwurf der schlechten Bezahlung wurde erneut erhoben. Viele Medien sahen die neue Familiengeneration an der Spitze als Ablenkungsmanöver. Bild: Montage der Familie Schlecker. Quelle: dapd

Laut dem Bericht zahlte Anton Schlecker noch am 20. Januar 2012 sieben Millionen Euro an das Logistikunternehmen LDG zurück. Am 23. Januar meldete er Insolvenz an. „Die Zahlung dürfte“, so Geiwitz, „anfechtbar sein.“ LDG gehört Schleckers Kindern Meike und Lars. Sie hatten dem väterlichen Konzern über die LDG zuvor ein Darlehen in zweistelliger Millionenhöhe gewährt. Last-Minute-Rückzahlungen von Krediten kurz vor einer Insolvenz gelten unter Verwaltern generell als problematisch, da oft der Verdacht nahe liegt, das auf diesem Weg der Insolvenzmasse Geld entzogen wird, um bestimmte Gläubiger zu bevorzugen.

Im Jahr 2009 habe Anton Schlecker zudem zwei Grundstücke aus seinem Privatbesitz an seine Ehefrau und seine Kinder unentgeltlich übertragen. In den letzten Jahren seien zudem „wiederholt Geldschenkungen an die Kinder und Enkelkinder des Schuldners“ erfolgt. Fest steht allerdings auch: Schlecker hat in den vergangenen Jahren rund eine halbe Milliarde Euro aus seinem Privatbesitz in das Unternehmen gepumpt, seine Kinder haben Millionendarlehen an Schlecker vergeben und zählen zu den größten Gläubigern (siehe WirtschaftsWoche 23/2012). Hätte Anton Schlecker in großem Stil Vermögen beiseite schaffen wollen, hätte er nur frühzeitig die Rechtsform seines Konzerns ändern müssen.

Neben der Schlecker-Familie und den Arbeitnehmern könnte die Schlecker-Pleite unterdessen auch für Markenartikelhersteller wie Henkel gravierendere Folgen haben als bislang erwartet. Zwar hatte Henkel-Chef Kasper Rorsted vor wenigen Wochen gesagt, Schlecker habe für den Pril-, Persil- und Schwarzkopf-Hersteller keine große Bedeutung, denn der Anteil am Gesamtumsatz liege bei unter einem Prozent. Henkel erlöste 2011 mehr als 15 Milliarden Euro. Aber in der Industrie wächst die Furcht, die Schlecker-Pleite könnte sie härter treffen als zunächst angenommen. Auch aus dem Top-Management des Henkel-Konzerns heißt es nun, den Wegfall Tausender Schlecker-Läden könnten die Düsseldorfer mittelfristig empfindlicher spüren als erwartet. Wenn die Schlecker-Kunden zu den Konkurrenten wie dm oder Rossmann wechselten, merkten sie schnell, welche preiswerten und dennoch hochwertigen Eigenmarken diese Ketten anböten.

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Schlecker erwirtschaftete mit ‧seinen wenigen Eigenmarken nur 17 Prozent des Umsatzes, wie aus einer Verkaufspräsentation der Unternehmensberatung McKinsey und der Rothschild-Bank hervorgeht. Bei dm ist der Anteil knapp doppelt so hoch, Rossmann kommt auf 24 Prozent – und der Anteil „wächst permanent“, wie ein Unternehmenssprecher sagt.

Erschwerend kommt hinzu: Das Duopol Rossmann und dm könnte künftig den Herstellern die Preise und Konditionen noch stärker diktieren als bisher. Auch dass ein Großteil der Kunden Shampoo und Seife künftig in Supermärkten und bei Discountern kauft, hilft Markenartiklern wie Henkel, Unilever (Dove), Beiersdorf (Nivea) oder Procter & Gamble (Ariel, Pampers) nur wenig. So rüstet sich der Rewe-Ableger Penny mit der eigens aufgelegten Kosmetik-Eigenmarke Today für die Neuaufteilung des Drogeriemarktes. Bis zum Jahresende sind rund 80 Today-Artikel geplant.

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