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Black NovemberDie dunkle Seite des Konsums

Dank Black Friday, Cyber Week und Co. prägen die Vorweihnachtszeit Rabattschlachten, Paketfluten und endlose Schlangen an den Poststellen. Weihnachten wird vom Fest der Liebe zum Fest mit leerem Konto. Eine Glosse.Nele Antonia Höfler 25.11.2022 - 13:03 Uhr aktualisiert

Black Friday soweit das Auge reicht – und das Portemonnaie.

Foto: AP

Die vorweihnachtliche Rabattschlacht wird Jahr für Jahr weiter künstlich in die Länge gezogen. Nachdem der Singles Day die Saison eingeläutet hat, mündet die Black Week im Black Friday und wird kommende Woche von Cyber Monday getoppt – jeder dieser Tage verspricht neue, unschlagbare Angebote. Ein aus dem Ausland importierter Brauch.

In den USA findet der Black Friday am Tag nach Thanksgiving statt. Nachdem die Amerikaner vor wenigen Stunden noch dankbar für das waren, was sie haben – widmen sie sich heute dem, was sie nicht haben, aber ganz dringend wollen.

Am 11.11, dem sogenannten Singles Day, feierten Junggesellen in China früher ausgelassene Partys. Das Datum besteht aus vier Einsen – jede symbolisiert einen Alleinstehenden. Das Event des Jahres, um sich zu verlieben. Im besten Fall endete der Tag mit dem Start der großen Liebe. 

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Inzwischen bleibt zum Verlieben keine Zeit. Der Handel hat den Tag zum Geschäftsmodell gemacht. Und das nicht nur in China, sondern auch hierzulande. Den Singles Day verbringen die Menschen heute damit, Ordnung in ihr E-Mail-Postfach voller Newsletter mit Werbeangeboten zu bringen, Rabattcodes zu sichern und online Warenkörbe zu befüllen. Statt mit der großen Liebe endet der Tag mit leerem Konto. 

Rabattcodes gibt es für Kreuzfahrten, Hochzeitsfotografen und Botox. Nur Unternehmen, bei denen man wirklich dringend einen Rabattcode gebrauchen könnte, vergeben keine: Heizen, Lebensmittel und Zugfahrten bleiben genauso teuer wie an jedem anderen Tag im Jahr.



Auf die Rabattschlacht im November folgt der Klingelterror im Dezember. Denn wer viel bestellt, bekommt viel geliefert. Das ist der Zeitpunkt, an dem ich jedes Jahr in den Streik trete: Ich reagiere nicht auf das dauerhafte Klingeln, ich mache die Tür nicht auf, ich nehme die Pakete der Nachbarn nicht an. Das Ganze ist ein Teufelskreis. Auf den klingelnden Postboten folgen die klingelnden Nachbarn, die wissen wollen, ob man ihre Pakete angenommen hat.

Menschen mit wenig Zeit empfehle ich Ende des Jahres Paketstationen zu meiden. Weil den Menschen spätestens dann auffällt, dass wenig Geld auch eine Menge ist, wenn man viel davon ausgibt. Dann schicken sie ihre Pakete zurück. 

Wieso ich mich so aufrege? Wahrscheinlich, weil die Jacke, die ich mir heute reduziert kaufen wollte, schon morgens um sieben ausverkauft war. Und der Umwelt wegen, klar.  

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