Chinas Billigshops: Die EU geht endlich gegen Temu und Shein vor – und ist trotzdem zu langsam

Päckchen des asiatischen Billiganbieters Temu
Foto: imago imagesSchuhe für drei Euro, Sonnenbrillen für vier Euro und Kopfhörer für zehn Euro – asiatische Billiganbieter wie Temu und Shein zeichnen sich vor allem durch ihre billigen Preise aus.
Aber auch die Geschwindigkeit, mit der sie vorgehen, ist bemerkenswert: Täglich werden Tausende neue Produkte angeboten. Temu hat innerhalb von zwei Jahren in mehr als 60 Länder expandiert. Shein reagiert auf seiner Webseite in Echtzeit auf Nachfrage: Bei hohem Interesse produziert das Unternehmen die gefragten Artikel direkt nach.
Mit diesem Modell fluten die asiatischen Anbieter Europa derzeit mit Paketen. Dabei profitieren sie insbesondere von einer Regelung: Derzeit müssen für Päckchen unter einem Warenwert von 150 Euro bei der Einfuhr keine Zollgebühren bezahlt werden. Billig-Händler wie Temu und Shein, die diesen Wert nur selten überschreiten, kommt das zugute – während der deutsche Staat und die anderen europäischen Länder Millionen verlieren und der Einzelhandel unter den nicht zu unterbietenden Preisen ächzt.
Jetzt will die EU eingreifen und die 150-Euro-Zollfreigrenze abschaffen. Dem Handelsverband HDE zufolge will sich die Bundesregierung hinter die Neuordnung der Import-Regelungen der EU stellen. Das Bundesfinanzministerium unterstützt die Abschaffung der Zollfreigrenze offenbar.
Nur soll die neue Regelung erst 2028 in Kraft treten. Dabei liegen entsprechende Reformpläne bereits seit 2023 auf dem Tisch. Wenn es die EU mit den schnellen und agilen Billiganbietern aus Fernost aufnehmen will, kann sie nicht langsam und träge reagieren. Auch um zu vermeiden, dass sich die Billiganbieter durch neue Tricks an die veränderten Rahmenbedingungen anpassen.
Allein 2023 erreichten laut EU-Kommission rund zwei Milliarden Pakete mit einem erklärten Warenwert von je unter 150 Euro im vergangenen Jahr Europa aus Drittstaaten. Die Abschaffung der 150-Euro-Freigrenze kommt einfacher Mathematik zufolge acht Milliarden Pakete zu spät. Zahlreiche davon dürften von Temu, Shein und Co stammen: Allein Temu exportiert laut Experten 1000 Tonnen Ware pro Tag.
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Hinweis: Dieser Artikel wurde erstmals am 27. Mai 2024 bei der WirtschaftsWoche veröffentlicht. Wir zeigen ihn aufgrund des hohen Leserinteresses erneut.