Edeka Gefeilsche mit harten Bandagen

Der Handelsriese kämpft um die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann. Einzelnen Lieferanten ist Edekas Verhandlungsmacht schon jetzt zu groß.

König der Supermärkte: Edeka-Chef Markus Mosa. Quelle: dpa

Die Zitterpartie um die Übernahme der rund 450 Kaiser’s-Tengelmann-Supermärkte durch Edeka steuert auf ihr Finale zu. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) muss entscheiden, ob er den Deal genehmigt – gegen den Widerstand von Edekas Erzrivalen Rewe, der diese Woche sein Interesse an den Supermärkten mit einem neuen Übernahmeangebot untermauert hat.

Vor allem aber gegen Warnungen von Lieferantenvertretern. Gerade die sorgen sich vor noch mehr Nachfragemacht des größten deutschen Lebensmittelhändlers, der sich mit dem Werbespruch „Wir lieben Lebensmittel“ als sympathischen Nachbarschaftsladen inszeniert. Im Umgang mit Lieferanten scheint bei der Truppe um Edeka-Chef Markus Mosa aber mitunter die Devise zu gelten: „Wir nutzen alle Mittel.“

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

So zumindest beschreiben Lieferanten gegenüber der WirtschaftsWoche den Verhandlungsstil von Edeka-Einkäufern. „Das sind mit die härtesten Burschen“, konstatiert der Chef eines niedersächsischen Herstellers. Er beklagt einen „Wust an Forderungen und Rückvergütungen“, der das Geschäft für ihn unkalkulierbar mache. Nach einer Ministererlaubnis könnte Edeka versuchen, die Konditionen weiter zu drücken, um die Übernahmekosten einzuspielen, befürchtet ein anderer Lieferant. Ihre Namen wollen die Mittelständler nicht gedruckt lesen. Zu groß ist die Angst vor dem Zorn aus Hamburg.

Edekas verfügt über ein großes Druckpotenzial

Dort will man konkrete Fragen zu den Vorwürfen nicht beantworten. Ein Anwalt des Unternehmens teilt mit: Die Zusammenarbeit zwischen Edeka und der Mehrheit der Geschäftspartner laufe „konstruktiv und für beide Seiten vorteilhaft“, der Konzern lege „Wert auf ein professionelles und von gegenseitigem Respekt geprägtes Verhältnis“.

Endspurt im Streit um Kaiser's Tengelmann

Im Zweifel verfügt Edeka über erhebliches Druckpotenzial. Schon in den „Allgemeinen Beschaffungsbedingungen“, die der WirtschaftsWoche in einer Fassung von 2012 vorliegen, hat sich der Handelsriese gegen so gut wie alle Widrigkeiten im Umgang mit seinen Lieferanten gewappnet. Ein Hersteller bezeichnet das Vertragswerk denn auch als „Bußgeldkatalog“.

Fast immer, wenn etwas schiefläuft, darf Edeka die Lieferanten zur Kasse bitten – teils mit Pauschalbeträgen, die es in sich haben. Sobald etwa Behörden einen Rückruf wegen Produktmängeln veranlassen, darf Edeka wegen des eingetretenen Imageschadens einen „pauschalen Schadenersatz“ von 100.000 Euro erheben, steht in dem Vertrag. Im Zweifel muss der Lieferant beweisen, dass das Image von Edeka nicht so stark gelitten hat. Edeka will sich dazu nicht äußern.

Tatsächlich sind solche Klauseln zwar legal und gehören auch zum Repertoire anderer Händler. Doch offenbar agieren diese nicht so forsch wie Edeka. Darauf deuten die Ergebnisse einer Befragung des Handelsexperten Thomas Roeb hin, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegen.

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