Eierproduktion Bewusster Konsum rettet Küken

Das Geschlecht von Küken soll künftig noch vor dem Ausschlüpfen bestimmt werden, damit nicht Millionen männliche Küken getötet werden müssen. Quelle: dpa

Jährlich werden mehr als 50 Millionen männliche Küken getötet. Um das zu verhindern, will die Geflügelwirtschaft künftig Maschinen zur Frühbestimmung des Geschlechts einsetzen. Kunden sollten nicht darauf warten.

Es gibt wenige Lebensmittel, bei denen ein Kunde einfach herausfinden kann, ob sie zu jenen Bedingungen hergestellt wurden, die er sich wünscht. Bei Eiern allerdings geht das durchaus.

Kein Kunde kann wollen, dass jedes Jahr mehr als 50 Millionen Küken getötet werden, weil sie - hart aber wahr - keinen Nutzen haben. Die Rassen, die in der Produktion für Hühnereier verwendet werden, sind als Fleischlieferant untauglich. Die männlichen Küken haben in der industriellen Produktion als ausgewachsene Tiere keinen Nutzen und verursachen Kosten. Ihr Schicksal ist der sehr frühe Tod.

Seit vielen Jahren arbeitet die Geflügelwirtschaft daran, bereits im Ei zu bestimmen, ob das Küken nach dem Ausschlüpfen eine Henne wird, die Eier liefert, oder ein Hahn, der keine weitere Verwendung fände. Die Vorstellung, dass stündlich tausende Küken vergast, geschreddert und verwertet werden, ist für die Mehrzahl der Kunden schwer erträglich und passt nicht ins Bild einer Nahrungsmittelproduktion, die Rücksicht auf das Tierwohl nimmt.

Nun soll es jedoch soweit sein. Der Präsident des Zentralverbands der deutschen Geflügelwirtschaft, Friedrich-Otto Ripke, hat in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung angekündigt, dass bis Ende des Jahres die ersten Maschinen im Einsatz sein sollen, die das Geschlecht vor dem Ausschlüpfen bestimmen. Ein Schritt, den Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) ursprünglich schon für vergangenes Jahr angekündigt hatte.

Auf diese technische Lösung sollten Kunden aber nicht warten: schon heute können sie sich bewusst dafür entscheiden, die Zahl der getöteten Küken zu reduzieren - und zwar mit dem Einkaufswagen. Discounter wie Penny oder Supermarktketten wie Rewe haben seit längerem Eier im Programm, die einer anderen Strategie folgen: Das sogenannte Zweitnutzungshuhn entstammt Hühnerrassen, bei denen die Hennen zwar etwas weniger Eier legen, die männlichen Küken aber so viel Fleisch tragen, dass sie nach der Aufzucht als Fleischlieferant genutzt werden können.

Verbraucher müssen die Angebote auch nutzen

Auch die großen Anbieter im Zuchtgewerbe haben sie inzwischen im Sortiment. Bio-Verbände wie Demeter bemühen sich ebenfalls seit Längerem, mit den sogenannten Bruderhahn-Eiern den männlichen Küken ein längeres Leben nach dem Ausschlüpfen zu sichern.

Der Kunde muss diese Angebote allerdings auch nutzen. Diese Eier haben ihren Preis. Der es einem jedoch wert sein sollte. Denn selten kann ein Kunde so klar mit seiner Kaufentscheidung ein Signal setzen - und unmittelbar das Schicksal von Lebewesen beeinflussen.

Der Nachteil ist: Eier dieser Sorte sind nicht so häufig zu finden, wie sich der interessierte Kunde das wünscht. Der Vorteil aber: Gegenüber anderen Produktgruppen ist die Auswirkung des eigenen Handelns deutlich. Zum Vergleich: Welche Veränderungen in der Welt es nach sich zieht, wenn man sich Kaffee oder Kartoffeln mit Siegeln verschiedensten Verbänden in den Einkaufswagen legt, ist für den Kunden viel diffuser.

Wer nicht vegan leben möchte, kann beim Ei also schon heute einen Schritt weiter sein als die Nahrungsmittelindustrie. Und sollte das auch tun.

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