Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamburg: Otto darf Händler von seinem Marktplatz fernhalten
Der Handelskonzern Otto hat sich vor dem Oberlandesgericht Hamburg gegen zwei Händler durchgesetzt, die Zugang zum Otto-Marktplatz erlangen wollten.
Im Herbst 2024 hatte Otto einigen Hundert Händlern auf seinem Marktplatz gekündigt, aus Gründen wie Verstößen gegen Bilderrichtlinien, wegen fehlender Produktinformationen oder eines unvollständigen Impressums. Viele Händler waren aber auch freiwillig gegangen, nachdem Otto seine Gebühren und auch Provisionen, die der Konzern von Händlern kassiert, zum Teil deutlich erhöht hatte.
Ein Konzernsprecher teilt auf Nachfrage mit, Otto betrachte das Partnerportfolio „fortlaufend, um die Qualität unseres Plattformangebots sicherzustellen“. Kündigungen von Marktplatzpartnern könnten unterschiedliche Gründe haben, beispielsweise Verstöße gegen Richtlinien, die Nichteinhaltung von Standards oder Mindestanforderungen. „Zu den konkreten Kündigungsgründen in Einzelfällen sowie generell zu laufenden oder abgeschlossenen Gerichtsverfahren äußern wir uns nicht.“
Seit der Öffnung für Drittanbieter im Frühjahr 2020 sei der Otto-Marktplatz auf deutlich über 6000 Händler „rasant gewachsen“, begründete die neue Otto-Chefin Petra Scharner-Wolff, „da ist es angemessen, nach einer Anlaufphase zu schauen, mit welchen Partnern wir Volumen machen und mit welchen nicht. Und ob die Qualität auch zu unserem Anspruch passt.“ Dass die Neustrukturierung des Otto-Marktplatzes wohl nicht ganz einstimmig und harmonisch abgelaufen ist, legen zwei Personalwechsel nahe: Im März 2024 verließ Bodo Kipper das Unternehmen, er war im Bereichsvorstand von Otto.de zuständig für Handel und Marktplatz. Zudem gab der Konzern Mitte 2024 den Abgang von E-Commerce-Vorstand Sebastian Klauke zum Februar 2025 bekannt.
Die Handelsplattform ist die wichtigste Geschäftseinheit des hanseatischen Mischkonzerns: Otto.de konnte im vergangenen Jahr um fünf Prozent zulegen auf 4,5 Milliarden Euro Umsatz – und steuert damit fast ein Drittel zum Otto-Gesamtumsatz von 14,9 Milliarden Euro bei. Dass im vergangenen Jahr mehrere hundert Händler die Plattform verlassen haben, sorgte in der Handelsszene für Aufsehen. Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche hatte Scharner-Wolff jedoch in Abrede gestellt, dass sie eine gänzlich neue Strategie mit dem Marktplatz verfolge. Derzeit liegt der Anteil am Gesamtbruttovolumen, der von externen Händlern umgesetzt wird, auf Otto.de bei 40 Prozent. Das Verhältnis werde sich mittelfristig bei 50–50 einpendeln, erwartet Scharner-Wolff.
Gegen die Marktplatz-Kündigung hatten ein Händler für Haushaltsgeräte sowie ein Anbieter von Elektronikartikeln geklagt. Beide Verfahren wurden jedoch eingestellt. Laut Oberlandesgericht Hamburg bestehe keine „sortimentsbedingte Abhängigkeit“ der beiden Händler von Otto. Laut dem Handelsverband HDE gibt es in Deutschland 57 Online-Marktplätze.
Lesen Sie auch: Ottos neue Chefin setzt auf Stabilität