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Frauenfeindliche Firmenkultur Wie es bei Nike zur Revolte der Frauen kam

New YorkNike hat sich nach einer weiblichen Gottheit genannt. Der Name steht für die griechische Siegesgöttin, die Zeus beim Kampf gegen die Titanen beigestanden hat. Doch mit dem Respekt vor Frauen ist es nicht weit her bei dem Adidas-Konkurrenten, wie die jüngsten Skandale zeigen.

Mehrere Top-Manager haben den Konzern bereits verlassen müssen. Wie die „New York Times“ berichtet, war es eine interne Revolte der Frauen, die das Fehlverhalten ans Licht brachte: Sie führten heimlich eine Umfrage durch, die die Probleme aufzeigte.

Das Männer-dominierte Betriebsklima bei dem Sportartikelhersteller wird immer mehr zum Problem. Nikes Markenchef Trevor Edwards musste im März überraschend zurücktreten. Jayme Martin, der den Großteil des globalen Geschäft verantwortete, ebenfalls. Auch der Chef des Basketball-Geschäfts musste gehen. Dabei hat der Konzern genug Probleme, das Geschäft auf dem wichtigen Heimatmarkt läuft schlecht, neue Impulse sind dringend nötig.

Es war der interne Druck, der den Herren ihren Posten gekostet hat. Wie die „New York Times“ berichtet, haben Nike-Mitarbeiterinnen den Anstoß gegeben. Frustriert über das Arbeitsklima und darüber, dass sie bei Beförderungen immer wieder übergangen worden, haben sie eine geheime Umfrage im Unternehmen gestartet.

Die Umfrage zeigt ein Betriebsumfeld, dass das Arbeiten für Frauen schwer macht: Betriebsausflüge enden im Strip-Club. Vorgesetzte geben damit an, wie viele Kondome sie in der Tasche tragen und küssen Mitarbeiterinnen gegen ihren Willen. Vulgäre Bemerkungen über Brüste und andere Geschlechtsmerkmale sind an der Tagesordnung.

Frauen in Führungspositionen sind dagegen eine Seltenheit. Beschwerden bei der Personalabteilung liefen ins Leere. Der Firmen-Slogan „Just do it“ galt offensichtlich nur für Männer.

Für Nike ist der jüngste Skandal ein enormer Image-Schaden. Dem Management ist das Problem bewusst. Sogar die Personalchefin Monique Matheson räumte jüngst gegenüber den Mitarbeitern ein, Nike habe es nicht geschafft, mehr Frauen und Minderheiten einzustellen und zu befördern.

Doch auf Nachfrage der „New York Times“ teilte das Unternehmen mit, dass die Probleme „auf eine begrenzte Gruppe von Top-Managern“ beschränkt seien, „die sich gegenseitig geschützt und weggeschaut haben“.

Mit einem Börsenwert von 112 Milliarden Dollar und einem Umsatz von 36 Milliarden Dollar ist Nike immer noch ein Riese im Sportartikel-Markt. Aber in jüngster Zeit macht den Amerikanern die Konkurrenz von anderen zu schaffen. Adidas hat Nike zuletzt auf dem amerikanischen Heimatmarkt bei den Schuhen überholt.

Außerdem schwächelt Nike in einem der am schnellsten wachsenden Marktsegmente: Sportartikel für Frauen. Offensichtlich ist das frauenfeindliche Betriebsklima nicht nur schlecht fürs Image, sondern auch fürs Geschäft. 

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