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Galeria Karstadt Kaufhof Von wegen saniert

Die Warenhauskette Karstadt schreibt erneut hohe Verluste. Quelle: dpa

Karstadt wurde in den vergangenen Jahren als Turnaround-Kandidat gefeiert. Nun zeigt sich: Die Warenhauskette schreibt wieder hohe Verluste. Insider bezweifeln, dass dafür allein die Fusion mit Kaufhof verantwortlich ist.

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Allen Versprechen des Managements zum Trotz bleibt die wirtschaftliche Lage des fusionierten Warenhausunternehmens Galeria Karstadt Kaufhof angespannt. Allein Karstadt werde im Jahr 2019 einen Verlust von 78 Millionen Euro verzeichnen, sagte Unternehmenschef Stephan Fanderl in einem Interview. Mit Blick auf das gesamte Unternehmen zeichnet sich sogar ein Verlust in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrages ab.

„Wir haben viele verlustträchtige Einheiten früh im Jahr auf die Karstadt-Seite genommen und die Einsparungen eher auf der Kaufhof-Seite verbucht“, sagte Fanderl dem „Handelsblatt“. Intern wird die Aussage jedoch relativiert. Auch ohne Kaufhof und trotz jahrelanger Lohnzugeständnisse der Beschäftigten bleibe Karstadt ein Sanierungsfall, heißt es von Arbeitnehmervertretern.

Fanderl verweist dagegen auf Altlasten, die noch vom früheren Kaufhof-Eigner Hudson’s Bay Company stammen: Demnach summiere sich der Verlust der letzten vier Jahren bei Kaufhof auf insgesamt 600 Millionen Euro.

Noch im Januar soll der Gemeinschaftsbetrieb der ehemals konkurrierenden Häuser starten. In den kommenden Jahren sollen erhebliche Einspareffekte greifen, hofft man in Essen: Diese sollen bis 2022 durch Synergien bei rund 380 Millionen Euro liegen. „Bis 2023 werden wir eine Umsatzrendite von zwei bis drei Prozent erreichen“, verspricht Fanderl.

Ob das gelingt, scheint angesichts der bisherigen Performance indes fraglich. Zumal sich an den operativen Herausforderungen nichts geändert hat. Im Gegenteil: Der Abwanderung der Kunden ins Netz hat Kaufhof-Karstadt bislang wenig entgegen zu setzen. Während Onlinehändler wie Amazon und Zalando hohe Umsatzzuwächse verzeichnen, bröckelt das Geschäft in den Warenhäusern weiter ab. Mehr nach Kapitulation als nach Innovation klingen denn auch Pläne Fanderls, Warenhäuser zu sogenannten City-Hubs umzurüsten und in den Häusern nicht mehr nur Ware zu verkaufen, sondern zusätzlich Pakete zu verschicken. Handelsfläche in bester Innenstadtlage wird so zu schlichter Lagerfläche umfunktioniert.

Und auch das Kerngeschäft wird im kommenden Jahr kaum einfacher werden. Fanderl hat zwar mit der Gewerkschaft Verdi einen gemeinsamen Sanierungstarifvertrag für Kaufhof und Karstadt ausgehandelt. Zuvor hatten aber Streiks der Kaufhof-Mitarbeiter für Aufsehen und Umsatzverluste im Weihnachtsgeschäft gesorgt.

Noch wichtiger: Arbeitnehmervertreter berichten von einem teils erheblichen Personalmangel bei Kaufhof. Lücken gebe es demnach in der IT, bei Handwerkern und Haustechnik sowie teilweise im Verkauf. 

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