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Hanjin-Pleite Gefangen in der Flaute der Globalisierung

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"Hanjin hat hohe Außenstände bei uns"

Auch drei Wochen nach dem Aus ist längst nicht geklärt, was mit Schiffen, Ladung und Besatzungen geschieht. Mehrere Dutzend Pötte dümpeln auf hoher See, weil Häfen ihnen die Zufahrt verwehren und Hanjin verhindern will, dass Gläubiger die Schiffe beschlagnahmen. Auf denen lagert ein riesiger Schatz an Elektroartikeln, Mode und Autobauteilen, der nach und nach gehoben werden muss. Darunter befinden sich Produkte von Samsung, Siemens oder Nike.

Jene Schiffe, die bereits vor Anker lagen, als die Nachricht von der Insolvenz kam, haben Behörden und Eigner beschlagnahmt. Weitere liegen unter Embargo, weil sie die Gebühren für die Abfertigung nicht bezahlen können. Die sind zwar im Falle der Hanjin Europe offenbar inzwischen bezahlt worden, so dass der Frachter am späten Freitagabend noch auslaufen konnte – mit zunächst unbekanntem Ziel.

Es gilt jedoch als unwahrscheinlich, dass das Schiff wie geplant nach Rotterdam weiterfährt, denn in Hamburg hatte Terminalbetreiber Eurogate die Container komplett von Bord geholt. Kunden können ihre Bestellung abholen, wenn sie die entstandenen Kosten von rund 500 Euro pro Container übernehmen und sich verpflichten, die Behälter zurückzubringen.

Eurogate versucht zu retten, was zu retten ist, die Pleite der südkoreanischen Reederei trifft den Hafenbetreiber hart. Hanjin zählte zu den wichtigsten Kunden des Unternehmens. Mittlerweile stehe bei Eurogate ein hoher zweistelliger Millionenbetrag von Hanjin offen, heißt es in Hafenkreisen. „Es ist richtig, dass Hanjin hohe Außenstände bei uns hat. Über einen genauen Betrag geben wir keine Auskunft“, sagt eine Sprecherin.

Bei einem Umsatz von rund 650 Millionen Euro ist das nicht leicht zu verkraften. Die Abfahrt des Containerfrachters ist dabei nur die halbe Lösung. Denn die mittlerweile abgeladenen Container verstopfen das Hafengelände. Zwar hat ein Teil der Kunden seine Ladung bereits abgeholt – doch nicht jeder ist bereit, dafür teils doppelt so hohe Beträge zu zahlen wie vorgesehen.

Das Schiff selbst versperrte viel länger als geplant den Liegeplatz für andere Frachter. „Das ist eine erhebliche Beeinträchtigung“, sagt der auf Schifffahrt spezialisierte Berater Jan Ninnemann. Mehrere Hundertausend Euro pro Woche kostete der Stopp des Frachters, schätzt ein Hafenkenner.

Um das Schiff loszuwerden, hatte Eurogate daher Hanjin angeboten, das Schiff nach Wilhelmshaven umzuleiten. Dort betreibt Eurogate ein Terminal im erst vor wenigen Jahren eingeweihten Jade-Weser-Port, an dem im Gegensatz zu Hamburg wenig Betrieb herrscht. Doch das Angebot habe Hanjin abgelehnt, bestätigt eine Sprecherin von Eurogate.

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