Insolvente Warenhauskette: Ein bisschen Geld von Galeria
Lieferanten, Vermieter und andere Geschäftspartner haben in den vergangenen Jahren auf Milliardenbeträge verzichtet, damit es für Galeria weitergeht
Foto: dpaDer Insolvenzverwalter fand warme Worte: „Ich danke Ihnen, dass Sie auch nach Insolvenzantragstellung die Geschäftsbeziehung aufrechterhalten und die Betriebsfortführung damit unterstützt haben“, schrieb Stefan Denkhaus, Insolvenzverwalter von Galeria Karstadt Kaufhof, vor einigen Wochen an Lieferanten der Warenhauskette. Etwas Anerkennung, immerhin.
Wesentlich mehr dürfte für die Gläubiger allerdings auch kaum herausspringen: In zwei Insolvenzverfahren haben Lieferanten, Vermieter und andere Geschäftspartner bereits auf Milliardenbeträge verzichtet, damit es für die Warenhauskette weitergeht. Und auch die nunmehr dritte Galeria-Pleite führt für Gläubiger, die nicht gesondert abgesichert sind, zum Großverlust: Nur 2,5 bis drei Prozent ihrer Forderungen wird Insolvenzverwalter Denkhaus begleichen können. Zahlungen aus Ansprüchen gegen den früheren Mutterkonzern Signa könnten später noch dazukommen und die Insolvenzquote erhöhen. Doch das dürfte dauern.
Für den größten Galeria-Einzelgläubiger, den staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), sieht die Rechnung etwas anders aus: Der WSF hatte Galeria trotz aller Warnungen in den Coronajahren 2021 und 2022 mit insgesamt 650 Millionen Euro gestützt. 250 Millionen davon als Stille Einlage, der Rest als Nachrangdarlehen. Die Stille Einlage des WSF muss aufgrund ihres „Eigenkapitalcharakters“ schon bei der Schutzschirminsolvenz Ende 2022 komplett abgeschrieben werden. „Das Nachrangdarlehen wird seither in Höhe von 88 Mio. Euro fortgeführt“, teilt eine Sprecherin der für den WSF zuständigen Finanzagentur auf Anfrage mit. „Im Rahmen des aktuellen Insolvenzverfahrens ist der WSF in Hinblick auf diese stehengebliebenen 88 Mio. Euro Gläubiger“, bestätigt die Sprecherin.
Der WSF habe im Hinblick auf diese 88 Millionen Euro im letzten Jahr aber neue Sicherheiten vereinbart und verfügen nun über „vorrangige Absonderungsrechte aus der Masse“. Dem Vernehmen nach wurde ein Teil des Warenbestands als Sicherheit verpfändet. Mit den Erlösen aus dem Verkauf werden demnach zuerst die Schulden beim WSF beglichen. „Der Insolvenzplan geht davon aus, dass die Forderungen des WSF vor Aufhebung der Insolvenz vollständig erfüllt werden und daher keine weiteren Ausfälle durch die neue Insolvenz erleiden wird“, teilt die Finanzagentur mit.
Insgesamt bleiben die Staatshilfen an Galeria allerdings ein finanzielles Debakel. Neben den erwarteten 88 Millionen Euro kann der WSF nur darauf hoffen, dass der Verkauf der belgischen Warenhauskette Inno einen ordentlichen Betrag bringt. Der Galeria-Ableger war einst an den WSF verpfändet worden, ebenso wie Hood Media, die Betreiberin eines Onlinemarktplatzes und Markenrechte des Unternehmens. Für deren Nutzung soll Galeria Beträge in Höhe von mehr als 7,5 Millionen Euro überwiesen haben, hinzu kommen Zinszahlungen. Am Ende dürfte der WSF mit seinem Galeria-Engagement aber wohl dennoch rund 400 bis 500 Millionen Euro verlieren.
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