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Konzernkreise Deutsche Bahn hat offenbar bis Mai 1,2 Milliarden Euro Verlust gemacht

Die Deutsche Bahn soll allein in den ersten fünf Monaten einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro eingefahren haben. 2020 wird keine Besserung erwartet.

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Die Deutsche Bahn hatte schon vor der Coronakrise mit erheblichen Problemen zu kämpfen und musste 2019 mehrmals die Gewinnziele nach unten drücken. Quelle: dpa

Die Deutsche Bahn hat Konzernkreisen zufolge in der Coronakrise schon einen Milliardenverlust eingefahren und erwartet dieses Jahr auch keine grundlegende Besserung mehr. Allein in den ersten fünf Monaten habe der Betriebsverlust 1,2 Milliarden Euro betragen, sagten mit den Zahlen vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Vor Corona war ein Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 400 Millionen Euro angepeilt worden, zwischenzeitlich hatte der Staatskonzern den Kreisen zufolge wegen der Pandemie mit noch schlechteren Zahlen gerechnet, da man auch im Mai von einem weitgehenden Lockdown ausgegangen war.

So liege der Verlust nun um eine halbe Milliarde Euro niedriger als damals befürchtet. Dennoch stiegen die Schulden auf über 27 Milliarden Euro und damit um zwei Milliarden Euro mehr als geplant. Eine Bahn-Sprecherin wollte sich zu den Angaben nicht äußern.

Der Konzern rechne in diesem Jahr mit keiner grundlegenden Erholung mehr und erwarte den größten Verlust seiner Geschichte, sagte ein Konzernvertreter. Besonders angespannt sei die Lage beim Personenverkehr. Die Güterbahn halte sich vergleichsweise gut. Die Bundesregierung hatte darauf gedrungen, dass die Bahn trotz des Einbruches bei den Passagierzahlen um bis zu 90 Prozent und eines Rückgangs im Güterverkehr in der Coronakrise mehr als 80 Prozent ihrer Kapazitäten fährt.

Der sogenannte Systemverbund Bahn - in dem das Inlandsgeschäft gebündelt ist - rutschte den Angaben zufolge so besonders im April tief in die Verlustzone und verfehlte das für den Monat einmal angepeilte Ergebnis um 700 Millionen Euro. Im Mai habe es eine Besserung gegeben, die sich auch im Juni fortgesetzt habe, sagten die Konzernvertreter.

Kapitalspritze vom Bund

Dennoch produziere der Konzern in Deutschland wohl auch in kommenden Monaten jeweils dreistellige Millionen-Verluste. Der Umsatz in den ersten fünf Monaten habe im Systemverbund mit 7,6 Milliarden Euro etwa 16 Prozent unter Vorjahr gelegen.

Besser lief es bei den Auslandstöchtern, besonders bei der internationalen Spedition Schenker, sagte ein Konzernvertreter. Schenker bewege sich beim Gewinn sogar im Rahmen der Planungen - unter anderem wegen des boomenden Luftfracht-Geschäfts in der Coronakrise. Allerdings sei zweifelhaft, ob sich dies bis Ende des Jahres fortsetze.

Die Deutsche Bahn hatte schon vor der Coronakrise mit erheblichen Problemen zu kämpfen und musste 2019 mehrmals die Gewinnziele nach unten drücken. Am Ende machte man noch knapp zwei Milliarden Euro Gewinn. Für 2020 wurde damals die Messlatte mit 1,3 Milliarden Euro deutlich niedriger gelegt.

Die Bundesregierung will dem Konzern unter anderem mit einer Kapitalspritze von fünf Milliarden Euro helfen, damit das Unternehmen weiter investieren und die Passagier- und Güterzahlen in den nächsten Jahren auch aus Klimaschutzgründen steigern kann. Zudem wurde der einst beschlossene Schuldendeckel von 25 Milliarden Euro aufgehoben, mit dem die Bahn zu mehr Wirtschaftlichkeit gezwungen werden sollte. Der Konzern will auch weiter im großen Stil Personal einstellen. Allerdings werden jetzt Gespräche geführt, wie etwa über den Verzicht auf Gehaltssteigerungen das Unternehmen bis 2024 rund zwei Milliarden Euro sparen kann.

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