Metro-Hauptversammlung Weniger Ablenkung durch Aufspaltung

Auf der Hauptversammlung stimmen die Metro-Aktionäre über die Aufspaltung des Konzerns in zwei eigenständige Handelsgruppen ab. Zweifler befürchten, das reiche nicht. Gelingt Metro-Chef Olaf Koch der teure Radikalumbau?

Metro-Hauptversammlung in Düsseldorf. Quelle: dpa

Es war mehr Scherbengericht denn Hauptversammlung. Als Olaf Koch 2012 erstmals als Metro-Chef in Düsseldorf vor seine Aktionäre trat, machten die aus ihrem Unmut keinen Hehl. Das Vertrauen der Investoren sei weg, Metro zum "bloßen Ankündigungsweltmeister" geworden und der Aktienkurs kollabiert, monierten die aufgebrachten Anteilseigner.

"Die Metro Group steckt in einem großen Umbruch", erklärte Koch damals.

Weniger Monate vor dem Aktionärstreffen hatte er den Chefposten in Düsseldorf nach allerlei Personalquerelen von Eckhard Cordes übernommen und dem Unternehmen eine neue Strategie verordnet: Weg vom Mantra des Wachstums um jeden Preis und globalen Expansionsgelüsten. Hin zu einer stärkeren Kundenorientierung und einer Steigerung der Kosteneffizienz.

Warum die Metro sich aufspaltet

Fünf Jahre sind seither vergangen. Doch von großer Euphorie war auch bei der heutigen Hauptversammlung in der Düsseldorfer Stadthalle wenig zu spüren. Stattdessen: höflicher Applaus, eine Reihe kritischer Nachfragen und lautstarke Störmanöver.

Koch will den Elektrohandel von den Lebensmitteln trennen

Denn Koch präsentierte seinen Aktionären einen tiefgreifenden Umbauplan: die Aufspaltung des Konzerns in einen Lebensmittelspezialisten und in die Elektronikhandelsholding Ceconomy mit den Flaggschiffen Media Markt und Saturn. Erhält Koch bei der heutigen Hauptversammlung die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit für seine Pläne, wird der Lebensmittelhandel rund um die Metro-Großmärkte und die SB-Warenhauskette Real im Sommer abgetrennt. Auch das Immobilienvermögen der Metro wird dort gebündelt.

So entsteht ein Unternehmen mit rund 37 Milliarden Euro Jahresumsatz und mehr als 150.000 Mitarbeitern in 35 Ländern. Die Anteilseigner der "alten" Metro sollen Aktien dieser neuen Gesellschaft erhalten. Das Zuteilungsverhältnis beträgt 1:1 – für jede Metro-Stammaktie gibt es also eine Stammaktie des Lebensmittelhändlers.

Die Aktionäre hätten die Möglichkeit, "eine vollkommen neue Episode" in der Unternehmensgeschichte zu starten, warb Koch um die Zustimmung der Aktionäre für die Trennung. Die beiden Unternehmensteile würden durch die Trennung besser und schneller werden, versprach der Manager. Denn für beide Gesellschaften werde es "weniger Ablenkung durch eine gemeinsame Konzernstruktur geben, die keine Synergien geboten hat."

Den Auftakt der Fragerunde machte Alexander Elsmann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), der den "Transformationsmarathon" der vergangen Jahre rügte. Schließlich sei Metro in Sachen Wachstum und Marge trotz allen Umbaus nicht vorangekommen. Auch die nun eingeleitete Aufspaltung allein würde nicht ausreichen, um das Geschäft in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Dennoch unterstütze er den Schritt.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

Vor allem die Entwicklung der SB-Warenhaustochter Real sei "alles andere als ein Brüller", kritisierte Jella Benner-Heinacher, Vertreterin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch die mit der Aufspaltung verbundenen Kosten von rund 100 Millionen Euro knöpften sich mehrere Redner vor. Der Kölner Investor Karl-Walter Freitag sprach gar von einem Vergütungs- und Gebührenschlachtfest. Auch sonst fand Freitag, der dank seiner Auftritte bei Hauptversammlungen auch als „Vorstandsschreck“ bekannt ist, deutliche Worte. Die Aktienkursentwicklung von Metro sei "so spannend wie Opel-Fahren", der Kurs stehe dort, wo er schon vor 20 Jahren stand. Insgesamt sei die Performance mit dem Prädikat "nicht ausreichend" noch sehr lobend beschrieben.

Rund 50 Minuten machte Freitag in ähnlicher Manier weiter und teilte lautstark und nach Kräften aus, bevor ihn Metro-Aufsichtsratschef Jürgen Steinemann stoppte. Bei der Beantwortung der Fragen setzte Freitag wiederum mit Zwischenrufen nach. "Ich lese jetzt vor und Sie hören zu", entgegnete Koch leicht gereizt. Gut möglich, dass das Fragefeuerwerk der Vorbereitung sogenannter Anfechtungsklagen dient. Das Ziel: die Aufspaltung zu verhindern oder zumindest zu verzögern und damit den Druck auf das Management zu erhöhen. Derlei juristische Manöver sind ohnehin absehbar.

So berichtet das "Manager Magazin", Media-Saturn-Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals habe bereits eine Anfechtungsklage vorbereitet, sollten die Metro-Aktionäre den Spaltungsplänen zustimmen. Davon ist auszugehen. Die Großaktionäre der Metro hatten sich bereits vor dem Treffen für die Aufspaltung ausgesprochen. Koch kann also auf die Unterstützung der wichtigsten Anteilseigner bauen, wenn es in den nächsten Stunden zur Abstimmung kommt.

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