Preisfrage: Wie sich der Preis von Laufschuhen zusammensetzt
Die Preise für Laufschuhe sind in den vergangenen Jahren stetig angestiegen. Mittlerweile kosten viele der Markenschuhe um die 200 Euro, Wettkampfschuhe sogar um die 300 Euro. Doch das liegt nicht zwingend daran, dass Unternehmen sich die Trendsportart Laufen zunutze machen, um mehr Profite herauszuschlagen. Tatsächlich ist der größte Kostenpunkt der Einzelhandel, der 50 Prozent der Kosten ausmacht. Darin enthalten ist auch die Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf den Endpreis, die vom Händler getragen wird. Gefolgt wird der Kostenpunkt von den Produktionskosten mit 25 Prozent.
Sportmarken wie Nike stehen immer wieder in der Kritik, günstig hergestellte Produkte überteuert zu verkaufen. In der Realität fallen jedoch verschiedene Faktoren in die Preisgestaltung, darunter gerade bei innovativen Wettkampfschuhen Forschungs- und Materialkosten.
In hochwertigen Laufschuhen verarbeiten Hersteller häufig eine Vielzahl von Materialien. Nike selbst gibt an, dass ein Schuh des Herstellers aus 23 Komponenten besteht. Eine Besonderheit bei dem Wettkampfmodel Alphafly: Der Schuh enthält eine Carbonfaserplatte, die zwischen Schaumstoff und Zwischensohle eingeschlossen ist. Und aufgrund derer der Schuh direkt um die 100 Euro mehr kostet als andere Laufschuhe der Marke, nämlich insgesamt 309,99 Euro. Gleichzeitig halten Carbonschuhe nicht so lange wie vergleichbare Schuhe, denn die Sohle ist empfindlicher, verformt sich schneller und verliert damit die federnde Funktion.
Ein neues Geschäftsmodell des Schweizer Herstellers On ist deshalb, Laufschuhe direkt im Abonnement anzubieten. Für 30 Euro im Monat können Kunden einen von drei Schuhen auswählen. Nach normaler Abnutzungsdauer wird das alte Paar recycelt und das Unternehmen sendet ein neues zu. „Ähnlich wie Musik“, heißt es im Werbeslogan. Für Vielnutzer könnte sich das preislich sogar lohnen, für den Hobbyläufer vermutlich nicht. Für das Unternehmen dagegen ist diese Option ideal, um Kapazitäten zu planen. Die drei verfügbaren Schuhmodelle gibt es nämlich ausschließlich im Abo.
So haben sich die Preise entwickelt
Der Nike Alphafly stößt an das obere Limit von Laufschuhpreisen. Zumindest für den Moment. Denn die Preise sind in den vergangenen Jahren angestiegen – und die Schuhmarken bringen immer wieder neue Modelle heraus. Gerade wenn mit bestimmten Schuhen Weltrekorde gelaufen werden, können Marken das für sich und ihre Preisgestaltung nutzen.
Der Umsatz von Unternehmen mit Laufschuhen ist ebenfalls gestiegen. Seit der Pandemie von 186 auf 264 Millionen Euro im Jahr 2024. Die Prognose für 2030 ist ein Anstieg auf 334 Millionen. Dafür verantwortlich ist der Boom bei der Sportart selbst. In der Pandemie konnten Sportler und Sportlerinnen kaum anderen Sportarten nachgehen. In Folge haben viele das Laufen für sich entdeckt. Gleichzeitig nehmen immer mehr Menschen an Sportevents teil, wollen Bestzeiten laufen, und geben vielleicht auch mal ein bisschen Geld für einen Wettkampfschuh aus.
Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals im Juli 2025 bei der WirtschaftsWoche. Wir zeigen ihn aufgrund des Leserinteresses erneut.