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Olivenöl Warum ein gutes Olivenöl 10 Euro kosten muss

Die Stiftung Warentest hat Olivenöle getestet - die Hälfte war mangelhaft. Wer gutes Öl sucht, findet es immer häufiger aus Übersee und selten in traditionellen Ölmühlen mit Steinmahlwerken.

Für gutes Olivenöl muss der Kunde Abschied nehmen. Abschied von romantischen Vorstellungen. Abschied vom Glauben an Etiketten. Abschied von der Überzeugung, Qualität ohne großes Lernen erschmecken zu können. Abschied von der Annahme, er könne für weniger als 10 Euro pro 0,5 Liter ein gutes Olivenöl kaufen. Gute Qualität hat ihren Preis. Gute Qualität ist selten. Sie zu erkennen ist Übungssache. Ist es trübe, wird es schneller schlecht. Und wenn es nicht im Hals kratzt, dann fehlt etwas. Aber was ist gutes Öl?
Die Stiftung Warentest hat in ihrer Februarausgabe 26 Olivenöle getestet. Einige von Discountern, andere aus dem Supermarkt. 13 davon erhielten die Note Mangelhaft. Ein "Sehr Gut" wurde nicht vergeben, gut war nur einziges. Es kam aus Spanien und kostet rund 40 Euro pro Liter. Einige Öle waren falsch deklariert, fielen in der sensorischen Prüfung durch oder enthielten gar Mineralöl - was in einem Falle beispielsweise der geschmacklichen Note aber gar keinen Abbruch tat. Andere Öle erhielten Abwertungen, die nicht mit der Qualität des Produktes in der Flasche zu tun hatten. Lesern bleibt ein genaues Studium der Bewertungstabellen nicht erspart.

Fragen zum Olivenöl


Andreas März ist Autor und schreibt in seiner Zeitschrift Merum seit Jahren über die Fallstricke der Olivenölproduktion. „Die meisten Öle sind schlecht“, zieht März Fazit aus seinen Recherchen, die er nun zum fünften Mal in seinem „Dossier Olivenöl“ veröffentlicht hat.
Die Ursachen sind vielfältig. Sie beginnen beim Produzenten, der oft mit hübscher aber überholter Technik und Methoden arbeitet und enden beim Verbraucher, der das Ideal der kleinen handwerklichen Betriebe herbeisehnt, wenn eine moderne Knetwerktechnik doch viel besser ist. Eines steht fest: Ein italienisches Olivenöl, das für unter 5 Euro der halbe Liter im Supermarkt verkauft wird, ist entweder nicht aus italienischen Oliven, kein „Natives Extra Vergine“, also der höchsten Qualitätsstufe oder sehr fehlerhaft.

Olivenöle in der Bewertung von Stiftung Warentest

Die Zeitschrift „Der Feinschmecker“ testet jährlich für ihren Olivenöltest rund 700 Öle in der Endrunde seines Olio Awards. Sie hat den Rechenschieber bemüht und ausgerechnet, dass ein Olivenöl aus italienischen Oliven, das in Italien sachgerecht verarbeitet wird einen „Endpreis zwischen acht und zwölf Euro pro Halbliterflasche“ kosten muss. Die Kosten setzen sich aus Pflege des Hains, Mitarbeiter, Transportkosten, Abfüllen, Etiketten zusammen, die am Ausgang einer Ölmühle sich bei etwa acht Liter zusammenrechnen. Erst danach kommen die Aufschläge für den Handel dazu.
Oft sind es ausgerechnet die Produzenten, die dem im Weg stehen. „Der Bauer ist überzeugt, sein Öl sei gut, weil er seine Olivenbäume ein Jahr lang gepflegt hat und glaubt, sein ehrlicher Schweiß allein sei Garantie für Qualität“, sagt März. Conrad Bölicke versucht mit seinem Unternehmen Artefakt seit 18 Jahren Produzenten dazu zu bringen, weiter zu denken. „Qualität beginnt im Kopf“, sagt Bölicke, der die Ernte seiner Olivenbauern vollständig vermarktet, Geld für Investitionen in Technik bereitstellt und in Schulungen die Olivenbauern mit dem nötigen Know-How ausstattet. Die meisten Öle werden in kleinbäuerlichen Strukturen produziert.

Zum einen fehlt das Geld, seine Produktion an moderne Standards anzupassen. Zum anderen ist gerade in dieser Klientel Veränderung das größte Problem. Die Tradition der Herstellung wird hoch gehalten. Was früher gut war, kann heute nicht schlecht sein. Ist es aber für die Olive. Die wunderbaren Fotos von großen Steinmühlen, die gemächlich durch den Brei aus Oliven rollen, mögen die romantische Sucht des Großstädters nach heilem Leben auf dem Land und handwerklicher Produktion befriedigen. Gutes Öl mit wenig Fehlern wird anders hergestellt.

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