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Pieter Haas Wie sich MediaMarkt und Saturn gegen Amazon wehren

MediaMarkt-Saturn-Chef Pieter Haas gibt sich kämpferisch: Er spricht über das Comeback stationärer Läden und seinen Fahrplan für die Aufspaltung des Metro-Konzerns.

Das Metro-Reich wird geteilt
Die doppelte MetroDer Handelskonzern Metro spaltet sich in zwei Teile – einen Händler für Unterhaltungselektronik unter dem neuen Namen Ceconomy mit 22 Milliarden Euro Umsatz und den Bereich Großhandel und Lebensmittel mit einem Umsatz von 37 Milliarden Euro, der weiter unter dem Namen Metro auftritt. Beide neuen Unternehmen werden an der Börse notiert. Quelle: dpa
Koch bleibt an der Spitze Quelle: dpa
Anleger erhalten neue Aktien Quelle: dpa
Großhandel und Lebensmittel Quelle: dpa
Fokus auf den Lieferdienst Quelle: dpa
Real-Märkte Quelle: dpa
Peter Haas führt Ceconomy Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Haas, Sie schocken Ihr Publikum bei Vorträgen gern mit dem Bild eines Totenkopfs und der frohen Nachricht: ‚Der traditionelle Handel ist tot‘.
Pieter Haas: Moment, die Präsentation gibt es nicht mehr. Sie stammte aus einer Zeit, als alle Welt glaubte, dass bald nur noch online bestellt wird und Läden vom Aussterben bedroht sind. Wir waren in der öffentlichen Wahrnehmung damals noch die Truppe, die den Einstieg ins Online-Geschäft verschlafen hatte.

Und jetzt lautet Ihr Motto: Hurra, wir sind aufgewacht und leben noch?
Wir sind spät gestartet, haben aber längst aufgeholt. Online erzielen wir inzwischen rund zwei Milliarden Euro Umsatz und wachsen zweistellig. Aber auch der Blick auf die Märkte hat sich gedreht. Plötzlich wollen selbst Internet-Konzerne wie Amazon und Zalando Läden eröffnen. Filialen werden wieder als Wert gesehen.

Zur Person

Wie viele neue Märkte planen Sie denn in den kommenden Jahren?
Netto werden wir pro Jahr rund zehn bis zwanzig neue Standorte eröffnen. Anders als früher setzen wir aber nicht mehr auf ein festgelegtes Einheitsformat.

Der Unternehmenschef Pieter Haas der Elektrokette, Pieter Haas, will den Streit mit Gesellschafter Erich Kellerhals endlich beerdigen. Quelle: Presse

Sondern?
Wir experimentieren mit kleineren Flächen, die eine überschaubare Anzahl an Produkten bieten. In Ungarn läuft zum Beispiel ein Pilotprojekt mit dem britischen Händler Tesco. Wir haben dort in zwei Märkten die Elektronikabteilung übernommen. Das funktioniert so gut, dass wir den Testlauf auf andere Standorte ausweiten. Tesco betreibt Hunderte Läden weltweit. Das könnte für uns eine neue Wachstumsquelle werden. Das zeigt, dass das stationäre Geschäft trotz Online-Wachstums für uns sogar noch an Bedeutung gewinnen kann.

Woran liegt das?
Ich glaube, die meisten Menschen haben inzwischen verstanden, dass die Welt nicht komplett digital werden wird. Die Kunden wollen eine Kombination zwischen Online- und Offline-Angeboten. Zugleich steigt der Bedarf, die beiden Welten in Einklang zu bringen. Wir sind nicht mehr nur Computer- oder Fernsehhändler, sondern müssen dafür sorgen, dass unsere Kunden ein problemloses digitales Leben führen können.

Die deutschen Einzelhandelsriesen

Das klingt wie einer Ihrer Werbeclaims. Welche Probleme sollen das denn sein?
Ein Beispiel: Wenn es ihr Wunsch ist, in der Badewanne Musik per Streamingdienst zu hören, wäre es vor dem Kauf einer teuren Anlage sicherlich sinnvoll, zu checken, ob die Internetbandbreite dafür überhaupt ausreicht. Wer macht das für Sie? Wir haben uns mehrheitlich an der Deutschen Technikberatung beteiligt, einem Start-up, das Technikspezialisten direkt zum Kunden nach Hause schickt. Innerhalb der kommenden zwölf Monate werden unsere Kunden über jeden deutschen Saturn- und jeden Media Markt ihren Berater anfordern können. Da sind wir jetzt gut aufgestellt.

Wenn die Richtung stimmt, warum wird sich ihr Mutterkonzern Metro dann aufspalten? Sie steuern dann den Elektronikhändler Ceconomy, wozu MediaMarkt-Saturn gehört. Das Lebensmittelgeschäft wird ausgegliedert.
Das Lebensmittel- und das Elektronikgeschäft hatten in Wahrheit nie viele Gemeinsamkeiten. Wir glauben, dass beide Unternehmen getrennt voneinander viel bessere Wege gehen können.

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