Pieter Haas: Wie sich MediaMarkt und Saturn gegen Amazon wehren
Die doppelte Metro
Der Handelskonzern Metro spaltet sich in zwei Teile – einen Händler für Unterhaltungselektronik unter dem neuen Namen Ceconomy mit 22 Milliarden Euro Umsatz und den Bereich Großhandel und Lebensmittel mit einem Umsatz von 37 Milliarden Euro, der weiter unter dem Namen Metro auftritt. Beide neuen Unternehmen werden an der Börse notiert.
Foto: dpaKoch bleibt an der Spitze
Die neue Metro wird in ein separates Unternehmen abgespalten, geführt vom bisherigen Vorstandschef Olaf Koch. Er ist bereits seit Januar 2012 Metro-Chef, zuvor war er drei Jahre lang Finanzchef
Foto: dpaAnleger erhalten neue Aktien
Für die neue Metro AG peilt der Konzern eine Börsenbewertung von etwa 7,5 Milliarden Euro an. Jeder bisherige Metro-Aktionär soll jeweils eine Aktie der neuen Metro und der Ceconomy AG erhalten. Die Aktien sind ab Oktober 2016 dividendenberechtigt. Beide neuen Aktiengesellschaften sollen die Kriterien für eine Notierung im MDax erfüllen.
Foto: dpaGroßhandel und Lebensmittel
Das Ziel im Bereich Großhandel und Lebensmittel ist, bei einem geplanten Wachstum von drei Prozent die Gewinnmarge (Ebitda) stabil bei 4,9 Prozent zu halten – im Handel durchaus ein respektabler Wert. Das Unternehmen ist mit einem Umsatzanteil von 87 Prozent sehr stark auf Europa konzentriert. Problematisch ist auch das Geschäft in Russland und der Türkei, das zwar operativ gut läuft, aber stark unter dem Währungskurs leidet.
Foto: dpaFokus auf den Lieferdienst
Im Großhandel, wo Metro europäischer Marktführer ist, setzt der Händler zunehmend auf den profitableren Lieferdienst und verkleinert die Märkte. Gerade erst hat das Unternehmen die Übernahme des französischen Unternehmens Pro à Pro abgeschlossen, das Lebensmittel an Kantinen und Restaurants liefert. In Asien hat sich Metro vor kurzem mit dem Kauf des Lieferdienstes Classic Fine Foods verstärkt.
Foto: dpaReal-Märkte
Die größte Baustelle der neuen Metro ist die Supermarktkette Real. Im vergangenen Jahr ging der Umsatz erneut flächenbereinigt um 1,1 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro zurück, immerhin konnte im Gegensatz zum Jahr zuvor ein kleiner Gewinn erzielt werden. Hoffnungen setzt das Unternehmen auf das neue Markthallen-Konzept, das erstmals in Krefeld gezeigt wird. Dort ergänzt ein großes Angebot an hochwertiger Gastronomie den Supermarkt.
Foto: dpaPeter Haas führt Ceconomy
Die bisherige Metro AG wird in Ceconomy umbenannt. In ihr bleibt unter der Leitung von CEO Pieter Haas im Wesentlichen das Geschäft der beiden Handelsketten Media Markt und Saturn mit mehr als 1000 Märkten in neun europäischen Ländern.
Foto: dpaRoboter für Media Markt
Gerade in den Media Märkten setzt das Unternehmen sehr stark auf neue Technologien und innovative Ideen. So werden in Tests Roboter eingesetzt, die Kunden im Geschäft begrüßen oder Päckchen ausliefern. Künftig wird das Unternehmen auch Elektrogeräte nicht nur verkaufen, sondern auch vermieten.
Foto: REUTERSredcoon
Nachdem Media-Saturn lange das Onlinegeschäft verschlafen hatte, kaufte es 2011 den Onlinehändler Redcoon. Doch mittlerweile hat sich die Situation umgedreht: Redcoon schwächelt und wird schleichend abgewickelt, während der E-Commerce unter den Marken Media Markt und Saturn hohe Wachstumsraten zeigt.
Foto: dpaErich Kellerhals
Hemmschuh bei Media-Saturn war bisher der Zwist mit Minderheitseigentümer Erich Kellerhals, der zwar nur gut ein Fünftel am Unternehmen hält, aber weitgehende Vetorechte hat. Unter dem Dach der neuen Ceconomy wird das Unternehmen neue Geschäftsbereiche außerhalb von Media-Saturn ansiedeln, was den Einfluss von Kellerhals mindern dürfte.
Foto: dpaWirtschaftsWoche: Herr Haas, Sie schocken Ihr Publikum bei Vorträgen gern mit dem Bild eines Totenkopfs und der frohen Nachricht: ‚Der traditionelle Handel ist tot‘.
Pieter Haas: Moment, die Präsentation gibt es nicht mehr. Sie stammte aus einer Zeit, als alle Welt glaubte, dass bald nur noch online bestellt wird und Läden vom Aussterben bedroht sind. Wir waren in der öffentlichen Wahrnehmung damals noch die Truppe, die den Einstieg ins Online-Geschäft verschlafen hatte.
Und jetzt lautet Ihr Motto: Hurra, wir sind aufgewacht und leben noch?
Wir sind spät gestartet, haben aber längst aufgeholt. Online erzielen wir inzwischen rund zwei Milliarden Euro Umsatz und wachsen zweistellig. Aber auch der Blick auf die Märkte hat sich gedreht. Plötzlich wollen selbst Internet-Konzerne wie Amazon und Zalando Läden eröffnen. Filialen werden wieder als Wert gesehen.
Wie viele neue Märkte planen Sie denn in den kommenden Jahren?
Netto werden wir pro Jahr rund zehn bis zwanzig neue Standorte eröffnen. Anders als früher setzen wir aber nicht mehr auf ein festgelegtes Einheitsformat.
Der Unternehmenschef Pieter Haas der Elektrokette, Pieter Haas, will den Streit mit Gesellschafter Erich Kellerhals endlich beerdigen.
Foto: Presse
Sondern?
Wir experimentieren mit kleineren Flächen, die eine überschaubare Anzahl an Produkten bieten. In Ungarn läuft zum Beispiel ein Pilotprojekt mit dem britischen Händler Tesco. Wir haben dort in zwei Märkten die Elektronikabteilung übernommen. Das funktioniert so gut, dass wir den Testlauf auf andere Standorte ausweiten. Tesco betreibt Hunderte Läden weltweit. Das könnte für uns eine neue Wachstumsquelle werden. Das zeigt, dass das stationäre Geschäft trotz Online-Wachstums für uns sogar noch an Bedeutung gewinnen kann.
Woran liegt das?
Ich glaube, die meisten Menschen haben inzwischen verstanden, dass die Welt nicht komplett digital werden wird. Die Kunden wollen eine Kombination zwischen Online- und Offline-Angeboten. Zugleich steigt der Bedarf, die beiden Welten in Einklang zu bringen. Wir sind nicht mehr nur Computer- oder Fernsehhändler, sondern müssen dafür sorgen, dass unsere Kunden ein problemloses digitales Leben führen können.
Das klingt wie einer Ihrer Werbeclaims. Welche Probleme sollen das denn sein?
Ein Beispiel: Wenn es ihr Wunsch ist, in der Badewanne Musik per Streamingdienst zu hören, wäre es vor dem Kauf einer teuren Anlage sicherlich sinnvoll, zu checken, ob die Internetbandbreite dafür überhaupt ausreicht. Wer macht das für Sie? Wir haben uns mehrheitlich an der Deutschen Technikberatung beteiligt, einem Start-up, das Technikspezialisten direkt zum Kunden nach Hause schickt. Innerhalb der kommenden zwölf Monate werden unsere Kunden über jeden deutschen Saturn- und jeden Media Markt ihren Berater anfordern können. Da sind wir jetzt gut aufgestellt.
Wenn die Richtung stimmt, warum wird sich ihr Mutterkonzern Metro dann aufspalten? Sie steuern dann den Elektronikhändler Ceconomy, wozu MediaMarkt-Saturn gehört. Das Lebensmittelgeschäft wird ausgegliedert.
Das Lebensmittel- und das Elektronikgeschäft hatten in Wahrheit nie viele Gemeinsamkeiten. Wir glauben, dass beide Unternehmen getrennt voneinander viel bessere Wege gehen können.
Warum?
In Zukunft können beide Unternehmen alle Kräfte auf ihre jeweilige strategische Ausrichtung konzentrieren und müssen sich nicht um die Themen des anderen kümmern. Das war ja auch ein wesentlicher Grund für den Demerger. Wir können frei entscheiden. Es ist ein bisschen so, wie beim Auszug aus dem Elternhaus. Wir haben uns lange darauf vorbereitet. Jetzt sind wir volljährig. Es ist Zeit auszuziehen.
Welchen Preis peilen Sie für Ceconomy an?
In den ersten Tagen wird da viel Dynamik drin sein. Es wird Investoren geben, die bisher Metro-Aktien halten, weil sie das Lebensmittelgeschäft spannend finden. Die werden vielleicht Ceconomy-Anteile verkaufen. Es wird Investoren wie Indexfonds geben, die aufgrund ihres Geschäftsmodells möglicherweise eher verkaufen werden. Aber natürlich gehe ich davon aus, dass auch viele Anleger bei uns einsteigen. Ziel ist es, dass mittelfristig nach dem Listing die beiden Aktien zusammen wertvoller sind als vorher.
Dabei würde eine Lösung im Streit mit Erich Kellerhals, ihrem Minderheitsgesellschafter bei MediaMarktSaturn helfen. Wie ist der Stand der Verhandlungen?
Herr Kellerhals klagt gegen die Aufspaltung der Metro. Deshalb haben wir alle Gespräche auf Eis gelegt. Jetzt muss das Gericht über die Aufspaltung entscheiden.
Kann Kellerhals verhindern, dass MediaMarkt-Saturn Gewinne an Ceconomy ausschüttet? Dann könnten Sie keine Dividende zahlen.
In der Satzung von MediaMarktSaturn ist eine Vollausschüttung des Gewinns an die Gesellschafter vorgesehen. Das kann Herr Kellerhals ohne unsere Zustimmung nicht ändern.
Sehen Sie überhaupt noch eine Chance für eine Einigung mit Kellerhals?
Es gibt nur zwei Wege: Entweder wir finden noch eine gemeinsame Strategie, oder wir trennen uns. Es macht ja auch für Herrn Kellerhals keinen Sinn, auf Dauer an einem Unternehmen beteiligt zu sein, von dem zumindest er glaubt, dass es in die falsche Richtung steuert. Offen wären wir für beide Varianten. Aber wie gesagt: derzeit gibt es keine Gespräche dazu.
Kellerhals könnte sich auch an Ceconomy beteiligen. Würden Sie sich darüber freuen?
Herr Kellerhals besitzt Metro-Anteile, das hat er selbst erwähnt. Bei der Aufspaltung wird auch er sich die Frage stellen, ob er an beiden Unternehmen beteiligt bleibt, oder vielleicht sogar zukauft. Er steht ihm frei, das zu tun. Umso mehr Aktien er kauft, desto besser wäre das für den Kurs…
…und umso schlechter für Sie. Kellerhals will Sie seit Jahren als Chef loswerden. Mit einem größeren Ceconomy-Paket hätte er die Möglichkeit dazu.
Ach, das glaube ich nicht. Auch für Aktionäre der Ceconomy gibt es Regeln, es gibt einen Aufsichtsrat und einen Vorstand, der das Geschäft bestimmt. Da mache ich mir keine großen Sorgen. Wir begrüßen jeden Investor, der Interesse am Unternehmen hat. Eines kann man Herr Kellerhals sicherlich nicht absprechen, er hat sein Leben lang Interesse am Elektronikhandel gehabt.