Süßwarenriese Haribo verlässt Bonn

Haribo macht Kinder froh - und Rheinland-Pfalz jetzt ebenso: Seit 1920 hat "Hans Riegel Bonn" seinen Sitz in Bonn, nun zieht die Zentrale ins rheinlandpfälzische Grafschaft. 2017 soll der Standort eröffnen.

Von Einstein bis Gottschalk - skurrile Fakten über Haribo
Erstes Fabrikgebäude war eine Waschküche1920 gründete der gelernte Bonbonkocher Hans Riegel Senior die Firma Haribo in einer Hinterhof-Waschküche in der Bergstraße in Bonn-Kessenich. Am 13. Dezember 1920 lässt er Haribo (als Akronym für Hans Riegel Bonn) ins Handelsregister der Stadt Bonn eintragen. 1921 heiratet Riegel, seine Frau Gertrud wird die erste Haribo-Mitarbeiterin. Quelle: Presse
Startkapital: Ein Sack Zucker und ein TopfDas Startkapital des Gründers Hans Riegel bestand übrigens aus einem Sack Zucker, einer Marmorplatte, einem Hocker, einem gemauerten Herd, einem Kupferkessel und einer Walze. Mit diesen Mitteln schuf er in besagter Bonner Waschküche ein mittlerweile weltweit bekanntes Unternehmen. Quelle: dapd
100 Millionen GummibärchenMittlerweile produziert das Familienunternehmen pro Tag 100 Millionen seiner Goldbären. Würde man die einzelnen Bären aus der Produktion eines Jahres nebeneinander stellen, hätte man eine Goldbärenkette von 160.306 Kilometer Länge. Mit der einer Jahresproduktion an Gummibärchen könnte man also vier mal die Erde umrunden. Verkauft werden die Goldbären übrigens weltweit, beispielsweise als
Fast 470.000 Kilometer LakritzWürde man übrigens die gesamte Jahresproduktion an Lakritzschnecken von Haribo aufrollen und aneinander reihen, hätte man einen Lakritzstrang von 468.000 Kilometer Länge. Damit ließe sich die Distanz zwischen der Erde und dem Mond überbrücken. Quelle: dpa/dpaweb
SloganSeit den 1930er Jahren wirbt Haribo damit, Kinder froh zu machen. Mitte der 60er ergänzte Unternehmensgründer Hans Riegel die Werbebotschaft um den Zusatz
WerbepartnerschaftEbenfalls ein cleverer Schachzug des Unternehmens war die Verpflichtung des Moderators und Showmasters Thomas Gottschalk als Werbegesicht. Ab 1991 macht Gottschalk Reklame für Goldbären, Colorado und Lakritz, das ist die längste Werbepartnerschaft der Welt. Sie bescherte sowohl Gottschalk als auch Haribo neben den entsprechenden Einnahmen auch einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde. 2014 kündigten Gottschalk und Haribo das Ende der Zusammenarbeit an. Quelle: obs
Berühmte FansDoch auch schon bevor Gottschalk begann, für Haribo zu werben, konnte die Marke viele Fans gewinnen. Kaiser Wilhelm II. beispielsweise schrieb aus seinem Exil in Doorn, dass die Gummibärchen aus Bonn das Beste seien, was die Weimarer Republik hervorgebracht habe. Auch Albert Einstein, Erich Kästner, Heinz Rühmann, Konrad Adenauer und Hans-Dietrich Genscher hatten immer Goldbären bei sich. Und auch in Übersee erfreuen sich Goldbären großer Beliebtheit. So sagte die US-Schauspielerin Reese Witherspoon, deren Vater sechs Jahre Militärarzt in Wiesbaden war, in einem Interview, dass Deutschland

1920 gründete der gelernte Bonbonkocher Hans Riegel Senior die Firma Haribo in einer Hinterhof-Waschküche in der Bergstraße in Bonn-Kessenich. Am 13. Dezember 1920 lässt er Haribo als Akronym für Hans Riegel Bonn ins Handelsregister der Stadt Bonn eintragen. Von dort aus startete die Familie Riegel mit ihrem Unternehmen einen Erfolgszug durch die ganze Welt: selbst in Asien und den arabischen Ländern gibt es den Goldbären von Haribo zu kaufen. Produziert wird weltweit.

Der Expansionskurs von Haribo bis Anfang der 80er

Bonn blieb jedoch immer Hauptfirmensitz - schließlich ist Bonn auch Teil des Namens. Doch jetzt soll anders werden. Haribo verlegt seine Hauptverwaltung nach Rheinland-Pfalz.

In Grafschaft sollen auf einem 27 Hektar großen Grundstück im Innovationspark Rheinland an der Autobahn A61 ein großes Logistikzentrum und ein 50.000 Quadratmeter großes Verwaltungsgebäude entstehen. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat dieser Umzug steuerliche Gründe: In Bonn sei die Gewerbesteuer deutlich höher als am neuen Hauptsitz.

Der Umzug wirft auch Fragen nach dem Firmennamen auf. Haribo setzt sich zusammen aus dem Namen des Gründers Hans Riegel und Bonn. Soll es etwa künftig „Harigra“ heißen? Kaum anzunehmen. Schließlich ist Haribo weltweit ein Markenjuwel, und mit dem bekannten Werbespruch „Haribo macht Kinder froh - und Erwachsene ebenso“ sind in Deutschland Generationen großgeworden. Haribo-Sprecher Marco Alfter stellt daher auch klar: „Haribo bleibt Haribo - und wird nicht Harigra.“

Der Expansionskurs von Haribo von 85 bis heute

Laut dem Unternehmen sei der Umzug Platzproblemen geschuldet: "Haribo reagiert damit auf die begrenzten Kapazitäten am Standort Bonn, die nicht nur den Produktionsbereich, sondern mittlerweile auch die Verwaltung betreffen. Die für zukünftiges Wachstum erforderlichen Personalaufstockungen im Verwaltungs- und Produktionsbereich sind daher unerlässlich", heißt es seitens des Unternehmens. Haribo werde am neuen Standort 300 neue Arbeitsplätze schaffen. Die Produktion nebst Betriebsverwaltung soll vorerst in Bonn bleiben. Während sich Grafschaft ob des namhaften Neuzugangs und Investitionen im dreistelligen Millionenbereich sowie wegen rund 300 neuer Arbeitsplätze die Hände reibt, sind die Bonner Stadtoberen verstimmt. Ein geeignetes Areal, mit dem Haribo zufrieden gewesen wäre, konnte allerdings nicht zur Verfügung gestellt werden. Unterm Strich waren die Angebote, Zusagen oder Steuerbedingungen der Nachbarn wohl günstiger als das, was Bonn und Nordrhein-Westfalen anzubieten hatten. Auch aus dem Ausland war Haribo umworben worden.

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Geplant sei dieser Schritt schon lange gewesen. Für den neuen Standort haben angeblich der im vergangenen Jahr verstorbene Firmenpatriarch Hans Riegel und die Nachkommen von Paul Riegel den Grundstein gelegt. "Am 18.09.2013 wurde die Entscheidung für den zusätzlichen Standort im rheinlandpfälzischen Grafschaft einstimmig getroffen. Seitdem laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren", heißt es bei Haribo. Eröffnung soll im Jahr 2017 sein.

Ob der als schwierig und eigensinnig geltende Hans Riegel wirklich gewollt hat, dass der Hauptsitz der Firma verlegt wird, sei dahin gestellt. Vielleicht ist dieser Schritt auch der Befreiungsschlag der Erben von Paul Riegel, die wie ihr Vater immer im Schatten von Hans Riegel standen.

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