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SüßwarenrieseHaribo verlässt Bonn

Haribo macht Kinder froh - und Rheinland-Pfalz jetzt ebenso: Seit 1920 hat "Hans Riegel Bonn" seinen Sitz in Bonn, nun zieht die Zentrale ins rheinlandpfälzische Grafschaft. 2017 soll der Standort eröffnen. 03.07.2014 - 15:53 Uhr aktualisiert

Erstes Fabrikgebäude war eine Waschküche

1920 gründete der gelernte Bonbonkocher Hans Riegel Senior die Firma Haribo in einer Hinterhof-Waschküche in der Bergstraße in Bonn-Kessenich. Am 13. Dezember 1920 lässt er Haribo (als Akronym für Hans Riegel Bonn) ins Handelsregister der Stadt Bonn eintragen. 1921 heiratet Riegel, seine Frau Gertrud wird die erste Haribo-Mitarbeiterin.

Foto: Presse

Startkapital: Ein Sack Zucker und ein Topf

Das Startkapital des Gründers Hans Riegel bestand übrigens aus einem Sack Zucker, einer Marmorplatte, einem Hocker, einem gemauerten Herd, einem Kupferkessel und einer Walze. Mit diesen Mitteln schuf er in besagter Bonner Waschküche ein mittlerweile weltweit bekanntes Unternehmen.

Foto: dapd

100 Millionen Gummibärchen

Mittlerweile produziert das Familienunternehmen pro Tag 100 Millionen seiner Goldbären. Würde man die einzelnen Bären aus der Produktion eines Jahres nebeneinander stellen, hätte man eine Goldbärenkette von 160.306 Kilometer Länge. Mit der einer Jahresproduktion an Gummibärchen könnte man also vier mal die Erde umrunden. Verkauft werden die Goldbären übrigens weltweit, beispielsweise als "Gold-Bears", "Ositos de Oro" oder "Zlote Misie".

Foto: dpa/dpaweb

Fast 470.000 Kilometer Lakritz

Würde man übrigens die gesamte Jahresproduktion an Lakritzschnecken von Haribo aufrollen und aneinander reihen, hätte man einen Lakritzstrang von 468.000 Kilometer Länge. Damit ließe sich die Distanz zwischen der Erde und dem Mond überbrücken.

Foto: dpa/dpaweb

Slogan

Seit den 1930er Jahren wirbt Haribo damit, Kinder froh zu machen. Mitte der 60er ergänzte Unternehmensgründer Hans Riegel die Werbebotschaft um den Zusatz "und Erwachsene ebenso". Mit Erfolg: Laut Angaben des Unternehmens kennen 98 Prozent der Deutschen den Werbeslogan und verbinden das Unternehmen aus Bonn auch damit.

Foto: Presse

Werbepartnerschaft

Ebenfalls ein cleverer Schachzug des Unternehmens war die Verpflichtung des Moderators und Showmasters Thomas Gottschalk als Werbegesicht. Ab 1991 macht Gottschalk Reklame für Goldbären, Colorado und Lakritz, das ist die längste Werbepartnerschaft der Welt. Sie bescherte sowohl Gottschalk als auch Haribo neben den entsprechenden Einnahmen auch einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde. 2014 kündigten Gottschalk und Haribo das Ende der Zusammenarbeit an.

Foto: CLARK/obs

Berühmte Fans

Doch auch schon bevor Gottschalk begann, für Haribo zu werben, konnte die Marke viele Fans gewinnen. Kaiser Wilhelm II. beispielsweise schrieb aus seinem Exil in Doorn, dass die Gummibärchen aus Bonn das Beste seien, was die Weimarer Republik hervorgebracht habe. Auch Albert Einstein, Erich Kästner, Heinz Rühmann, Konrad Adenauer und Hans-Dietrich Genscher hatten immer Goldbären bei sich. Und auch in Übersee erfreuen sich Goldbären großer Beliebtheit. So sagte die US-Schauspielerin Reese Witherspoon, deren Vater sechs Jahre Militärarzt in Wiesbaden war, in einem Interview, dass Deutschland "die tollsten Süßigkeiten" habe und dass Gummibären "doch die beste Erfindung" seien.

Foto: dpa

GoldbAIR

Heute können eingefleischte Haribo-Fans sogar mit Goldbär-Fliegern in den Urlaub jetten. Haribo hat sich vor rund fünf Jahren einen neuen Kooperationspartner an Board holen können. So sind seit Dezember 2008 verschiedene Flugzeuge vom Typ Boeing 737-800 im Haribo-Spezialdesign für die Fluggesellschaft Tuifly unterwegs.

Foto: Presse

Gummibären-Kunst
In der seit 2005 existierenden Wanderausstellung "Haribo - mit dem Goldbären zur Kultmarke" präsentiert das Unternehmen nicht nur sich selbst und seine Geschichte, sondern auch Kunst aus Goldbären und Schaumkonfekt.

Modedesign-Studenten der Fachhochschulen Trier, Bielefeld, Graz und Schneeberg haben sich kreativ mit den Süßwaren auseinandergesetzt und neben Kleidung im Haribo-Design auch Lakritz-Möbel, Goldbären-Geschirr oder Konfekt-Lampen entworfen.

Foto: Presse

Farbstoffe

Seit Ende der 80er Jahre verwendet das Unternehmen übrigens pflanzliche Farbstoffe für Goldbären, Maoam und Co.: Schwarze Johannisbeere, Orange, Zitrone, Holunderbeere, Rote Johannisbeere, Aronia, Traube, Spinat, Brennnessel, Passionsfrucht, Mango, Karotte, Kiwi und Apfel sorgen für die entsprechenden Farbtöne.

Foto: dpa

1920 gründete der gelernte Bonbonkocher Hans Riegel Senior die Firma Haribo in einer Hinterhof-Waschküche in der Bergstraße in Bonn-Kessenich. Am 13. Dezember 1920 lässt er Haribo als Akronym für Hans Riegel Bonn ins Handelsregister der Stadt Bonn eintragen. Von dort aus startete die Familie Riegel mit ihrem Unternehmen einen Erfolgszug durch die ganze Welt: selbst in Asien und den arabischen Ländern gibt es den Goldbären von Haribo zu kaufen. Produziert wird weltweit.

Der Expansionskurs von Haribo bis Anfang der 80er
Ende der 20er-Jahre nimmt Haribo Kontakt mit Christian und Eckhof Hansen von der Sukkervarenfabrikker Danmark auf. 1935 entsteht aus der Geschäftsbeziehung das Unternehmen Haribo Lakrids A/S Kopenhagen.
Im Jahr 1957 übernimmt Hans Riegel seinen ehemaligen Arbeitgeber, die Godesberger Firma Kleutgen & Meier. Nach der Übernahme durch Haribo produziert und verkauft die Firma Fruchtgummis unter dem Markennamen Monarch.
Haribo verschlägt es in die Niederlande. Das Unternehmen übernimmt im Jahr 1961 die Bonera Industrieen Handelsmaatschappij N.V. in Breda, Holland. Nach Umfirmierung heißt die Firma Haribo Nederland B.V.
1967 führt der Expansionskurs das Bonner Unternehmen nach Frankreich, wo es Anteile der Süßwarenfabrik Lorette kauft. Nach der Übernahme heißt das Unternehmen mit Sitz in Marseille Haribo France S.A.
Doch auch in Deutschland ist Haribo nicht untätig und erwirbt im Jahr 1968 Anteile der Solinger Firma Dr. Hillers AG. Sechs Jahre später kauft das Unternehmen auch die restlichen Anteile.
1971 kauft Haribo die Mehrheit der Anteile an der fränkischen Traditionsfirma Bären-Schmidt.
1972 macht sich Haribo auch auf den Weg nach England und beteiligt sich an dem britischen Traditionsunternehmen Dunhills. 1994 geht die Firma zu 100 Prozent an den Bonner Süßwarenhersteller über und ändert seinen Namen in Haribo Dunhills PLC.
In Helsingborg, Schweden, entsteht die Vertriebsorganisation Haribo Lakrits AB.
Auch in Österreich entsteht eine Vertriebsorganisation. Erst elf Jahre später, im Jahr 1988, beginnt die dortige Haribo Lakritzen Hans Riegel Betriebsgesellschaft mbH mit einer eigenen Produktion.
62 Jahre nach der Gründung des Unternehmens schafft Haribo den Sprung über den großen Teich und errichtet in Baltimore, Maryland, den Vertrieb "Haribo of America Inc.".

Bonn blieb jedoch immer Hauptfirmensitz - schließlich ist Bonn auch Teil des Namens. Doch jetzt soll anders werden. Haribo verlegt seine Hauptverwaltung nach Rheinland-Pfalz.

In Grafschaft sollen auf einem 27 Hektar großen Grundstück im Innovationspark Rheinland an der Autobahn A61 ein großes Logistikzentrum und ein 50.000 Quadratmeter großes Verwaltungsgebäude entstehen. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat dieser Umzug steuerliche Gründe: In Bonn sei die Gewerbesteuer deutlich höher als am neuen Hauptsitz.

Der Umzug wirft auch Fragen nach dem Firmennamen auf. Haribo setzt sich zusammen aus dem Namen des Gründers Hans Riegel und Bonn. Soll es etwa künftig „Harigra“ heißen? Kaum anzunehmen. Schließlich ist Haribo weltweit ein Markenjuwel, und mit dem bekannten Werbespruch „Haribo macht Kinder froh - und Erwachsene ebenso“ sind in Deutschland Generationen großgeworden. Haribo-Sprecher Marco Alfter stellt daher auch klar: „Haribo bleibt Haribo - und wird nicht Harigra.“

Der Expansionskurs von Haribo von 85 bis heute
Drei Jahre nachdem Haribo in den USA Fuß fassen konnte, kauft das Unternehmen die südfranzösische Firma Ricqles Zan. Aus der Fusion der Ricqles Zan mit der bereits 1967 gegründeten Haribo France S.A. geht Ende 1987 die neue Firma Haribo-Ricqles Zan S.A. hervor. Das Unternehmen mit Standorten in Marseille und Uzès beliefert Frankreich und Südeuropa mit Fruchtgummis und anderen Süßwaren.
1986 übernimmt Haribo die Edmund Münster GmbH & Co. KG in Neuss. Das Unternehmen wurde im Jahre 1898 als "Düsseldorfer Lakritzenwerk" gegründet und zwei Jahre später vom Industriellen Münster übernommen. Münster hatte 1930 auch die Lizenz für Kaubonbons erworben. Mit der Übernahme der Edmund Münster GmbH & Co. KG 1986 gelangte so auch "Maoam" zu Haribo.
1989 entsteht im norwegischen Oslo die Vertriebsorganisation Haribo Lakris A/S.
Nach dem Mauerfall übernimmt Haribo die Süßwarenfabrik WESA mit Sitz in Wilkau-Haßlau. Ursprünglich als Lebkuchen- und Schokoladenfabrik gegründet war das Unternehmen zu Zeiten der DDR zum volkseigene Betrieb geworden.Ebenfalls 1990 schafft sich Haribo ein Standbein in Italien, in dem das Unternehmen 100 Prozent der Aktien der Mailänder Firma Sidas Dolciaria S.p.A. kauft. Nach der Übernahme wird daraus die Haribo Italien S.p.A.
Haribo erweitert sein Geschäftsfeld in Finnland und gründet die Vertriebsorganisation Haribo Lakrids Oy AB in Helsinki.
1993 übernimmt Haribo die 1975 eingetragene Marke Vademecum: Vadamecum hatte Zahnpflegekaugummis und Hustenbonbons vertrieben.
1995 eröffnet der Süßwarenproduzent eine Produktionsstätte in Spanien, die Haribo España S.A.
Haribo übernimmt die belgische Firma Dulcia. Seit 2007 produziert die Haribo Belgie B.V.B.A die Marshmallow-Marke "Haribo Chamallows".
Haribo kauft den spanischen Süßwarenproduzenten Geldul in Alicante und gründet die Vertriebsniederlassung HARIBO CZ s.r.o in Tschechien.
Seit dem Jahr 2000 produziert Haribo auch in Ungarn. Außerdem erweitert das Unternehmen sein Imperium um den niederländischen Süßwarenhersteller Hoepman.
Das Unternehmen aus Bonn erschließt sich im Jahr 2001 mit der Übernahme des türkischen Fruchtgummi- und Schaumzuckerherstellers Pamir Gida Sanayi A.S auch den arabischen Raum.
2002 eröffnet Haribo eine Vertriebsniederlassung in Polen.
Haribo gründet die Vertriebsniederlassung Ooo Haribo Konfetey in Moskau.
Ein Jahr später baut das Unternehmen auch in der Slowakei eine Vertriebsorganisation auf.
Im Jahr 2005 kommen zum Goldbären-Imperium noch Vertriebsorganisationen in Australien und Portugal dazu.

Laut dem Unternehmen sei der Umzug Platzproblemen geschuldet: "Haribo reagiert damit auf die begrenzten Kapazitäten am Standort Bonn, die nicht nur den Produktionsbereich, sondern mittlerweile auch die Verwaltung betreffen. Die für zukünftiges Wachstum erforderlichen Personalaufstockungen im Verwaltungs- und Produktionsbereich sind daher unerlässlich", heißt es seitens des Unternehmens. Haribo werde am neuen Standort 300 neue Arbeitsplätze schaffen. Die Produktion nebst Betriebsverwaltung soll vorerst in Bonn bleiben. Während sich Grafschaft ob des namhaften Neuzugangs und Investitionen im dreistelligen Millionenbereich sowie wegen rund 300 neuer Arbeitsplätze die Hände reibt, sind die Bonner Stadtoberen verstimmt. Ein geeignetes Areal, mit dem Haribo zufrieden gewesen wäre, konnte allerdings nicht zur Verfügung gestellt werden. Unterm Strich waren die Angebote, Zusagen oder Steuerbedingungen der Nachbarn wohl günstiger als das, was Bonn und Nordrhein-Westfalen anzubieten hatten. Auch aus dem Ausland war Haribo umworben worden.

Geplant sei dieser Schritt schon lange gewesen. Für den neuen Standort haben angeblich der im vergangenen Jahr verstorbene Firmenpatriarch Hans Riegel und die Nachkommen von Paul Riegel den Grundstein gelegt. "Am 18.09.2013 wurde die Entscheidung für den zusätzlichen Standort im rheinlandpfälzischen Grafschaft einstimmig getroffen. Seitdem laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren", heißt es bei Haribo. Eröffnung soll im Jahr 2017 sein.

Ob der als schwierig und eigensinnig geltende Hans Riegel wirklich gewollt hat, dass der Hauptsitz der Firma verlegt wird, sei dahin gestellt. Vielleicht ist dieser Schritt auch der Befreiungsschlag der Erben von Paul Riegel, die wie ihr Vater immer im Schatten von Hans Riegel standen.

ked
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