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Von-Floerke-Gründer David Schirrmacher „Wachstum, Wachstum, Wachstum war das einzige, was zählte“

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Schirrmacher: „Thelen hat uns das Leben noch schwerer gemacht“

Von Floerke geriet in Existenznöte. Schirrmacher hatte sich schlicht übernommen. Auf Facebook finden sich zahlreiche Beschwerden von Kunden, die nach eigenen Angaben seit Monaten auf ihre Ware warten.

Seit die Firma im Krisenmodus ist, liegt Schirrmacher auch mit Thelen im Clinch und will seinen prominentesten Investor „einfach nur noch raus haben.“ Undankbar könnte man das nennen, wäre doch Schirrmachers Unternehmen ohne Thelen wohl nie so bekannt geworden. Schirrmacher fühlt sich offenbar von Thelen verraten. „Als wir am Boden lagen, hat er sich plötzlich von uns distanziert und uns diffamiert. Damit hat er uns das Leben noch schwerer gemacht“, sagt Schirrmacher.

So erweckte Thelen wohl gegenüber dem Internetportal Gründerszene den Eindruck, dass Schirrmacher für ihn nicht erreichbar sei, was auf Anleger, die um ihr Geld zitterten, kaum vertrauensfördernd gewirkt haben dürfte. Tatsächlich konnte Schirrmacher nachweisen, dass er durchaus regen Kontakt zu Thelen hatte – etwa per Messenger WhatsApp.
Für weiteren Zündstoff sorgte, dass Von Floerke mit dem umstrittenen Getränkehändler Christian Schoenberger zusammenarbeitet. Thelen hatte im Februar im „Manager Magazin“ erklärt, er wisse hiervon nichts. Schirrmacher habe ihm gegenüber abgestritten, dass er mit Schoenberger arbeite. Würde sich das als falsch herausstellen, würde man mit Schirrmacher nicht weiter zusammenarbeiten. „Wenn uns ein Gründer belügt, trennen wir uns sofort von ihm.“

Tatsächlich soll Schirrmacher die Zusammenarbeit mit Schoenberger intern nicht verheimlicht haben. Bereits in dem Protokoll einer Gesellschaftersitzung vom 12. November 2018, an der auch Thelen teilnahm, heißt es unter dem Tagesordnungspunkt „Spirituosenhandel“: „Die Zusammenarbeit mit Christian Schoenberger wird fortgesetzt. Eine sichere Belieferung zu den benötigten Preisen ist sonst gefährdet.“ Die Aussage von Thelen zu dem Thema ärgere ihn deshalb, sagt Schirrmacher.

Er wolle auch weiterhin mit Schoenberger zusammenarbeiten. Der Internetunternehmer habe „durchschlagende Marketingideen. Als Thelen und andere Partner ihn im Stich gelassen hätten, habe er auf Schoenbergers Unterstützung zählen können. „Er hat mich in dieser schweren Zeit aufgebaut und wieder in den Verkaufsmodus gebracht.“

Schirrmachers Facebook-Hetze gegen Thelen kann man wohl getrost als Rachefeldzug bezeichnen. Damit dürfte sich der Gründer von Von Floerke kaum Freunde in der Investorenszene machen. Dafür will er jedoch neue Kunden gewonnen haben. Nach einem Anti-Thelen-Posting steige die Zahl der Bestellungen rasant, behauptet Schirrmacher. An einem Tag mit Anti-Thelen-Post mache er doppelt so viel Umsatz wie sonst. Thelen ist hiervon freilich nicht begeistert, wie er kürzlich der WirtschaftsWoche mitteilte. „Wir wollen mit dieser Art von Kommunikation nichts zu tun haben“, erklärte der Investor. Schirrmacher verprelle hiermit am Ende nur Gläubiger, Investoren und Kunden.

Der Von-Floerke-Gründer dagegen gibt sich begeistert von den neuen Fans: „Trotz unserer aggressiven Strategie erhalten wir enorm viel Rückhalt in den sozialen Medien und Solidarität aus der Gründerszene“, sagt der 26-Jährige. „Wenn man mal ehrlich ist, sind wir doch nur Symbolbild für vieles, was in der von Investoren getriebenen Szene falsch läuft.“

Die Kosten hat Schirrmacher mittlerweile zusammengestrichen. Das schicke Büro und die Filialen sind weg, die meisten Mitarbeiter auch. Die monatlichen Fixkosten der Firma sind nach seinen Angaben von 150.000 Euro im Monat auf 20.000 Euro monatlich gesunken. Um eine Insolvenz abzuwenden, muss der Gründer jedoch zusätzlich einen Deal mit seinen Altgläubigern abschließen, die er aktuell nicht bezahlen kann. „Ich möchte jetzt ein solides, nachhaltiges Geschäft führen, das nicht auf Hype und Glamour ausgerichtet ist, sondern im Kern organisatorisch funktioniert“, sagt Schirrmacher und ergänzt: „Ich möchte auch nicht ständig neues Geld ausfindig machen müssen.“

Sein Rat an andere Gründer: „Wachstum ist nicht alles. Lasst euch von Investoren, die nur den schnellen Ausstieg suchen, nicht das Gegenteil erzählen.“

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