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Von Lego bis Märklin Der Papa will doch nur spielen

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Die Zahl der erwachsenen Spielkinder nimmt zu

Branchenexperten haben den Anteil Erwachsener, die Lego für sich selbst kaufen, 2014 auf 15 Prozent der Kundschaft taxiert. „Wir hören immer wieder, dass der Star-Wars-Todesstern von Vätern an ihre ein-jährigen Kinder verschenkt wird“, sagt eine Unternehmenssprecherin.

Der Todesstern kostet mehr als 400 Euro und besteht aus über 3800 Steinen – nicht gerade das, womit ein Ein-Jähriger Lego-bauen und -spielen lernt.

Die beliebtesten Männer-Spielzeuge
LegoIst der Nachwuchs nur annährend im Bauklotz-fähigen Alter, schleppt Mann auch schon die ersten Lego-Duplo-Sets an. Spätestens nach dem dritten Geburtstag des Sprösslings ist kein Geschenk mehr vor dem Vater sicher - alles was Noppen hat wird zusammengebaut. Oft einträchtig mit dem Sohnemann, aber eigentlich spielt es sich auch als Enddreißiger prima allein mit den bunten Steinen. Davon profitiert natürlich auch die Lego-Gruppe. Vergangenes Jahr konnten sie einen Umsatzwachstum von 11 Prozent verbuchen. Verantwortlich dafür sind die klassischen Produktlinien wie Lego Duplo oder Lego Friends. Aber auch neue Innovationen wie Lego Legends of Chima und andere Neuheiten tragen zu dem Erfolg bei. Lego entwickelt sich weiter: Statt der klassischen Bausteine-Sets gibt es jetzt auch Spiele in der digitalen Welt. Durch Apps, auf lego.com und über Videos wird physisches und digitales Spielen verbunden. Quelle: dpa
Die weltweit größte Spielwarenmesse in Nürnberg ist bei deutschen Herstellern und Händlern auf positive Resonanz gestoßen. Der Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwarenindustrie, Ulrich Brobeil, berichtete von einer positiven Stimmung unter den Ausstellern, die im Nachgang zur Messe nun noch zahlreiche Aufträge vor allem aus dem Ausland erwarteten. Auch Willy Fischel vom Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels sagte zum Abschluss der Branchenschau am Montag: „Der Handel ist sehr zufrieden mit der Messe.“ Mehrere Tausend Besucher aus 112 Ländern kamen nach Nürnberg, um die aktuellen Spielzeug-Trends zu begutachten. Im Mittelpunkt hätten besonders die Produktgruppen Baby und Kleinkind, Karneval und Festartikel sowie Modelleisenbahn und Zubehör gestanden. Die Messe hat gezeigt: Spielzeug begeistert jede Altersklasse. Welche Spielzeug-Trends bei Männern sonst noch hoch im Kurs liegen. Quelle: dpa
MatchboxEs ist wohl das erste Auto eines jeden Mannes - das Matchbox-Auto. Seit 1952 gibt es die kleinen Metallflitzer, mit denen sich so hervorragend Massenkarambolagen und Unfälle jeder Art nachstellen lassen. Seit 1997 gehört die Marke dem Spielzeugriesen Mattel. Quelle: dpa
Tipp-KickEin Überbleibsel aus der analogen Welt - aber immer noch ein Renner in der Spielzeugkiste des Mannes. Die Figuren sind aus Zink und haben ein bewegliches Bein, das per Druck auf den Knopf auf dem Kopf ausgelöst wird. Quelle: dpa/dpaweb
Märklin EisenbahnDie Modelleisenbahn macht seit mehr als 100 Jahren Jungs und Männer glücklich. Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg stellt das schwäbische Unternehmen eine neue iPhone-App vor, mit der sich bis zu 16 Lokomotiven einer Modellbahn steuern lassen. Quelle: dpa
CarreraDie Carrera-Bahn hält in der Grundschulzeit Einzug ins Jungs-Kinderzimmer - und gibt es nicht im Laufe der Zeit eine Partnerin, die das Set mutwillig auf den Müll schmeißt, bleibt die Bahn im Besitz des Mannes bis zu seinem Ableben. Sie macht jeden Umzug mit, ist der Hit auf allen Junggesellenfeiern und wird auch gerne noch zum 30. oder 40. Geburtstag verschenkt und aufgebaut.
SpielzeugpistolenFrüher hießen sie Colt und knallten zu Karneval mittels roter Papierbänder, die man vor den Abzug fisseln musste. Die neuen Modelle laufen mit Smartphone. Mittels einer App können auf der "App Tag" von Wikanplay Schieß-Spiele gespielt werden. Das Spielzeug wurde unter dem diesjährigen Motto der Nürnberger Spielwarenmesse "Toys 3.0" vorgestellt. Quelle: dpa

Lego auch bei Erwachsenen besonders beliebt

Der Erwachsenen-Anteil am Lego-Umsatz steht über dem Branchendurchschnitt. Rund acht Prozent des Umsatzvolumens der gesamten Spieleindustrie fällt auf Erwachsene zurück, die Spielzeug nicht für ihre Kinder kaufen, sondern für sich selbst. Das hat das Consumer-Panel des Marktforschungsunternehmens npdgroup ergeben.

„Der Anteil erwachsener Selbstnutzer hat in den vergangenen Jahren zugenommen“, sagt Joachim Stempfle, Director Toys der npdgroup. Spielforscher Buland kann den Erfolg von Marken wie Märklin, Carrera oder Lego bei der Kundschaft im fortgeschrittenen Alter erklären: „Spielzeug muss eine Herausforderung bieten, sonst wird es schnell langweilig. Es muss möglich sein, etwas Kompliziertes zu bauen oder wie im Falle einer Modelleisenbahn etwas wirklich ‚echt’ aussehen zu lassen.“

Vielen Lego-Bauern reichen Baukästen deswegen nicht aus. Reikowski sagt: „Ich bin hochzufrieden, wenn Lego Steine auf den Markt bringt, den Rest erledige ich. Ein Set nachbauen, das ist ja so, als würde ich die Ideen eines anderen kopieren.“

Damit Lego-Modelle selbst zu entwerfen, verbringt auch Rene Hoffmeister seine Tage. Der Betreiber des Lego-Teileshops und -Fan-Forums 1000Steine.de lebt den Traum, den jedes Lego-bauende Kind einmal hatte: Er wird fürs Lego-Bauen bezahlt. Als einer von weltweit zwölf zertifizierten Lego-Designern („Lego certified professionals“ heißt das bei Lego) sind seine Werke auf Messen und Ausstellungen gefragte Objekte.

Die Geschichte Legos

Ob es nun ein sieben Meter langer Nachbau der Queen Mary II ist oder eine rund ein Quadratmeter große Nachbildung des New Yorker Guggenheim-Museum aus mehr als 8000 Lego-Steinen – mit Klötzchen und seinem Vorstellungsvermögen macht Hoffmeister in seiner brandenburgischen Werkstatt fast alles möglich. „An den besten Tagen ist mein Job fast so wie früher im Kinderzimmer zu sitzen“, sagt er. „Sachen ausdenken, rumprobieren, rumspielen, kaputt machen und von vorne anfangen.“

Über sein Forum hat er viele Gleichgesinnte kennengelernt. Alleine dort tummeln sich zwischen 4000 und 5000 aktive Legobauer – die meisten im fortgeschrittenen Erwachsenenalter. Und 1000Steine.de ist bei weitem nicht das einzige deutschsprachige Forum für ausgewachsene Lego-Fans. Da wäre zum Beispiel noch das Imperium der Steine, wo Andreas, Jahrgang 69, stolz seine 187 Lego Star-Wars-Sets präsentiert.

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