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Werner knallhart

Das deutsche Abendbrot lebt - mittags!

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Die Bäcker witterten ihre Chance

Doch dann passierte etwas ganz Wunderbares. Die Bäcker witterten ihr Potenzial: Wenn die Menschen schon bappige Bagels und plattgedrückte Panini lecker finden, wenn es Berliner Hipsterläden mit langen dicken Holztischen gelang, belegte Brote mit Leberwurst und Gürkchen zum Lebensstil zu erheben, was können dann wir?

Die Bäcker drehten sich mit glänzenden Augen in ihren Backstuben umher und sahen ihr Zwiebelbrot, Kürbiskern-Brötchen, Brezeln und Laugencroissants, Vollkornkracher, Käsestangen, Franzbrot, Mohn- und Sesamsemmeln, Wasserwecken, Milchbrötchen und Kümmelbrot.

Da warfen die Bäcker ihre Draußen-nur-Kännchen-Sitzmöbel auf den Sperrmüll, nahmen die Sparkassen-Kalender von der Wand und fingen noch einmal von vorne an. Gucken Sie sich mal um! Anstatt viel zu spät den verblassten Starbuckstrend zu imitieren, gelingt es heute vielen Bäckereien mit ihrem eigenen Stil ein individuelles Ambiente zu schaffen. Auch und gerade die kleinen Familienunternehmen. Für das belegte Brot zum Kaffee. Mittags!

Und die Leute kommen. Nach einem Tiefpunkt in der Mitte der Nullerjahre haben sich Umsätze im Bäckerhandwerk in Deutschland wieder berappelt und sind vergangenes Jahr noch einmal leicht angestiegen. Es ist einem alten Traditionshandwerk gelungen, einen Trend der Konkurrenz umzumünzen in einen eigenen Marktvorteil. Heute gucken mitunter selbst die McDonald's-Strategen verdattert aus der Wäsche, sagen Menno und machen nach, was andere vormachen, sogar mit gesunden Zutaten wie Grünkohl.

Nun müssen die Bäckereien nur aufpassen, dass der Erfolg nicht müde macht. Selbst SB-Ketten wie Backwerk verkaufen schließlich Vollkornstullen.

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Aber es geht noch weiter. Vor ein paar Tagen geriet ich am Rande von Bielefeld eher zufällig in eine wahre Kathedrale des Brots. Eine Bäckerei-Kette hat dort auf einer Fläche wie bei einer großen McDonalds-Filiale ein Brotrestaurant für die Mittagspause aufgebaut. Mit viel hellem Holz bis unter die dunkle Decke, kunterbunten Kissen, warmer Beleuchtung aus Hängelampen mit großen Schirmen und sogar  - Achtung! - einem Kaminzimmer mit Bücherregal und Leseecke. Und draußen mit Autoschalter und riesigem Parkplatz.

Drinnen an der Glas-Theke gibt es neben einer schier überwältigenden Auswahl an belegten Broten, Sandwiches, Kuchen, süßen Teilchen, Obstsalat und dem kompletten Kaffee-Angebot auch warmes Mittagessen wie Spargelpizza, strammer Max, Rührei auf Brot und Salat mit frisch gebratenem Geflügelfleisch.

Ich muss sagen: Da ist etwas entstanden, das internationales Potenzial hat. Das deutsche Abendbrot. Jetzt mittags. Nun braucht es nur noch einen neuen Namen.

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