Adnoc übernimmt Covestro: Die ehrgeizigen Pläne von Sultan Al Jaber
Die Abu Dhabi National Oil Company ist ein Unternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und hat seinen Sitz in Abu Dhabi.
Foto: WirtschaftsWocheDer deutsche Kunststoffkonzern Covestro steht vor einer Übernahme durch den Ölkonzern Adnoc. Bis zu 16 Milliarden Euro ist der arabische Staatskonzern bereit zu zahlen. Das klingt gewaltig, doch es ist nur ein Schritt auf dem Weg zu einem viel ehrgeizigeren Ziel. Adnoc, das von Sultan Ahmed Al Jaber geführt wird, will es unter die fünf größten Chemiekonzerne der Welt schaffen.
Die Botschaft richtet sich auch nach Ludwigshafen. Dort ist die BASF zu Hause, mit einem Umsatz von fast siebzig Milliarden Euro immer noch der größte Chemiekonzern der Welt. Adnoc kommt bislang umgerechnet auf jährliche Erlöse von etwa acht Milliarden Euro.
Doch der Staatskonzern verfügt gegenüber der BASF über zwei klare Vorteile: Während der neue BASF-Chef Markus Kamieth vor wenigen Tagen ein Spar- und Umstrukturierungs-Programm ankündigte, kann Adnoc aus dem Vollen schöpfen. Mehr als hundert Milliarden Dollar Investitionen sind in den nächsten Jahren angedacht. Und während die BASF über hohe Energiekosten klagt, sitzt Adnoc quasi an der Quelle, wo Öl und Gas günstig sind.
Da es die fossilen Energien nicht ewig geben wird, investiert Adnoc nun in die Weiterverarbeitung – daher auch die Übernahme des Kunststoffspezialisten Covestro. Adnoc zielt dabei auch auf Märkte, die auch für die BASF relevant sind, etwa Elektromobilität und Wärmedämmung.
Weitere Unternehmen im Visier
Unmittelbare Konkurrenten sind die beiden jedoch in den wenigsten Bereichen. Aus dem Kunststoffgeschäft, auf das Adnoc mit der schon lange angedachten Übernahme von Covestro nun verstärkt setzt, hat sich die BASF weitgehend zurückgezogen – etwa durch Verkäufe oder Joint-Ventures.
Als neues Schwergewicht der Branche ist Adnoc jedoch ein ernstzunehmender Gegner für den bisherigen Platzhirsch BASF. Denn bei der Übernahme von Covestro wird es kaum bleiben. Branchenkenner erwarten nun, dass sich Adnoc etwa für die Kunststoffhersteller Borealis (Österreich) und Nova (Kanada) interessieren könnte. Womöglich wäre sogar das brasilianische Mineralölunternehmen Petrobas ein Kaufkandidat für Adnoc, heißt es.
Zunehmender Exodus aus Europa
Adnoc arbeitet so weiter daran, seine Produktpalette jenseits von Öl und Gas zu erweitern. Dabei setzt das Unternehmen auch auf seine klaren Kostenvorteile. Ein Brancheninsider sieht es so: „Die Petrochemie- und Kunststoffindustrie in Europa wird jetzt nach Düngemitteln und Methanol das nächste Segment sein, das aufgrund der hohen Rohstoff- und Energiekosten nicht mehr in Europa produzieren kann. Da wird in den kommenden sechs bis zwölf Monaten noch die ein oder andere Transaktion kommen.“ Insbesondere die deutsche Chemieindustrie bangt derzeit um ihre Wettbewerbsfähigkeit.
Die Araber werden wohl weiterhin die Branche aufmischen. Und wohl auch die BASF. Deren Aktionäre sehen den Adnoc-Coup mit unguten Gefühlen. Am Tag der Ankündigung der Covestro-Übernahme fiel der BASF-Aktienkurs um mehr als ein Prozent.
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