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Contergan-Debatte "Wir können es nie allen recht machen"

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Langes Polieren

Forscher Grünenthal

Sie haben Grünenthal auf Schmerzmittel konzentriert und Randgeschäfte verkauft. Jetzt wollen Sie zukaufen; dafür sind 800 Millionen Euro reserviert. Wann kommen denn die angekündigten Akquisitionen?

Wir wollen vor allem im Wachstumsmarkt Lateinamerika zukaufen, insbesondere in Brasilien. Dort haben wir kürzlich mit dem US-Unternehmen Horizon eine Lizenzvereinbarung für ein Schmerzprodukt in Lateinamerika abgeschlossen. Unseren Umsatzanteil in Lateinamerika möchten wir von derzeit 15 Prozent auf 40 Prozent im Jahr 2015 steigern. Wir verfolgen dort drei bis vier Zukäufe, einer wird sich noch dieses Jahr realisieren lassen. Bei den anderen Projekten laufen die Verhandlungen etwas zäh.

Bei vielen Pharmakonzernen brechen die Gewinne ein, viele Medikamente schaffen es nicht auf den Markt. Auch bei Ihnen?

Das kann ich für Grünenthal nicht bestätigen. Wir wachsen stärker als der weltweite Pharmamarkt mit seinen zwei bis drei Prozent. Im ersten Halbjahr 2012 haben wir im Kerngeschäft Schmerz im Vergleich zum Vorjahr beim Umsatz um neun Prozent auf 468 Millionen Euro zugelegt. Für das Gesamtjahr 2012 nähern wir uns der Milliardengrenze. Den operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Ab-schreibungen hat Grünenthal im ersten Halbjahr von 17 auf 41 Millionen Euro gesteigert.

Das macht eine Gewinnmarge von unter zehn Prozent. Den Eigentümern haben Sie 10 bis 20 Prozent versprochen.

Ich bin optimistisch, dass wir im Gesamtjahr eine operative Marge von etwa zehn Prozent erreichen. Wir geben allerdings für Forschung und Entwicklung 25 bis 26 Prozent unseres Umsatzes aus. Bei vielen großen Pharmakonzernen liegt die Quote lediglich bei 15 bis 16 Prozent.

Rechnet sich der höhere Aufwand denn?

Keiner unserer Entwicklungskandidaten ist bisher gescheitert. Viele Wettbewerber wollen mögliche Flops früh stoppen. Wir glauben eher, dass sich Hartnäckigkeit auszahlt und dass oft durch langes Polieren Diamanten entstehen können.

In Arbeit
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Bei Ihrem Schmerzmittel Palexia leiden einige Patienten unter Nebenwirkungen wie Apathie und psychischen Störungen. Ist es trotzdem wirtschaftlich erfolgreich?

Palexia wirkt immer noch besser als alle anderen Medikamente seiner Klasse. Zusammen mit unserem Partner Johnson & Johnson, der den Wirkstoff Tapentadol unter dem Markennamen Nucynta in den USA vertreibt, werden wir 2012 einen weltweiten Umsatz von etwa 500 Millionen Dollar schaffen. Unser Ziel in einigen Jahren liegt bei einer Milliarde Euro.

An welchen besseren Arzneien für die Zukunft polieren Ihre Forscher denn gerade?

Der Anspruch ist, alle fünf Jahre ein neues Schmerzmedikament auf den Markt zu bringen. Unsere Forscher arbeiten vor allem an Schmerzmitteln, die peripher wirken – also nur dort ansetzen, wo der Schmerz stattfindet, nämlich in den Nervenbahnen. Heutige Schmerzmittel setzen hauptsächlich zentral im Gehirn an. Daher wirken viele oft nur bei 50 Prozent der Patienten und zeigen die typischen Nebenwirkungen. Unsere ersten peripher wirkenden Schmerzmedikamente könnten 2017 oder 2018 auf den Markt kommen.

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