WiWo History: Erbauerin eines Dax-Konzerns: Else Kröner schuf Fresenius aus einer Apotheke
Zum 100. Geburtstag von Else Kröner am heutigen Donnerstag richtet der Dax-Konzern Fresenius einen Festakt im Frankfurter Städel-Museum aus. Die Ehre gilt einer bislang verkannten Heldin des deutschen Wirtschaftswunders nach dem Zweiten Weltkrieg. Ohne Else Kröner (1925-1988) gäbe es das Unternehmen Fresenius in seiner heutigen Form nicht. Fresenius-Chef Michael Sen würdigt die Jubilarin als eine „der erfolgreichsten Unternehmerinnen Deutschlands“, die den Konzern geformt und damit Wirtschaftsgeschichte geschrieben habe.
Else Kröners Geschichte ist gleichzeitig die Geschichte eines ungewöhnlichen Aufstiegs. Die Mutter arbeitet als Haushälterin bei dem Frankfurter Apotheker Eduard Fresenius. Der Vater stirbt früh. Die junge Else Fernau, wie sie damals noch heißt, wird zur Ziehtochter des Apothekers. Fresenius ermöglicht ihr das Abitur und sorgt dafür, dass sie später Pharmazie studieren kann.
1946 stirbt Eduard Fresenius. Sein Vermögen vermacht er seiner Ziehtochter, deren Mutter sowie einer langjährigen Mitarbeiterin. Den Frauen trägt er auf, „in Eintracht gemeinsam zu wirtschaften." Schnell stellt sich heraus, dass Else Fernau die Fähigste unter ihnen ist; nach dem Pharmaziestudium hat sie in Abendkursen noch Betriebswirtschaft gepaukt.
Sie konzentriert sich jetzt ganz auf das kleine Unternehmen zur Herstellung von Kräutertees und Heilmitteln, das Fresenius gleichfalls hinterlassen hat. Else Fernau baut die Fertigung in Bad Homburg aus, nimmt bald Infusionslösungen und Dialysegeräte ins Sortiment, eröffnet neue Standorte in St. Wendel (Saarland) und Schweinfurt (Bayern) und kurbelt das Exportgeschäft an.
1964 heiratet sie ihren Berater, den Wirtschaftsanwalt Hans Kröner. Das Paar adoptiert fünf Pflegekinder. Else will ihnen dieselben Aufstiegschancen bieten, die sie als Ziehtochter im Hause des Apothekers Eduard Fresenius erhalten hat. Soziales Engagement ist ihr wichtig – Kröner lässt auf eigene Kosten Medikamente nach Afrika liefern und unterstützt SOS-Kinderdörfer.
Das Unternehmen wächst stetig. 1982 wird Fresenius zur AG, 1986 geht es an die Börse. Auf ihre eigene Gesundheit gibt Else Kröner dabei wenig acht. Sie stirbt 1988 mit nur 63 Jahren. Aus den 30 Beschäftigten, mit denen sie einst startete, sind über 2500 geworden. Der Umsatz vervielfachte sich von 500 000 D-Mark auf über 600 Millionen D-Mark. Die Matriarchin, die zuletzt den Aufsichtsrat führte, hinterlässt ihre 1983 gegründete „Else Kröner Fresenius-Stiftung“, die sich der Förderung medizinischer Forschung verschreibt. Die Stiftung zeichnet bis heute bahnbrechende Arbeiten im Bereich medizinischer Forschung aus – zuletzt etwa eine Therapie, durch die sich genetische und neurodegenerative Erkrankungen besser behandeln lassen.
Nach ihrem Tod wächst Fresenius weiter, vor allem durch zahlreiche Übernahmen. Der börsennotierte Konzern kauft etwa im Infusionsgeschäft zu und erwirbt 2005 die Klinikkette Helios, die heute der größte private Krankenhaus-Betreiber in Deutschland ist. Im vergangenen Jahr 2024 erreicht Fresenius einen Umsatz von 21,5 Milliarden Euro. Mit einem Anteil von 27 Prozent ist die „Else Kröner Fresenius-Stiftung“ immer noch die größte Einzelaktionärin.
Lesen Sie auch: Die Schattenseite von Kaufhauskönig Helmut Horten