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Diplomatische Krise in Katar Heikle Geschäfte mit den Konfliktparteien

Die Isolation Katars trifft die Wirtschaft: Häfen sind geschlossen, Landwege gesperrt. Deutsche Firmen vor Ort wie Siemens oder Thyssenkrupp halten an ihren Geschäften fest – und hoffen auf alternative Lieferwege. Doch wer nach Katar liefert, dürfte sich etwa bei den Saudis oder den Ägyptern unbeliebt machen.

Bei diesen Konzernen hat Katar investiert
Golf-Emirat Katar Quelle: dpa
Accor Quelle: REUTERS
Agricultural Bank of China Quelle: REUTERS
Barclays Quelle: REUTERS
BHP Billiton Quelle: REUTERS
Credit Suisse Quelle: REUTERS
Glencore Quelle: REUTERS

Die Isolation von Katar hat handfeste Folgen für die Geschäfte deutscher Konzerne in der Region. Vor vier Wochen erteilte das Emirat dem Siemens-Konzern einen Auftrag für 35 Umspannstationen zur Stromübertragung im Wert von 790 Millionen Euro. Ob die Münchner die Anlagen liefern können, ist indes offen.

Die meisten ausländischen Unternehmen beliefern Katar über den Hafen von Dubai und dann weiter über den Landweg via Saudi-Arabien. Doch die Grenze zwischen Katar und Saudi-Arabien ist geschlossen. Siemens erklärt, man werde alle Verträge mit Katar erfüllen, die Geschäfte mit dem Emirat gingen weiter.

Aus Katar, dessen Staatsfonds mit 3,3 Prozent an Siemens beteiligt ist, erhielt der Konzern bis heute Aufträge mit einem Gesamtumfang von 2,5 Milliarden Euro. Insgesamt ist Siemens in 16 Ländern der Region aktiv. So liefern die Münchner für acht Milliarden Euro Gasturbinen nach Ägypten. Aus Saudi-Arabien erhielt der Konzern ebenfalls einen Auftrag zur Lieferung und Wartung von Gasturbinen im Umfang von 400 Millionen Euro. In Dubai rüstet Siemens die Stadt mit intelligenter Gebäudetechnik für die Expo 2020 aus.

Das ist Katar

Die Finanzbeteiligung der Kataris bei den Münchnern dürfte allerdings kaum ausreichen, um Einfluss darauf zu nehmen, in welchen Ländern der Region der Konzern künftig Geschäfte macht. Gleichwohl: Angesichts der politischen Lage dürfte das Geschäft für die deutschen Konzerne in der Region insgesamt schwieriger werden.

Folgen des Katar-Boykotts noch offen

Wer etwa nach Katar liefert, dürfte sich beispielsweise bei den Saudis oder den Ägyptern unbeliebt machen und umgekehrt. Dabei zieht sich die Konfliktlinie bis nach Deutschland. Beim Hamburger Traditionsunternehmen Hapag-Lloyd sitzen seit kurzem je ein Vertreter Katars und Saudi-Arabiens im Aufsichtsrat. Ende Mai hatte Deutschlands größte Frachtreederei den Zusammenschluss mit dem früheren Konkurrenten United Arab Shipping Company (UASC) vollzogen. Die einstigen UASC-Großaktionäre Katar und Saudi-Arabien halten über Staatsfonds heute 14,4 beziehungsweise 10,1 Prozent an Hapag-Lloyd.

Wie sich der politische Streit in dem Gremium widerspiegeln wird, ist noch offen. Ebenso, ob die beschlossene Kapitalerhöhung in Höhe von 400 Millionen Dollar durchgezogen wird. Die soll bis Ende November über die Bühne gehen, dazu haben sich neben Großaktionär Klaus Michael Kühne sowohl Katar als auch die Saudis verpflichtet. Beobachter gehen davon aus, dass sie dieser Verpflichtung nachkommen.

Welche Folgen der Boykott Katars für Unternehmen im Land selber hat, lässt sich noch nicht absehen. Derzeit dürfen etwa Schiffe mit Ladung für Katar Häfen der Boykott-Länder nicht anlaufen, von denen aus der Wüstenstaat bisher versorgt wurde. Deutsche Firmen vor Ort rechnen damit, in den nächsten Tagen alternative Lieferwege aufbauen zu können.

Thyssenkrupp etwa geht davon aus, keine Probleme bei zwei Großprojekten zu bekommen. Im vergangenen Jahr hatten die Essener einen Großauftrag für das geplante U-Bahnnetz in Doha erhalten. Der Konzern soll mehr als 500 Aufzüge und Rolltreppen liefern. Außerdem baut Thyssen Krupp Fahrtreppen für den neuen internationalen Flughafen in Doha. Beide Projekte sieht der Konzern durch die neue politische Lage nicht gefährdet.

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