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Handelskrieg So kontert Voestalpine die US-Zölle

Handelskrieg: So kontert Voestalpine die US-Zölle Quelle: REUTERS

Der Stahlkonzern Voestalpine ist mit 48 Standorten in den USA vertreten. Nun treffen den Konzern die US-Zölle auf Stahl. Mit einem Drei-Punkte-Plan will sich Voestalpine-Chef Eder gegen den US-Protektionismus wehren.

Für die Sorgen der Stahlbranche in den USA hat der österreichische Stahl- und Technologiekonzern Voestalpine einen besonders schmissigen Namen gefunden. „Taskforce USA“ nennt der Linzer Konzern sein Team aus rund einem Dutzend Mitarbeiter und einigen Lobbyisten. Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump beobachtet die Gruppe die Entwicklungen in Amerika.

Erfreuliches konnten die Abgesandten bislang nur selten nach Linz berichten. Kurz nach dem Antritt von Trump wurde Voestalpine mit Strafzöllen auf bestimmte Grobbleche belegt. Die Anfang Juni 2018 verhängten generellen Zölle von 25 Prozent auf Stahlprodukte aus Europa waren ein weiterer Schock.

Mit 48 Standorten, an denen Voestalpine mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigt, ist der österreichische Konzern in den USA vertreten. 1,3 Milliarden Euro hat Voestalpine bei einem Gesamtumsatz von rund 13 Milliarden Euro 2017 in den USA umgesetzt. Die US-Werke der Voestalpine sind von den Zöllen dabei nicht betroffen, da sie als amerikanische Betriebe gelten. Die Sorge des Konzerns gilt vornehmlich seinen Stahlexporten von Europa nach Amerika. Betroffen sind etwa sogenannte hochfeste Flachstahlprodukte, wie sie in der Autoindustrie eingesetzt werden. Um sie auch weiter exportieren zu können, hat der Konzern ein Bündel an Maßnahmen vorgelegt.

So teilte Voestalpine-Chef Wolfgang Eder am Dienstag bei einer Roadshow in Frankfurt mit, dass sein Konzern Ausnahmeanträge für Lieferungen bestimmter Stahlsorten in die USA gestellt habe. Ganz unwahrscheinlich ist die Bewilligung solcher Anträge nicht: Die hochfesten Spezialstähle werden in den US-Stahlwerken überhaupt nicht hergestellt. Nichtsdestotrotz sind sie für den Automotive-Bereich unabdingbar. Laut Frist sollen die US-Behörden binnen 90 Tagen über die Anträge entscheiden.

Um das Risiko der Zölle zu verteilen, ist Voestalpine derzeit zudem im Gespräch mit seinen Kunden. Zwar hält Eder die Auswirkungen der US-Zölle für überschaubar und spricht davon, dass maximal 400 Millionen Euro seines US-Geschäftes von den Zöllen betroffen sein könnten. Was den Vorstandschef sorgt, ist jedoch die Auswirkung der Zölle und die Frage, ob der neue US-Protektionismus auf andere Länder übergreifen könnte. „Nachteile daraus könnten in der zweiten Jahreshälfte möglich sein“, sagte Eder.

Der dritte Pfeiler von Eders Strategie, mit den Zöllen von Präsident Trump umzugehen, ist die Verlagerung der Produktion. So verlagerte der Konzern bereits Ende 2017 einige Produktionskapazitäten vom Standort Lafayette im US-Staat Georgia nach Mexiko. Allerdings stößt diese Taktik durch den umfassenden US-Protektionismus an seine Grenzen. Weil die USA das Handelsabkommen Nafta aufkündigen könnten, wäre der Standort Mexiko ebenfalls betroffen und weitere Verlagerungen dorthin sinnlos.

Trotz der Schwierigkeiten im US-Geschäft gab sich Eder am Mittwoch optimistisch, dass die US-Zölle nur ein zeitlich begrenztes Problem sein könnten. Wenn steigende Stahlpreise zulasten der US-Kunden und Konsumenten gehen, würden die USA laut Eder massiv unter Druck geraten. So verwies Eder auf die unter George W. Bush verhängten Strafzölle, die relativ schnell wieder aufgehoben wurden.

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