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Mercedes-Hersteller Stellenabbau bei Daimler – Autobauer will 1,4 Milliarden Euro sparen

Der Stuttgarter Autobauer kassiert seine mittelfristigen Renditeziele und plant Stellenstreichungen. Die Personalkosten sollen bis 2022 drastisch sinken.

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Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht hatte Ende vergangener Woche die Zahl von 1100 zu streichenden Stellen im Management genannt. Quelle: dpa

Der Autobauer Daimler steht vor schweren Zeiten. Wie das Handelsblatt schon vorab berichtete, muss der Konzern seine mittelfristigen Renditeziele bei der Autosparte Mercedes kassieren. Statt einer avisierten Marge von acht bis zehn Prozent bis 2021 schafft die Marke mit dem Stern samt Vans lediglich eine Rendite von zumindest sechs Prozent bis 2022, teilte Daimler am Donnerstagmorgen mit.

Und auch diese sechs Prozent stehen unter einem Vorbehalt: Sollte der Handelskrieg zwischen den USA und China doch wieder eskalieren oder die USA Zölle auf EU-Importautos verhängen, wären die Ziele nicht haltbar. Daimler-Chef Ola Källenius versucht nun das Schlimmste zu verhindern.

Der gebürtige Schwede kündigt im Zuge des Kapitalmarkttags von Daimler in London einen Stellenabbau bei dem Dax-Konzern im Management und in den indirekten Bereichen an, also außerhalb der Produktion. Insgesamt will Daimler seine Personalkosten bis 2022 um 1,4 Milliarden Euro reduzieren. Davon entfällt eine Milliarde Euro auf die Pkw-Vision Mercedes, 100 Millionen Euro auf die Transportersparte Vans und 300 Millionen Euro auf Daimler-Trucks, also das Geschäft mit schweren Lastwagen.

„Die Kostenbelastungen zur Erreichung der CO2-Ziele erfordern umfassende Maßnahmen zur Effizienzsteigerung in allen Bereichen unseres Unternehmens. Dazu gehören auch die Verschlankung unserer Prozesse und Strukturen“, begründete Daimler-Chef Källenius die Sparziele: „Dies wird unsere Ergebnisse in den Jahren 2020 und 2021 belasten. Um auch in Zukunft erfolgreich zu sein, müssen wir daher jetzt handeln und unsere Finanzkraft signifikant steigern.“

Daimler ist nach Jahren der Absatz-, Umsatz- und Gewinnrekorde in schweres Fahrwasser geraten. In den ersten neun Geschäftsmonaten hat sich der Gewinn des Konzerns mehr als halbiert und die Verkäufe stagnieren. Unter dem Strich hat Daimler nach drei Quartalen de facto kein Geld verdient, der Free Cashflow ist mit 522 Millionen Euro im Minus.

Für Källenius, der Ende Mai die Nachfolge von Daimler-Langzeitchef Dieter Zetsche antrat, ist das ein unhaltbarer Zustand. Er will den Free Cashflow drastisch erhöhen. Konkret strebt der Manager eine stabile Netto-Liquidität von mehr als zehn Milliarden Euro an. Dazu werde Daimler „in allen Bereichen die Investitionen und Ausgaben priorisieren, um eine stringentere Kapitalallokation vorzunehmen“, erklärte der Konzern.

Um den Free Cashflow zu stärken, deckelt Daimler etwa seine Investitionen in Sachanlagen sowie in Forschung und Entwicklung bei Mercedes auf dem Niveau des Jahres 2019. Der Gesamtkonzern wollte 2019 seine Investitionen auf dem hohen Niveau von 2018 halten, damals investierte der Konzern 7,5 Milliarden Euro in Sachanlagen und 9,1 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung.

Källenius will die Pkw-Neuwagenflotte bis 2039 komplett klimaneutral darzustellen. Mercedes wird grün, und auch die Lastwagen und Busse von Daimler sollen in zwei Jahrzehnten fast überall auf der Welt kein klimaschädliches Kohlendioxid mehr ausstoßen.

Strategisch soll Mercedes als „Pionier für nachhaltigen modernen Luxus“ positioniert werden. Der Fokus liege dabei auf „der Weiterentwicklung höhermargiger Fahrzeuge“ im jeweiligen Segment. In der Lkw-Sparte, der zweitgrößten Division von Daimler, erwartet der Dax-Konzern kurz- bis mittelfristig einen Nachfragerückgang in Kernmärkten wie den USA und Europa.

Das größte Wachstumspotenzial und die besten Gewinnaussichten verspreche langfristig der Markt für schwere Lastwagen, auf denen sich Daimler verstärkt konzentrieren will.

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