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Per Utnegaard Cevian installiert bei Bilfinger den Anti-Koch

Großaktionär Cevian will den kaum bekannten Per Utnegaard zum Chef des Krisenkonzerns Bilfinger machen. Der emotionslose Kostenkiller wäre das Gegenmodell zu seinem Vorgänger Roland Koch.

Per Utnegaard löst Roland Koch ab Quelle: Pressebild, Montage

Per mit einem E, Utnegaard mit zwei A. Bei Bilfinger in Mannheim wurde in den vergangenen Tagen wohl nichts häufiger gegoogelt als der Name des angeblichen künftigen Vorstandsvorsitzenden. Mit Utnegaard, dem heutigen Chef des Schweizer Flughafen-Dienstleisters Swissport, hatte keiner gerechnet.

Der Bilfinger-Aufsichtsrat um den neuen Vorsitzenden Eckhard Cordes bestätigte am vergangenen Dienstag ohne Nennung des Namens, er habe „eine klare Präferenz für einen Kandidaten als neuen Vorstandsvorsitzenden. Die Bestellung soll erfolgen, sobald der Kandidat mit seinem gegenwärtigen Arbeitgeber Einvernehmen über den Zeitpunkt seines Ausscheidens erzielt hat.“

Bilfinger braucht eine völlig neue Strategie

Eine neue Hängepartie kann der schlingernde Konzern eigentlich nicht brauchen. Nach vier Gewinnwarnungen 2014 und angesichts großer Probleme in den Sparten Energie- und Industriedienstleistungen muss Bilfinger eine völlig neue Strategie finden und sich neu definieren. Die Frage ist, ob große Teile des Konzerns verkauft oder langfristig saniert und weiter betrieben werden.

Die Zukunft der Bilfinger-Manager
Noch-Chef Per Utnegaard – Nobody aus NorwegenHierzulande war der Norweger Per H. Utnegaard bis zu seiner Berufung zum neuen Bilfinger-Vorstandschef weitgehend unbekannt. Utnegaard übernahm zum 1. Juni 2015 den Chefposten von Herbert Bodner. Der 55-Jährige war zuvor von 2007 an Chef von Swissport International. Der Schweizer Konzern mit Hauptsitz in Zürich gilt als weltgrößte Servicegesellschaft für Flughäfen und Fluggesellschaften. Zum 30.4.2016 scheidet Utnegaard aber bereits wieder aus dem Unternehmen aus – die Suche nach einem Manager, der den Wandel bei Bilfinger begleitet, beginnt also aufs Neue. Bewertung: Dienstleistung konnte Utnegaard bereits vor seiner Bilfinger-Zeit. Aber Flughafenservice – acht Jahre lang sein Thema bei Swissport – ähnelte keinem der wichtigen Bilfinger-Geschäftsfelder. Am ehesten gab es Überschneidungen zum Facility Management. Aber genau da hat Bilfinger kaum Probleme. In Bilfingers Bereichen mit den großen Sorgen hingegen – also Kraftwerks- und Industrieservice – musste sich der Neue wie Roland Koch 2011 erst einmal einarbeiten. Nach nicht einmal einem Jahr ist er wieder weg. Quelle: Presse
Ex-Chef Herbert Bodner – Scherbenhaufen statt AufsichtsratschefBodner ist ein Bilfinger-Urgestein. Der Österreicher arbeitete seit 1991 für den Baukonzern. Acht Jahre später wurde er Vorstandsvorsitzender und begann, das Unternehmen ihn zum Industrie- und Kraftwerksdienstleister umzubauen. Als sein Vertrag 2011 aus Altersgründen nicht verlängert wurde, folgte ihm Roland Koch nach. 2013 kam Bodner dann planmäßig in den Bilfinger-Aufsichtsrat und sollte dessen Vorsitzender werden. Als Koch aber nach der Kette von Gewinnwarnungen im August 2014 aufgab, ließ sich Bodner in die Pflicht nehmen und übernahm wieder den Posten an der Unternehmensspitze – um im Sommer 2015 an Utnegaard zu übergeben. Bewertung: Es ist ein tragisches Ende einer ziemlich großen Karriere. Bodners scheinbar erfolgreiches Lebenswerk zerbröselt vor seinen Augen zum Scherbenhaufen. Nun muss er zum Ende seiner Amtszeit auch noch den neuen Korruptionsfall in Brasilien eingestehen, der allerdings in die Ära Koch gehört. Quelle: PR
Axel Salzmann – Aufklärung und NeuanfangSeit dem 1. April 2015 ist Axel Salzmann neuer Finanzvorstand von Bilfinger und damit Nachfolger von Joachim Müller. Müller hatte sich "einvernehmlich", aber in Wahrheit schwer belastet von den Gewinnwarnungen 2014, von Bilfinger getrennt. Salzmann war zuvor seit 2008 Finanzvorstand von ProSiebenSat.1. Jetzt erhält Salzmann bei Bilfinger eine Zusatzaufgabe: "Bis auf weiteres" übernimmt er ab Mai die Aufgaben des zurückgetretenen CEO Utnegaard. Bewertung: Salzmann muss schonungslos analysieren, warum die Bilfinger-Chefetage über die Ergebnis-Entwicklung in den Sparten des Unternehmens 2014 offenbar nicht ausreichend informiert war und infolgedessen ihre Zahlen viermal korrigierte. Quelle: Presse
Michael Bernhardt – der ArbeitsdirektorSeit November 2015 ist Michael Bernhardt neuer Arbeitsdirektor und Personalvorstand bei Bilfinger. Er übernimmt die Aufgaben von Jochen Keysberg, der diese interimistisch geleitet hatte. Zuvor hatte Roland Koch diese beiden Funktionen inne. Mit Bernhardt wird die Funktion wieder eigenständig. Der 48-Jährige war zuvor in gleicher Funktion bei der Chemiegesellschaft Covestro, der ehemaligen Bayer Material Science, tätig. Quelle: Presse
Jochen Keysberg – Standfest im Köln-DesasterDer promovierte Bauingenieur und Youngster im Bilfinger-Vorstand ist seit 1997 bei dem früheren Baukonzern tätig. In dieser Zeit hatte er verschiedene Führungspositionen im In- und Ausland inne. Seit 2012 verantwortet der 48-Jährige im Konzernvorstand unter anderem die Gebäudemanagement-Sparte. Bewährt hat Keysberg sich beim Kölner Desaster 2009. Das Stadtarchiv dort stürzte ein, vermutlich weil eine unter anderem von Bilfinger geführte U-Bahn-Baustelle unbemerkt das Fundament unter dem Gebäude beschädigt hatte. Zwei Menschen starben, Kulturgut im Milliardenwert versank im Schlamm. Bodner tauchte ab, Keysberg aber erklärte souverän in der aufgewühlten Stimmung den Medien die technischen Gegebenheiten von Schlitzwänden und Schubhaken, ohne eine Schuld des Bilfinger-Baukonsortiums anzuerkennen. Keysberg war in Köln das Gesicht des Konzerns. Bewertung: Eigentlich ein Manager mit Zukunft und Kommunikationstalent. Aber eigenes Management-Profil hat Keysberg unter Koch kaum gewonnen. Die ganz große Aufgabe käme wohl zu früh. Quelle: PR
Joachim Enenkel – Ex-Vorstand mit Bilfinger-HistorieAls Bilfinger im Sommer 2015 seinen Vorstand von fünf auf drei Mitglieder verkleinert hatte, musste Joachim Enenkel gehen – er galt zuvor schon als Vorstand auf Abruf. Über mehrere Stationen in Ingenieurbüros und Bauunternehmen kam Enenkel 1996 zu Bilfinger. Bald übernahm er Führungspositionen im In- und Ausland. Der 52-Jährige gehört seit 2010 dem Vorstand an. Dort verantwortet er derzeit nur noch die Bausparte, die größtenteils inzwischen an den Schweizer Bau-Marktführer Implenia verkauft wurde. Zuvor war Enenkel im Vorstand auch für die Kraftwerks- und Rohrleitungssparte verantwortlich, deren Verluste aber 2014 binnen weniger Monate die vier Gewinnwarnungen auslösten. Die Verantwortung für den Bereich hatte Enenkel deshalb verloren. Quelle: PR
Pieter Koolen – Ex-Vorstand mit Heimweh nach HollandPieter Koolen kam auf dem Koch-Ticket und wirkte nach dessen Abgang wie ein Fremdkörper bei Bilfinger – auch er musste wie Enenkel bei dem Vorstandsumbau gehen. Koolen wurde nach mehreren leitenden Funktionen bei Wirtschaftsprüfungs- und Bauunternehmen 2005 Vorstand beim Consulting- und Ingenieurdienstleister Tebodin in Den Haag. Diese Firma hat Bilfinger 2012 übernommen. Mit fast 5000 Mitarbeitern ist Tebodin ein Schwergewicht im Bilfinger-Reich, aber kaum damit verbunden. Seit September 2013 gehört Koolen dem Konzernvorstand an und leitet die Sparte Industriedienstleistungen. Damit ist der 59-Jährige Nachfolger des hoch angesehenen und langjährigen Bilfinger-Top-Manager Thomas Töpfer – für Koolen eine Bürde, weil Roland Koch Töpfer schasste und dem Industrieservice-Bereich zugleich die Eigenständigkeit nahm. Quelle: PR

Der frühere Daimler-Manager und Metro-Chef Cordes will dafür Utnegaard, den Anti-Koch. Das Experiment mit dem Polit-Promi Roland Koch als Bilfinger-Konzernchef war krachend gescheitert. Zu spät wurde im vergangenen Jahr klar, dass die angeblich „ambitionierten Ziele“ des Management-Novizen mit der Realität des Unternehmens wenig zu tun hatten.

Utnegaard erfüllt nun die Wünsche des Bilfinger-Hauptaktionärs, des Finanzinvestors Cevian, der die alte Bilfinger-Garde radikal vor die Tür setzt. Der 55-jährige Norweger kann Private Equity, wie der Einstieg privater Investoren in Unternehmen heißt. Er kennt das Dienstleistungsgeschäft und beherrscht Internationalisierung.

An diesen Unternehmen ist Cevian beteiligt

Swissport, das Utnegaard seit 2007 führt, gehört seit vier Jahren der größten französischen Investorengesellschaft PAI Partners, zu deren 54 Beteiligungen der Kaffeeautomatenhersteller Saeco und die Dessouskette Hunkemöller zählen.

„Utnegaards Agenda als Manager ist, die Vorgaben des Eigners zu erfüllen“, sagt René Zurin von der schweizerischen Dienstleistungsgewerkschaft VPOD, die mit Swissport immer wieder im Clinch liegt. Konkret heiße das, vor allem den Gewinn vor Abzug der Zinsbelastung, kurz: das Ebit, zu steigern. „Kosten runter, Ebit verbessern, damit der Investor nach ein paar Jahren mit Gewinn weiterverkaufen kann.“

Utnegaard gilt als zielstrebiger Sparstratege

Utnegaard zieht Sparstrategien emotionslos durch. Wird der Ärger zu groß, wie Anfang Februar beim Streik von 400 Swissport-Mitarbeitern am Flughafen Genf, denen Utnegaard die Löhne kürzen wollte, lenkt er auch ein.

Die Kürzungen in Genf bleiben zwar aus. Das Signal, dass Swissport nichts zu verteilen hat, ist jedoch angekommen bei den weltweit 55 000 Mitarbeitern, die an 265 Flughäfen in 45 Ländern Gepäck verladen oder Linien- und Privatjets rundum versorgen, von der Abwasserbeseitigung bis zur Wetterinformation.

„Bilfinger und Swissport haben von ihren Herausforderungen her mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheint“, erklärt ein Beobachter, der Utnegaards Weg seit Jahren verfolgt. Beide Unternehmen stünden mit ihren Angeboten nur selten allein. Ersetzen können sie diese Schwäche nur durch Spezialisierung und hohe Zuverlässigkeit. „Wir haben die Werkzeuge, uns ständig zu verbessern und Kunden maßgeschneiderte Angebote zu machen“, wirbt Utnegaard für Swissport.

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Denselben Satz soll er bald über Bilfinger sagen können. „Wer im Servicegeschäft erfolgreich sein will, muss den Kunden neben den bereits vereinbarten Leistungen auch erfolgreich die anderen Teile seines Portfolios anbieten“, sagt ein Branchenkenner. Daran hapert es seit Langem im Bilfinger-Reich mit seinen rund 500 zugekauften und wenig vernetzten Unternehmen.

Kaum jemand in Deutschland kennt Utnegaard, denn der gebürtige Osloer mit Studienabschluss in den USA agiert meist unterhalb der Wahrnehmungsschwelle.

„Per ist wie alle Skandinavier freundlich, zugänglich und hat ein großes Gespür für andere Kulturen“, erzählt der Wegbegleiter. Doch dahinter stehe „ein extrem zielstrebiger und entschlossener Macher, der seine Ziele nie aus den Augen verliert“. Sein Auftrag sei, „Bilfinger auf Gewinn zu drehen, ohne allzu viel Lärm in der Öffentlichkeit zu machen und ohne sich selbst als Supermann ins Rampenlicht zu rücken“.

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